Ich kann deine hohen Ansprüche nicht erfüllen


Der Weihnachtsstress hat uns alle. Ich bin angespannt, der Mann ebenfalls und das Pralinchen spürt den Druck. Denn Kinder spüren irgendwie alles. Sie bockt, zickt, sagt ständig „Nein“. Blöd, wenn man selbst gerade ein Nervenbündel ist. Und auch noch viel zu hohe Ansprüche an sich hat. 

Es hat alles so schön angefangen…

Ich habe mit dem Pralinchen Kekse gebacken, während der Mann unser Arbeitszimmer aufgeräumt hat. Denn dieses war schon längst zu einer Abstellkammer geworden und wir wollten etwas Ordnung hineinbringen. Mama und Kind werkelten also in der Küche. Wir backten unsere ersten Kekse überhaupt und entschieden uns für ein einfaches Rezept. Was nicht so einfach war: das Pralinchen wollte alles selber machen und war trotzig, wenn ich dazwischenfunkte. Und ich funkte zu oft dazwischen, denn irgendwie wollte ich, dass die Kekse auch nach Keksen aussehen. Nun, irgendwie schafften wir es letztendlich doch noch, das Blech zu befüllen. Der Duft der Orangen-Schoko Plätzchen breitete sich in der ganzen Wohnung aus. Das Pralinchen brachte dem Papa ihren ersten selbstgemachten Keks, sie war ganz stolz darauf. 

Dann knallte es…

Wir bewunderten das neue Arbeitszimmer, es war jetzt von der Rumpelkammer zu einem gemütlichen Raum mutiert. Das hat der Mann super gemacht und bekam dafür ein Küsschen von mir. Und dann sollte Pralinchen Mittagsschläfchen machen, weil wir noch auf dem Weihnachtsmarkt verabredet waren. Wollte sie aber nicht. Keine Chance. 

Wir legten uns mit ihr hin, der Mann holte noch eine Decke. Als er wieder zur Tür hereinkam, kam ihm Pralinchen entgegen. „Zack!“ Es knallte. Die Tür knallte Pralinchen genau auf die Nase. Der Mann zu mir: „Kannst du nicht aufpassen? Das ist deine Schuld.“ Das Pralinchen weinte und ich tröstete sie. „Das hätte ich ja nicht ahnen können, dass du genau in dem Moment zur Tür hereinkommst,“rechtfertigte ich mich. Ich war richtig sauer, denn es ist immer das gleiche Muster: dem Pralinchen passiert etwas, und der Mann gibt mir die Schuld dafür. Ich hätte in dem Moment die Verantwortung, ich hätte besser aufpassen sollen. Immer das gleiche Spiel. „Ich bin kein Supermensch. Ich kann gewisse Dinge nicht vorhersehen. Du hast zu hohe Ansprüche an mich. Ich kann diese hohen Ansprüche nicht erfüllen“ platzte es aus mir heraus. 

Perfekt, perfekt, …defekt!

Und irgendwie dachte ich mir, dass ich von diesen ganzen Ansprüchen erdrückt werde. Denn nein, nicht nur der Mann stellt sie an mich, sondern auch ich an mich selber. Und allen voran die Gesellschaft. 

Schauen wir uns mal die Liste an Anforderungen einer Mama doch genauer an: 

  • die Wohnung soll perfekt aufgeräumt und der Jahreszeit entsprechend dekoriert sein.
  • Das Essen soll frisch gekocht sein, jeden Tag. Am besten Bio und regional. 
  • Man soll sein eigenes Geld verdienen, man will ja nicht vom Partner abhängig sein.
  • Der Job soll ja noch dazu Spaß machen, man muss förmlich darin aufgehen. 
  • wehe, man überschminkt die zu den Knien hängenden Augenringe nicht, bevor man perfekt gestylt außer Haus geht!
  • Das Kind muss möglichst ohne Kakao-Flecken und Blessuren vom täglichen Anzieh-Kampf, pünktlich auf die Minute in die Kita gebracht werden, sonst geht der Tagesplan nicht auf. 

Daneben organisiert man den nächsten Wochenendeinkauf inklusive Wochenplan. Und das alles gepaart mit der Riesen-Verantwortung, die man sowieso schon hat: dass dem Kind ja nichts passiert, es sich kein Bein oder sonst eine Gliedmaße bricht, während es seine Kletterkünste übt. Ach ja, und nebenbei backt man ja auch noch den nächsten Kindergeburtstags-Kuchen oder eben Weihnachtskekse. Und nicht zu vergessen: für den Partner soll man ja auch noch mitdenken. Damit man ihn genau in der Millisekunde, in der er das Zimmer betritt, vorwarnt, dass das Kind zur Türe sprintet. 

Ich übertreibe jetzt etwas, aber irgendwie läuft es schon darauf hinaus, oder? Ich jedenfalls komme mit diesem Druck nicht immer so gut klar. Wie geht es euch dabei? Und wie schafft man das, wenn noch ein, zwei weitere Kinder am Rockzipfel hängen?

Comments

  1. Ich komme mit dem Druck auch nicht klar und entlaste mich gerade systematisch und das wird im nächsten Jahr noch weiter gehen. Wenn Du mich fragst, ist das alles gar nicht zu schaffen. Das soll nicht entmutigen, sondern ermutigen ;-). Wenn Du ein normaler Mensch bist, kannst Du das alles nicht schaffen. Wenn man das erst einmal analysiert hat, dann kann man ganz langsam anfangen zu entspannen. Alles Liebe

    • Liebe Mara,

      vielen Dank – das, was Du mir geschrieben hast, nimmt tatsächlich etwas Druck raus. Ich werde mir auch in Zukunft nicht mehr so viel vornehmen, bzw. nur das, was realistisch machbar ist. Und ja, ich hatte schon während ich die Plätzchen mit meiner Maus gebacken hatte so eine leise Ahnung, dass sie womöglich noch zu klein ist.

      Wünsche Dir noch schöne Feiertage mit Deinen Liebsten
      Schokomama

  2. Ach ja … mein erstes Plätzchenbacken mit einem zweijährigen Kind habe ich auch noch in lebhafter Erinnerung. Ich würde nie mehr mit so einem kleinen Kind backen. Mit drei Jahren lief es schon besser.

  3. Liebe Anita,

    danke für Deine lieben Zeilen. Ja, da hast du Recht, ich sollte ihn vielleicht nicht so nah an mich herankommen lassen, diesen Druck. Wünsche Dir noch eine stressfreie Weihnachtszeit.

    Liebe Grüße
    Schokomama

  4. Vielen Dank, liebe babytage! Das wünsche ich Dir und Deinen Liebsten auch. Möge die Weihnachtszeit besonders harmonisch und gemütlich für Euch ablaufen.

    Ganz liebe Grüße
    Schokomama

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