Familienbett adé – raus auf den Balkon!

Hätte mir jemand gesagt, dass ich meine sowieso schon schlaflosen Nächte nun auf dem Balkon verbringen würde, anstatt im Bett, ich hätte wohl hysterisch gelacht. Doch leider ist dieser Umstand tägliche Realität hier im Hause. Ja, ich stehe tatsächlich so gegen 12:00/1:00/3:00 Uhr (? wer weiß das schon genau) auf dem Balkon. Jede Nacht. Man könnte meinen, ich wäre dement und hätte mich ausgesperrt. Oder der Mann ließ sich irgendwelche komischen Spielchen (ihr wisst schon…) einfallen. Oder ich bin zur Astronomin mutiert und finde den Sternenhimmel so unglaublich knorke. Oder, oder, oder…

Der wahre Grund, oder, besser gesagt: Übeltäter, ist mein Kleinkind. Ja, mein dreijähriges, zuckersüßes, zu aller und jeder Zeit geliebtes Pralinchen schickt mich jede Nacht auf den Balkon. Sie will unbedingt da hin und ich soll unbedingt mitkommen. Wenn nicht, gibt es lautstarkes Gebrüll, das selbst einen Siebenschläfer auf Valium aus dem Schlaf reißen würde. Damit ich den Nachbarn nicht bald als Voodoo-Puppe diene, gebe ich also nach und stehe mit ihr auf dem Balkon.

Es könnte ja so schön sein: gemeinsam den Sternenhimmel anschauen, die Sterne zählen, sich Geschichten zu den Sternen ausdenken, Sternlieder singen… Wenn da nicht mein liebes schlafdefizitäres Gehirn wäre, das mir eine ordentliche Standpauke hält und die Dreijährige am liebsten gleich auf den Mond katapultieren würde.

Übers Abstillen, Schlafbrücken bauen und wie alles begann

Nachdem ich beschlossen hatte, in der Nacht abzustillen, befand ich mich nach einigen Höllen-Nächten auf dem Boden. Sprichwörtlich und tatsächlich. Denn mein liebes Kleinkind hatte sich in den Kopf gesetzt, dass Weiterschlafen nur noch auf dem Fußboden möglich ist. Ich habe hier darüber geschrieben. Also kroch ich untertags mit hängenden Augenringen bis zu den Knien auf dem Boden, denn mein Schlafdefizit war nur mehr ein einziges Fass ohne Boden.

Dann rettete mir Twitter den Allerwertesten: die wunderbare Anna Hofer, Stillberaterin in Köln, erfasste die Situation punktgenau. Mein Mädchen hatte sich den Fußboden als Schlafbrücke zurechtgelegt. Ich folgte ihren Empfehlungen, diese Schlafbrücke zu ändern, indem ich dem Töchterchen die Windel wechselte und mit ihr aufs Klo ging. Der Plan ging voll auf! Auch darüber hatte ich hier geschrieben. Ich war happy und erleichtert, dass es so gut funktionierte!

Doch meine Tochter ist sehr kreativ im Schlafbrücken-bauen. Schon bald legte sie sich eine neue zurecht, nämlich die mit dem Balkon.

Der Auszug aus dem Familienbett

Als Pralinchens Kusine da war und wir die Mädels im Kinderzimmer hinlegten, wurde plötzlich jenes Bett als neue Schlafstätte interessant. Seitdem will mein Mädchen nur noch dort schlafen, mit mir natürlich. Eine weitere Veränderung, die mit wundervollen (*hysterisches Lachen*) Nächten einherging. Wir schlafen also nicht mehr im Familienbett, auch nicht mehr auf dem Fußboden aber stehen jede Nacht auf dem Balkon. Es wird immer skurriler…

Noch dazu haben wir eine andere Baustelle: das Abstillen. Nach der nächtlichen Stillpause wacht das Kind nämlich auf und will in der Früh dauernuckeln. So nach dem Motto: „Jetzt will ich die Brust auch nicht mehr hergeben. Die wird ja sonst wieder weglaufen!“

Persönliche Grenzen und Selbstfürsorge

Irgendwie wird mir das alles gerade zu bunt. Nach einem sehr aufbauenden Gespräch mit Anna, habe ich jetzt beschlossen, Grenzen zu setzen. Persönliche Grenzen. Liebevolle Grenzen. Achtsam kommunizierte Grenzen. Ich habe Verständnis für Pralinchens Situation. Was auch immer sie dazu bewegt, so oft aufzuwachen, getragen werden zu wollen und auf den Balkon gehen zu wollen – sie wird sicher ihre Gründe haben. Doch auch ich bin nur ein Mensch und ich habe auch meine Gründe. Ich zähle genauso.

Und ich wünsche mir sehr, dass ich irgendwann mal darüber mit ihr lachen werde. „Weißt du noch, damals, als du mitten in der Nacht unbedingt auf den Balkon wolltest? Da hat mir Twitter den Allerwertesten gerettet, sonst hätte ich dich womöglich wirklich noch auf den Mond geschossen.“ „Waaaas, du warst noch auf Twitter?? Das ist ja sowas von 20er!“

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