Ich habe eine Portion Glück verdrückt

Ich bin ein hoch emotionaler und selten optimistischer Mensch – eine tolle Kombi! Vieles, was ich angehe, artet in einem großen Drama aus: der Führerschein hat drei Anläufe gebraucht. Ich dachte schon, ich schaffe es nie, mal selbst ein Auto zu fahren, ohne dabei eine echte Gefahr für andere zu sein. Der erste Job nach dem Studium: ein Desaster. Nach 3 Monaten habe ich gekündigt, weil meine Chefin schlimmer war als Meryl Streep in „Der Teufel trägt Prada“. Das Schwangerwerden und Kind bekommen hat insgesamt drei Jahre gebraucht. Ich dachte, ich werde niemals schwanger.

Das Leben stellt uns ganz oft vor Herausforderungen und wenn ich mich gerade in einer schwierigen Situation befinde, dann bin ich ziemlich schnell verzweifelt. Ich fühle mich wie in einem Brunnen gefangen, sehe das Licht oben und weiss, dass ich da mit viel Glück wieder hinauskommen werde, nur nicht wie.

Und jetzt? Jetzt sitze ich mampfend da, denn ich habe eine Portion Glück verdrückt. Ich freue mich wie ein kleines Kind, weil ich solche Momente nur selten erleben darf. Oder besser gesagt: ich gestehe sie mir viel zu selten zu. Momente der reinen Zufriedenheit, ohne irgendwelche Hintergedanken wie „Ach jetzt bist du ja zufrieden, aber das kann sich ja schlagartig ändern. Hinter der nächsten Ecke lauert schon Murphy und denkt sich bestimmt etwas Tolles für dich aus!“

Ich versuche, diesen Moment ohne störende Gedanken zu genießen. Mein wunderbares Kind liegt neben mir und schläft. Ich höre, wie sie regelmäßig atmet, betrachte ihre rosigen Wangen und ihre dunklen Haare. Ich bin dankbar, dass sie gesund ist. Dass sie die Eingewöhnung in die Kita so toll geschafft hat. Dass sie ein schüchternes Kind ist, das ganz viel beobachtet. Dass sie lacht, wenn ich sie am Bauch kitzle. Dass sie jetzt auf Zehenspitzen gehen gelernt hat. Dass ihr Lieblingsessen Weisswürste sind. Dass sie sich so schön in ein Spiel vertiefen kann und ich ihr dabei stundenlang zuschauen könnte. Dass sie sich so putzig ärgert, wenn sie etwas nicht alleine schafft. Dass sie so ist, wie sie ist.

Ja, es werden viele neue Herausforderungen auf uns zukommen. Das Abstillen, zum Beispiel. Oder der Stress, wenn ich wieder arbeiten gehe, und Job, Haushalt, Kind und Partnerschaft jonglieren muss. Oder eine erneute schwierige Schwangerschaft. Und sollte ich dann wieder verzweifelt sein, dann will ich mir diese Zeilen vor Augen führen, dass es zwischen all den Höhen und Tiefen immer Momente der vollsten Zufriedenheit gibt.

Wie geht ihr mit Herausforderungen um? Seid ihr eher optimistisch oder pessimistisch eingestellt? Wie erlebt ihr es, wenn mal alles glatt oder komplett schief läuft? 

Comments

  1. Ich kenne das total gut. Bin selber auch eher pessimistisch, bzw. traue meinem Leben nicht zu, dass es einfach mal ein paar Wochen geradeaus geht. Aber wenn es das dann doch tut, kann ich es total genießen.
    Kopf ausschalten wäre manchmal wirklich toll. Leider eine Fähigkeit, die ich nicht besitze 😉

    Kannst du es denn in vollen Zügen genießen, wenn es mal „ruhig schön“ ist?

  2. Hallo liebe Schokomama!
    Ein wenig finde ich mich wieder in Deinen Zeilen, auch wenn ich Herausforderungen an und für sich ganz optimistisch entgegentreten. Aber nicht immer läuft alles rund und ich mutiere dann auch ganz flink mal zur Schwarzmalerin. Viele Grüße! Claudia

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