Job mit Kleinkind: Geht das überhaupt?

In den letzten Tagen befand ich mich in einem Gedankenkarussell, was das Thema Job betrifft. Bei mir stehen gerade so einige Veränderungen an: ich stehe vor der Situation, mich beruflich neu zu orientieren, eingetretene Pfade zu verlassen und einen Job zu finden, der wirklich zu mir passt. Nur passt das alles auch zu unserem Familienkonzept? Und vor allem: Wie bringe ich Job und Kleinkind unter einen Hut? Immer wieder frage ich mich, ob das überhaupt realistisch ist.

Denn es gibt zahlreiche Gründe, die aus meiner Sicht dagegen sprechen, dass Job und Kleinkind vereinbar sind:

  1. Das Kind ist, seit es in der Kita ist, oft krank.
  2. Es ist mit zwei Jahren in einem Alter, wo es noch sehr stark meine Nähe braucht. Mama wird vermisst!
  3. Mama hat durch die unterbrochenen Nächte Schlafmangel. Dazu brauche ich Euch nichts erzählen. 
  4. Das Kind versteht nicht, dass Mama pünktlich bei der Arbeit sein muss. Mama erscheint täglich ca. 15min zu spät.
  5. Mama kann keine Überstunden machen, sondern muss pünktlichst zum Zeitpunkt X den Stift fallenlassen, um das Kind von der Oma, Kita, oder Tagesmutter abzuholen.
  6. Mama ist unflexibel. Geschäftsreisen? Abendveranstaltungen? Betriebsausflüge? Alles Dinge, die Monate im Voraus geplant werden müssen.
  7. Mama kommt auch mal ungeschminkt oder mit Flecken auf der Bluse in die Arbeit.

Und wisst ihr was? All das macht mich UNRUND! Ok, nicht die Flecken auf der Bluse, aber die Tatsache, dass ich Kind und Job gerecht werden MUSS, Leistung erbringen MUSS trotz permanentem Schlafentzug. Der Stress in der Früh. Das Gehetzt-Sein. Die Anrufe im Büro, das Kind sei schon wieder krank. Überhaupt dieses MÜSSEN.

Aber ich will es auch schaffen. Ich will ja arbeiten, ich mag meine Arbeit, sie macht mir Spaß. Ich will unter Leuten sein. Ich weiß, dass ich diese Abwechslung brauche und sie mir auch gut tut. Und ich will auch Zeit mit meinem Kind verbringen, vor allem wenn es mich braucht. Doch wie soll das funktionieren? Wie könnte es für mich am besten funktionieren? Und für den Arbeitgeber?

Hier mein persönlicher Plan, wie ich Kleinkind und Job vereinbaren könnte:

  1. Ich nehme einen Job an, der nicht allzu viel Verantwortung bedeutet. Also keinen Management-Posten, meine ich damit.
  2. Wenn das Kind krank ist, will ich Homeoffice machen können. Die Oma passt dann parallel auf, aber ich bin da, wenn mein Kind mich braucht.
  3. Ich arbeite Teilzeit, am besten 16 Stunden pro Woche.
  4. Falls einmal mehr Arbeit anfällt, muss ich sie mit nach Hause nehmen und zur Not am Wochenendende oder wenn das Kind schläft, nacharbeiten.
  5. Ich will vorbereitet sein: im Notfall – so gut es geht – einen Plan B haben.
  6. Falls die Oma ausfällt, muss auch mal der Mann einspringen.
  7. Der Arbeitsplatz darf nicht zu weit entfernt sein.
  8. Mit dem Arbeitgeber will ich ausmachen, dass ich in der Früh auch mal 15 Minuten später kommen kann, und dass das kein großes Thema sein sollte.

Und was bitte hat mein Arbeitgeber davon?? Na, ziemlich viel, denn als Mama habe ich neue Fähigkeiten gelernt:

  1. Stressresistenz: nach dem ersten Babyjahr mit Schreibaby kann mich nichts mehr so leicht aus der Ruhe bringen. Ok, zwar nicht immer, aber hey, ich bin ja auch nur ein Mensch!
  2. Multitasking: hier das weinende Baby, da die genervte Kassiererin und eine lange Schlange an der Kassa? Kein Problem: das Baby auf den Arm nehmen, trösten, zahlen und gleichzeitig Einkäufe einpacken. Kann ich!
  3. Selbstvertrauen: spätestens seit den stündlichen Wutanfällen meines Kindes während einer sechsstündigen Zugfahrt, bei der ich Schokolade an die Mitreisenden verteilt habe, ist nicht mehr so wichtig, was andere von mir denken.
  4. Lösungskompetenz: Das Kind hat sich am Spielplatz von oben bis unten angekackt und keine Wechselkleidung ist dabei? Blitzschnell wird ein Masterplan ausgeheckt, andere Mamas gefragt, die nächstgelegene Toilette gesucht,…wir Mamas wissen uns in jeder Situation zu helfen!
  5. Entscheidungsfreude: Schnelle Entscheidungen sind bei Kindern gefragt – immer und zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Wie seht Ihr das mit dem Thema Vereinbarkeit? Wie macht Ihr das: Job und Kinder unter einen Hut zu bekommen? Und vor allem: Wie stehen Eure Arbeitgeber dazu, wenn fehlt, weil die Kinder krank sind?

