Ein betrunkener Anästhesist, eine schizophrene Kindfrau und ich mittendrin

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Mama Natur hat eine Blogparade zum Thema Krankenhauserfahrungen gestartet und ich war gleich Feuer und Flamme, weil ich schon so manche lustige und weniger lustige Dinge erlebt habe. Ein Krankenhausaufenthalt ist mir jedoch besonders in Erinnerung geblieben:

Ich war 18 und habe meine Eltern in Slowenien besucht, mein Vater hatte dort beruflich zu tun. Ich hatte mich mit einer Freundin im Café getroffen, als mir plötzlich richtig schlecht wurde und ich heftige Bauchschmerzen bekam. Mein Freund, den ich damals frisch kennengelernt hatte, war mit, wir fuhren sofort ins nächstgelegene Krankenhaus. Ich dachte schon, ich wäre schwanger…dabei war es der Blinddarm. Er musste sofort raus!
Wenige Stunden nach der Untersuchung lag ich also am OP-Tisch. Jung, verängstigt, nichtsahnend. Der Anästhesist, ein gesetzter Herr um die Fünfzig, kam und wollte mir ein paar Fragen stellen. Doch anstatt dies zu tun, lallte er ein plumpes Kompliment, von wegen „so jung, so hübsch“. Machte sich einen Spaß daraus, dass ich ja gar nicht weiß, was mich hier erwartet, warum ich denn so nervös sei.

Mein Aufenthalt im Horror-Krankenhaus…ok, ganz so schlimm wie auf diesem Bild war es nicht!

Ich roch seine starke Fahne

Er konnte nicht gerade stehen, war nicht zurechnungsfähig, roch stark nach Alkohol, Bier oder Whiskey. An diesen Geruch kann ich mich heute noch erinnern, und welche Gefühle er in mir geweckt hat. Ich wollte aufspringen, schreien, davonrennen. Ich fühlte mich hilflos, ausgeliefert. Ich hatte Todesangst. Doch es war schon zu spät. Er hatte mir die Narkosespritze gegeben und ich dämmerte zügig weg. Als ich aufwachte, war ich froh, noch am Leben zu sein.

Ich hatte starke Schmerzen, die Wunde hatte sich entzündet und es gab ein paar Komplikationen, weshalb ich etwa fünf Tage länger im Krankenhaus bleiben musste. Ich starrte den ganzen Tag an die Decke, sie hatte ganz viele Risse. Das Krankenhaus war sehr alt, renovierungsbedürftig, das Personal überlastet. Ich musste stundenlang klingeln, bis jemand kam.

Meine Zimmernachbarin war 40 und benahm sich wie eine Fünfjährige 

Am dritten Tag meines Aufenthaltes bekam ich eine neue Zimmernachbarin. Sie war um die 40 Jahre alt und hatte ganz komische Klamotten an: ein Mickey-Maus Shirt, eine mit Farbstiften angemalte Hose und ein „Ess-Armband“ aus bunten Bonbons. Sie rief ganz oft ihre Mutter an und sprach am Telefon wie ein fünfjähriges Kind. Ich fand ihr Verhalten sehr merkwürdig, suchte aber trotzdem das Gespräch. Ich fragte sie, warum sie denn hier sei. „Ich habe Schizophrenie. Und ich habe meine Medikamente schon länger nicht genommen.“ Das hat gesessen. Die Nächte darauf könnte ich nicht mehr schlafen. Heute würde ich ganz anders damit umgehen, aber damals hatte ich keine Ahnung von psychischen Erkrankungen. Ich hatte in meinem zarten Alter einfach Angst, dass sie mir etwas antun könnte.

Was mich während dieses Horror-Krankenhausaufenthaltes am Leben hielt: mein Freund. Ich war damals frisch verliebt. Wir sind heute noch immer zusammen und er ist der Papa vom Pralinchen. Er brachte mir eine „Dirty-Dancing“-CD, die ich rauf-und runter spielte. Immer wenn ich das Lied „Hungry Eyes“ von Eric Carmen höre, muss ich an diese Zeit zurückdenken. Ebenso wenn ich meine Blinddarmnarbe anschaue, die von hier bis nach Tokyo reicht, weil die OP wahrscheinlich ein unerfahrener Assistent gemacht hat.

Ich freue mich, wenn Du mir einen Kommentar hinterlässt!

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