Abstillen in der Nacht: Warum ich völlig am Boden bin

Ich stille mein Kleinkind jetzt seit 3 Jahren und 3 Monaten. Das ist eine wirklich lange Zeit. Eine schöne Zeit, denn ich bin eine begeisterte Langzeitstillende. Unsere Stillmomente bedeuten mit sehr viel. Sie geben mir Kraft im Alltag und in der Nacht ließen sie mich, mit Ausnahmen von einigen Nächten, wirklich gut schlafen. Bis jetzt.

Denn vor einigen Wochen habe ich beschlossen, in der Nacht abzustillen und nach und nach ganz langsam überhaupt unsere Stillzeit zu beenden. Der Grund ist unsere Familienplanung: das Stillen macht es mir unmöglich, schwanger zu werden. Außerdem denke ich, dass das Pralinchen nun groß genug ist, um andere Wege zu finden, sich zu beruhigen und Nähe zu tanken. Immer mehr wünsche ich mir, dass sie sich an mich kuschelt, anstatt zu stillen. Dass ich ihr Geschichten erzähle oder ein Buch vorlese, oder dass wir miteinander plaudern.

Abstillen in der Nacht mit Stillpause

Der Entschluss war gefasst. Ich habe ihr erklärt, dass sie noch zum Einschlafen gestillt wird, und dass sie dann keine Brust bekommt, solange es dunkel ist. Wenn es wieder hell wird, kann sie wieder stillen. Sie war einverstanden damit.

In den ersten Nächten protestierte sie heftig, war richtig wütend. Ich hatte mit starken Gefühlen schon gerechnet und wusste, dass ich sie als Mama aushalten musste. Ich tröstete, tröstete, tröstete, kuschelte, tröstete. Trocknete Tränen ab. Reichte Wasser, das sie nie wirklich wollte. Sie hatte ja ein Recht darauf, gekränkt zu sein, schließlich war es ja ein großer Verlust für sie. In einer Nacht weinte sie ganz herzzerreißend und war traurig. Aber sie war sehr tapfer und ich spürte, dass sie kooperierte und dass sie es schaffen wollte. Ich war immens stolz auf sie, als sie es schaffte, ohne Stillen weiterzuschlafen.

In der einen Nacht wachte sie oft schreiend auf und beschimpfte mich. Ich war kurz davor, alles aufzugeben, weil es so schwierig war für mich, ihre Gefühle abzufedern. Es kostete so viel Kraft! Ich hatte zwar frei, weil Feiertage waren, aber danach musste ich zur Arbeit gehen. Abstillen und arbeiten ist echt keine gute Kombi. Aber ich konnte mir jetzt auch nicht 4 Wochen frei nehmen.

Ich bin ich ein Superhero! Und mein Kind isst Pilze.

Eines Nachts schaffte ich es, die starken Wutanfälle mit Geschichten erzählen rechtzeitig  abzufangen und fühlte mich wie ein verdammter Superhero. Doch leider funktionierte es nur zwei Nächte lang. Wodurch sie sich wirklich beruhigte war, wenn ich mich mit ihr ins Wohnzimmer auf die Couch legte. Doch dann könnte ich wiederum nicht mehr weiterschlafen. Ich fühlte mich mit einem Schlag in die Babyzeit zurückversetzt.

Nach zwei Wochen mit mehr schlechten als rechten Nächten, war mein Nervenkostüm so dünn, dass ich mich nicht mehr richtig um mein Kind kümmern konnte. Ich war gereizt, taumelte von Tag zu Tag, schlaftrunken, neben mir stehend. Eines Abends passte ich nicht auf, und sie aß Pilze auf unserem Balkon. Zum Glück stellten sie sich als ungiftig heraus. Aber es war ein Zeichen für mich, etwas ändern zu müssen. Ich war durch das nächtliche Abstillen so erschöpft, dass ich nicht mehr richtig schlafen konnte. Stundenlang lag ich in der Nacht wach und konnte auch untertags nicht schlafen, als das Pralinchen Mittagsschläfchen hielt. Das war richtig belastend.

Der Papa übernimmt!

Wir beschlossen, dass der Mann sich nun in der Nacht um sie kümmern musste. Als sie aufwachte, legte er sich mit ihr auf die Couch beziehungsweise ins Wohnzimmer auf den Boden, weil dort einfach mehr Platz ist für sie beide.

Der Mann kann zum Glück sofort weiterschlafen nach dem Zimmerwechsel. Doch leider wollte das Pralinchen wieder zurück zu mir ins Bett. Wieder wachte ich auf und konnte nicht weiterschlafen.

Inzwischen teilen wir uns die Nächte. Mal übernehme ich in der Nacht, mal er. Mal kann ich weiterschlafen, mal nicht. Doch es gibt weiterhin ein großes Problem:

Wir liegen am Boden. Jede verdammte Nacht.

Die Nächte nach dem Abstillen verlaufen inzwischen so: Das Kind wacht ca. 2-4 Mal auf. Die ersten beiden Male kuschelt sie sich kurz an mich und rollt dann im Bett herum. Manchmal sogar in ihr eigenes beigestelltes Bett. Aber sie schläft weiter.

Beim dritten Mal Aufwachen will sie immer in ein anderes Zimmer. Und beruhigt sich sofort, wenn ich oder der Mann sich mit ihr dort auf den Boden legt. Will ich mit ihr wieder zurück ins Bett, schreit sie und verlangt nach dem Stillen. Sie will das Zimmer wechseln. Unbedingt.

Warum macht sie das? Ich würde es so gerne verstehen!

Will sie nicht mehr im Familienbett, sondern alleine schlafen? Im eigenen Zimmer? Ist das ein nächster Entwicklungsschritt? Ist es ihr zu unruhig oder zu heiß? Oder ist es eine Art Protest: „Wenn ich nicht mehr stillen darf, dann will ich zumindest bestimmen, wo geschlafen wird!“

Inzwischen kommt das Auf-dem-Boden-schlafen nicht mehr in Frage für mich. Ich habe schmerzhafte Verspannungen im Nacken und in der Schulter. Das habe ich ihr auch schon erklärt, doch es nützt nichts. Auch wenn wir nicht zu Hause schlafen, sondern andernorts, möchte sie unbedingt auf den Fußboden, mitten in der Nacht. UNBEDINGT!

Ich möchte das nicht mehr!

Ich möchte diese nächtlichen Wanderungen nicht mehr. Ich wünsche mir die Nächte zurück, in denen ich durch das Stillen friedlich weiterschlafen konnte. Manchmal wünsche ich mir, ich hätte schon früher abgestillt, Fläschchen gegeben. Doch dann ist es wiederum viel einfacher abzustillen, wenn das Kind schon so groß ist. Man kann es so toll besprechen mit ihr. Und schließlich habe ich die lange Stillzeit bisher sehr genossen. Es klappt ja nach dem Abstillen mit dem Kuscheln und Beruhigen ganz gut. Aber ich bin dennoch im wahrsten Sinne des Wortes am Boden. Und der Boden ist für mich ein Problem. Denn zum Schlafen komme ich dadurch nicht wirklich. Und die Verspannungen tun ziemlich weh.

Es muss eine Lösung her. Vielleicht ein neues Bett in ihrem eigenen Zimmer, wo ich in der ersten Zeit mit ihr liege. Vielleicht nur Geduld, denn „Ommm!“, es ist womöglich nur eine Phase…

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht mit dem nächtlichen Abstillen? War es bei Euch auch eine emotionale Achterbahnfahrt? Oder ging es problemlos?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Copyright © 2018 · Theme by 17th Avenue

%d Bloggern gefällt das: