Geld oder Leben?

Keine Sorge, ich bin nicht ausgeraubt worden! Ich war auch nicht Zeugin eines Banküberfalls. „Geld oder Leben?“ ist nur eine Frage, die mich gerade etwas stärker beschäftigt. Warum? Weil ich meine eigenen Wertvorstellungen hinterfragen möchte.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber in meinem beruflichen Umfeld reden gerade ganz viele über Kryptowährungen, Aktien, Fonds und andere Dinge. Laaaangweilig! Ich kann da nie so richtig mitreden.

Investieren ist etwas, wovon ich überhaupt keinen Tau habe. Es hat mich nie wirklich interessiert und ich hatte auch nie das Bedürfnis, mich da näher einzulesen.

Bis mich ein Bekannter zu einem Spiele-Abend einlud, bei dem man das Thema Investieren spielerisch kennenlernen konnte. Ich sagte zu.

Aus dem Hamsterrad ausbrechen

Der Abend war lustig. In diesem Spiel war ich Pilotin und verdiente meine 9500 Euro im Monat. Ziel des Spieles war, so geschickt mit dem Geld zu haushalten, dass die passiven Einnahmen aus Aktien, Immobilien etc. höher waren als die Ausgaben. Nur so konnte man aus dem Hamsterrad ausbrechen, finanziell unabhängig sein und sich seine Träume erfüllen.

Ich investierte also in Mehrfamilienhäuser, Wohnungen, riskierte viel, gab viel aus, verlor, gewann, reinvestierte wieder. Ich war steinreich. Aus dem Hamsterrad auszubrechen schaffte ich nicht, aber es machte trotzdem Spaß.

Finanziell frei sein – ein Traum?

Ziel des Spieles war also die komplette finanzielle Unabhängigkeit, um sich endlich seine Träume erfüllen zu können. Wollen wir das nicht alle irgendwie? Nur mehr das machen, was wir wirklich wollen? Von niemandem abhängig sein? Genug Geld auf dem Konto haben, um sich um nichts sorgen zu müssen?

Es klingt wunderbar. Wäre ich finanziell unabhängig, würde ich wahrscheinlich ein Buch schreiben, oder um die Welt reisen. Ganz viele schöne, teure Klamotten kaufen, Schuhe, Handtaschen. Einen Garten haben mit Hühnern. Oder einen eigenen Wald. Ein Start-Up gründen. Tonnen an Schokolade essen, um sich danach das Fett absaugen zu lassen (Scherz!).

Finanziell unabhängig sein klingt toll. Aber, wer wirklich viel Geld haben will, muss auch:

  • viel Zeit investieren (also in der Regel überdurchschnittlich viel arbeiten)
  • eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen
  • seine Ausgaben auf das Minimum reduzieren
  • Immer wieder reinvestieren

Ausgenommen er oder sie gewinnt im Lotto, bekommt ein Darlehen oder ein Erbe.

Im Endeffekt heißt das: viel arbeiten, wenig ausgeben, viel sparen und investieren, um das Geld irgendwann für sich arbeiten zu lassen, als passives Einkommen. Das ist das, was ich aus diesem Abend mitgenommen habe.

Und dann fragte ich mich: Macht das wirklich Spaß? Das halbe Leben lang nur auf ein Ziel hinzuarbeiten, sich alles vom Mund absparen, nur um irgendwann mal total unabhängig sein zu können?

Was ist wichtiger: Zeit oder Geld?

Ich bin zurzeit als Mama eines Kleinkinds, in Teilzeit arbeitend, alles andere als finanziell unabhängig. Aber: meine Selbstständigkeit läuft gerade sehr gut. Theoretisch könnte ich richtig viel arbeiten, in der Zeit, die mir zur Verfügung steht. Deshalb muss ich mir immer öfter die Frage stellen: Wie viel meiner Zeit möchte ich mit Arbeit verbringen? Und wie viel mit meinem Kind? Wohin will ich meine Energie investieren? Was wünsche ich mir für die Zukunft? Diese wird, finanziell gesehen, wahrscheinlich nicht so rosig aussehen. Meine Generation wird es richtig schwer haben mit Ü60. Auf staatliche Pensionen werden wir wahrscheinlich pfeifen können. Was also tun?

 Deshalb habe ich für mich beschlossen:

  • Solange mein Kind klein ist, investiere ich meine Zeit so gut es geht ins Kind. Ich arbeite „nur“ vormittags, die Nachmittage gehören uns beiden. Wenn etwas Dringendes anfällt, arbeite ich zur Not auch abends oder nachts. Aber die Zeit, wo sie noch so klein ist, wird so schnell vorbei sein! Ich möchte es nicht irgendwann bereuen, etwas verpasst zu haben.
  • Ich stelle mich darauf ein, dass ich nur sehr wenig Pension haben werde. Ich werde sicher bis ins hohe Alter arbeiten müssen. MÜSSEN? Nein! Ich will nicht müssen. Ich möchte alles daran setzen, dass ich das tun kann, was ich liebe. Auch in 20 Jahren. Vorausgesetzt, ich bin gesund.
  • Inzwischen muss ich auf einige Dinge verzichten. Die Prioritäten haben sich stark verschoben, seit ich ein Kind habe. Was früher wichtig war, hat heute nicht mehr dieselbe Bedeutung. Und das ist auch OK so.

Zusammengefasst heißt das: f*ck Kryptowährungen, Aktien und Co. In meiner aktuellen Lebenssituation habe ich beschlossen, Zeit zu investieren. Kein Geld. Nur Zeit. In meine Familie und in meine Beziehungen. Ins Leben.

Und das ist auch ein Risiko, das ich auf mich nehme! Denn das mit der finanziellen Unabhängigkeit  – das wird wohl nichts mehr. In Wahrheit gehen alle Mamas, die ihre Zeit zur Hälfte oder ganz ihren Kindern widmen, dieses Risiko ein. Das wird von unserer Gesellschaft sehr unterschätzt. Oder besser gesagt: gar nicht geschätzt. Leider.

Ich hoffe, ich denke nicht zu naiv, kurzsichtig, illusorisch. Kurz gesagt: ich hoffe, ich falle nicht mal auf die Schnauze.

Was ist für Euch wichtiger? Geld oder Leben?

P.S. Falls Euch das Thema „Investieren“ interessiert, ich habe einen ausführlichen und sehr nützlichen Artikel bei „Wachsen und Lernen“ gefunden: Money makes the World go round: Sparen für und mit Familie

Comments

  1. Hallo Schokomama,

    Ich kann deine Beweggründe nur zu gut verstehen. Nicht umsonst leisten wir uns den Luxus, dass ich komplett zuhause bei den Kindern bin.

    Das bedeutet natürlich finanzielle Einschränkungen, aber die Zeit mit den Kindern kommt nicht wieder. Sie werden so schnell groß.

    Damit wir die Altersvorsorge nicht aus den Augen verlieren, haben wir uns für ein Eigenheim entschieden. Somit sparen wir im Alter wenigstens die Miete.

    Viele Grüße
    Mama Maus

    • Hallo Mama Maus,

      finde es toll, dass Du komplett zu Hause bist, dafür braucht es viel Mut. Deine Kinder werden Dir sicher dankbar sein. Das mit dem eigenen Haus ist natürlich auch eine gute Option.

      Viele Grüße
      Schokomama

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