Bindungsorientierte Elternschaft: Pro und Contra – Teil 1

Als das Pralinchen gerade erst geschlüpft war, stand ich vor ganz vielen Fragen: Wie oft soll ich stillen? Was mache ich, wenn sie weint? Wie reagiere ich, wenn sie dies oder jenes macht? Ist das alles normal? Ich war komplett planlos. 

Eine Freundin riet mir: „Mach das, was sich richtig für dich anfühlt, und hab keine Angst vor dem Verwöhnen.“ Doch das war mir irgendwie nicht genug, denn am Anfang war da neben ein wenig Bauchgefühl vor allem viel Überforderung da. Ich begann also, mir so einiges anzulesen. Jede Stillmahlzeit nutzte ich, um mir Infos aus dem Internet, aus Büchern, Blogs, etc. zu holen. Ich las Bücher von William Sears, Dr. Harvey Karp und Jean Lidloff, durchforstete Seiten wie Stillkinder.de oder Blogs wie Das gewünschteste Wunschkind treibt mich in den Wahnsinn, Geborgen wachsen, und viele mehr. Der Weg, der dort beschrieben war, fühlte sich für mich absolut richtig an. Und ich hatte endlich einen Plan, etwas, woran ich mich festhalten konnte. Einen Anker in der stürmischen Babyzeit.

Und so versuchte ich auch nach massiven Stillproblemen am Anfang weiterzustillen, nach Bedarf und nicht nach der Uhr. Wir ließen das Pralinchen von Beginn an in unserem Bett schlafen. Und wir besorgten uns schon recht bald eine Tragehilfe, um sie zum Einschlafen oder Beruhigen zu tragen. Wir reagierten sofort auf jedes Weinen. Wir richteten unseren Alltag nach ihren Bedürfnissen aus. Was sie brauchte, das versuchten wir ihr zu geben. Und das alles tun wir immer noch. 

Jetzt, da das Pralinchen schon zu einem kleinen Persönchen geworden ist, und die turbulente Babyzeit schon seit fast einem Jahr vorbei ist, kann ich eine erste Bilanz ziehen. Was finde ich gut am bindungsorientierten Weg? Was passt für uns als Familie immer noch? Was könnte besser funktionieren? Wo gibt es noch Potential zur Veränderung? 

Aus diesem Grund will ich eine kleine Serie starten, um die bindungsorientierte Elternschaft näher zu beleuchten. Nicht, um diesen von uns eingeschlagenen Weg zu hinterfragen, sondern vor allem, um mich selbst zu reflektieren. Denn auch das gehört zum Elternsein dazu. Den Anfang der Artikelserie macht das Familienbett.

Familienbett Pro:

In der Babyzeit gab mir das Familienbett vor allem Sicherheit. Ich sorgte mich sehr wegen der Gefahr des plötzlichen Kindstodes. Wir haben nicht ein einziges Mal ein System zur Überwachung gebraucht, weil wir immer bei ihr waren und sie atmen hören konnten. Und jetzt, in der Kleinkindzeit, genieße ich es immer noch, dieses kleine Wesen neben mir liegen zu haben. Ihre Wärme zu spüren, jeden Atemzug bei ihr zu sein. Sie sofort beruhigen zu können, wenn sie aufwacht oder weint. 

Dadurch, dass ich immer noch stille, kann ich mir eine andere Lösung für uns schwer vorstellen. Ich fände es mühsam, jede Nacht aufzustehen, zum Bett zu laufen, das Kind herauszuheben usw. So ist es für alle Beteiligten viel angenehmer (der Mann pennt sowieso wie ein Stein). Es würde sich für mich auch nicht richtig anfühlen, sie ganz alleine, im eigenen Bettchen, in ihrem eigenen Zimmer schlafen zu lassen. Das ist eine Vorstellung, die mir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht behagt. 

Auch wenn so manche Stimmen immer wieder mal meinen, das sei nicht hygienisch, sie bei uns schlafen zu lassen, es wäre doch endlich mal Zeit für ein „eigenes“ Leben, sie sei schon groß genug, etc., antworte ich dann immer: „Sie liegt ja in ihrem eigenen Bett, das ist halt direkt neben unserem. Und sie fühlt sich geborgen. Was ist daran falsch? Außerdem wird sie sowieso so schnell groß werden und irgendwann wird sie darauf bestehen, in ihrem eigenen Zimmer zu schlafen. Darauf vertraue ich, dass dieser Zeitpunkt ganz von selbst kommt.“

Familienbett Contra: 

Es gibt gelegentlich Nächte, da beschleicht mich so ein Gefühl, dass das Pralinchen wegen uns unruhig schläft. Wenn der Mann hustet oder ich mich umdrehe und das Bett knarzt, wacht sie manchmal auf. Das ist natürlich blöd. Ebenso finde ich es mühsam, dass ich gelegentlich nicht mehr einschlafen kann, wenn sie aufwacht, und dann stundenlang wach liege. Das kann mir natürlich ebenso passieren, wenn sie im eigenen Bett/Zimmer liegen würde. Dennoch frage ich mich manchmal, ob sie dann allgemein etwas ruhiger schlafen würde…auch wenn ich weiß, dass es ganz natürlich und evolutionsbedingt so ist, dass Kinder in der Nähe der Eltern schlafen. 

Fazit: Das Familienbett fühlt sich für mich und meine Familie immer noch passend an. Abgesehen von den unruhigen Nächten, die immer wieder mal da sind, wegen Krankheit, Zähnen, Schub, etc. können wir insgesamt alle gut zusammen schlafen. Und vor allem habe ich das Gefühl, dass die Nähe dem Pralinchen gut tut. Sie ist eine richtige Kuschelmaus.

Welchen Weg habt ihr als Eltern eingeschlagen? Was passt für euch gut, wo seht ihr Potential zur Veränderung? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Comments

  1. Hallo liebe Schokomama,
    eine schöne Idee, eine Bilanz zu ziehen und uns daran teilhaben zu lassen. Ich bin sehr gespannt und freue mich schon auf weitere Einträge von dir.
    LG und ein schönes Wochenende

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