Dürfen Mamas auch mal schreien?

img_0383Letzte Nacht war unruhig, das arme Pralinchen hat eine Schnupfennase und ist gefühlte hundert Mal in der Nacht aufgewacht. Dieses Gefühl, jedes Mal aus der Tiefschlafphase gerissen zu werden.. und dann nicht wieder einschlafen können. Ich komme mir jedes Mal vor wie in diesem Videospiel: Supermario, der nach den Pilzen hüpfen muss, sie aber nicht erreichen kann.

Nun, vielleicht hat der Schlafmangel dazu beigetragen, vielleicht auch nicht. Aber ich war heute wütend, gereizt, und konnte mich selbst nicht ausstehen. Und das Pralinchen hat es irgendwie abbekommen. Und jetzt habe ich schlechtes Gewissen.

Wenn der Geduldsfaden reißt 

Ich bin eigentlich eine geduldige Mama, aber heute ist mir der Geduldsfaden gerissen. Wegen einer Lappalie. Ich habe gestern die Wohnung geputzt. Während ich gekocht habe, hat das Pralinchen die Küche auf den Kopf gestellt. Die Teebeutel zerrissen. Das Mehl ausgeschüttet. Hat alle Nudeln aus der Verpackung gerissen, sie sich in den Mund gesteckt, ich bin ihr nachgelaufen. Ich wollte nicht, dass sie die rohen, harten Nudeln isst, dass sie sie ausspuckt. Das wollte sie wiederum nicht, sie ist mir davongelaufen, und hat die Nudelnester in den Flur geschmissen. Sie schien wütend zu sein. Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf gegangen ist: „Sie will mich provozieren!“. Ich weiß, dass das falsch ist. Dass sie Aufmerksamkeit brauchte, oder einfach nur mit mir spielen wollte. Vielleicht hatte sie auch Hunger. Vielleicht blieb ein Bedürfnis unerfüllt. Vielleicht hat sie nur ihre Schnupfennase geärgert. Vielleicht wollte sie meine Nähe. Vielleicht war sie unterfordert. Aber ich fühlte mich hilflos.

Ich bin ins Badezimmer gegangen, habe die Tür hinter mir zugemacht, und mal ganz laut geschrien.

Anstatt auf sie zuzugehen, habe ich in dem Moment nur gedacht: „Jetzt reicht es mir!“. Ich bin ins Badezimmer gegangen, habe die Tür hinter mir zugemacht, und mal ganz laut geschrien. „Aaaaaaahhhhhhhhhhh!!!!!!!!!!!!“ Es musste einfach raus. Wahrscheinlich hatte sich ganz schön viel in letzter Zeit angestaut.

Dann bin ich wieder in die Küche gegangen, wo das Pralinchen sich gerade über die Reispackung hermachte. Sie schaute mich verdutzt, mit großen Augen an. Was hat Mama im Badezimmer gemacht? Wieso war das gerade so laut? Sie ist sogar ins Badezimmer gegangen, um nachzusehen, was da eben los war.

Mama hat einen schlechten Tag

Ich nahm sie auf den Schoß und erklärte ihr, dass ich einen schlechten Tag habe. Dass mich heute viele Dinge ärgern, die mich sonst nicht ärgern. Dass mich das mit den Nudeln in der Wohnung herumwerfen geärgert hat und dass ich das nicht will. Dass ich selbst nicht weiß, warum das gerade so ist. Aber so ist es nunmal.

Und dann haben wir Spaghetti gegessen. Und gekuschelt. Und die Oma ist vorbeigekommen und hat mir beim Aufräumen geholfen. Und irgendwie war alles wieder gut.

Ich weiß nicht, ob das „richtig“ war, dass ich ins Badezimmer gegangen bin und den Ärger herausgeschrien habe. Aber es war eine Art „Durchatmen“, es hat gut getan.

Das nächste Mal werde ich aber besser gleich auf mein Kind zugehen und in aller Ruhe versuchen herauszufinden, was denn gerade mit ihr los ist. Denn schließlich braucht sie Sicherheit und Halt, und keine Mama, die einfach im Badezimmer verschwindet.

Comments

  1. Ich finde es richtig sympathisch, wie du schreibst. Wir machen uns ja wirklich immer viel zu viele Gedanken um alles, was unsere Kinder betrifft, wollen alles richtig bzw. perfekt machen. Puh! Das ist manchmal richtig anstrengend.
    Oft machen wir uns einfach total verrückt, ich kenne das sooooooo gut.
    Viele liebe Grüße

  2. Ich habe mich auch schon mal ins Schlafzimmer eingeschlossen als ich vor Wut nicht mehr konnte. Dann kam natürlich mein Kind klopfen und ich habe wieder aufgemacht. Aber so konnte ich mal die Grenze markieren als es mir nicht mehr anders gelang.

Ich freue mich, wenn Du mir einen Kommentar hinterlässt!

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