Comments

  1. Schweres Thema. Man hat als arbeitende Mama immer das Gefühl, alles nur halb machen zu können: den Job, die Kinderbetreuung, den Haushalt. Dazu ständig müde und gehetzt. Ich kann Dich sehr gut verstehen, ebenso Deine Wunschvorstellung einer halben Stelle mit Option Homeoffice und flexibler Betreuung durch Oma oder Mann. Ich würde mich echt freuen für Dich, wenn Du das alles realisieren könntest…. Viele Grüße! Claudia

    • Danke Dir! Ja, ich hoffe auch wirklich sehr, so einen tollen Arbeitgeber zu finden. Wird wohl noch etwas dauern…
      Liebe Grüße ❤️️

  2. Ich arbeite aktuell 24 Stunden pro Woche. Eingestiegen bin ich nach Kind 1 mit 12 Stunden, nach Kind 2 mit 16 Stunden.

    Ich unterschreibe komplett alles was du oben beschreibst. Es ist schwierig. Als die Kinder kleiner waren kam ich auch schon nach Hause, beide Kinder krank und heulend, Oma mit den Nerven fertig. Dann bist du selber noch müde und hast wenig Energie dich sofort wieder komplett reinzuhängen. Noch schlimmer sind die Tage, an denen man nicht geschlafen hat und trotzdem arbeiten gehen muss….

    Bei uns ist es glücklicherweise so, dass unsere Arbeitgeber sehr familienfreundlich sind. HomeOffice ist kein Problem, pflegend zu Hause mit Kind ist auch in Ordnung. Mein Mann bleibt ebenfalls mal Zuhause, wir wechseln ab, je nachdem wer grade dringende Termine hat.

    Ich denke man muss für ich abwägen, wie viel Streß man haben möchte. Ich denke seit neustem wieder drüber nach, einen Job mit mehr Verantwortung haben zu wollen. Aber meine sind schon beide in der Schule, wenn sie krank sind ist HomeOffice überhaupt gar kein Problem, weil sie sich selbst beschäftigen. Ich habe mir bis hierhin sehr lange Zeit genommen, die Rahmenbedingungen immer wieder abzuwägen. Aber ich lerne jeden Tag, dass niemand von uns etwas davon hat, wenn ich abgekämpft nach Hause komme und der Nachmittag dann gelaufen ist.

    Ich wünsche dir sehr, dass du das passende Modell für dich findest.
    Viele Grüße
    Carola

    • Wow, danke! Schön zu sehen, dass ich nicht alleine bin mit meinen Gedanken und vor allem, dass man wirklich realistisch schauen muss, was geht und was nicht. Und dass es auch besser wird, wenn die Kinder größer werden. Ich hoffe auch sehr, dass wir ein Modell finden, mit dem ich glücklich bin. Danke nochmal für Deinen Zuspruch!
      Liebe Grüße ❤️️

  3. Ich stecke ja auch im Bewerbungschaos, das ist allein schon sehr anstrengend. 🙁 Und ich weiß nicht wie es sein wird… Ich hoffe einfach erstmal, dass ich überhaupt eine halbe Stelle finde. Deshalb kann ich dir keinen Tipp geben, aber nur sagen, dass du nicht alleine bist. :-*

  4. Hallo, liebe MamawillSchoko, das Thema betrifft uns jalle, darum finde ich es klasse, dass du das so ehrlich beschreibst. Ich kenne diese Schwierigkeit, Job und Kinder zu vereinbaren. Und das liegt an vielen Faktoren… einer davon ist die Arbeitskultur, die bei uns herrscht. Denn uns Eltern wird es von Arbeitgeberseite oft nicht leicht gemacht, wobei es viele gute Möglichkeiten geben würde. (In Form von Homeoffice, Gleitzeit, keine Termine nach 17 Uhr usw.)

    Ich habe gerade auf meinem Blog http://www.heuteistmusik.de mit Co-Autorin Nina darüber geschrieben. Schau doch mal nach und setze deinen Text als Link in die Kommentare. Wir wollen mal eine Runde sammeln: negative und vor allem positive Beispiele aus der Arbeitswelt, aber auch Gedanken wie deine hier. Würde mich freuen!

    Liebe Grüße von Laura

  5. ich bin gespannt, wie das ab oktober bei mir wird. mir fehlt persönlich die rückendeckung meiner familie, die leider 560km entfernt wohnt. wenn das kind also mal krank ist, kann ich niemanden mit einspannen, home office geht auch nicht. aber mein arbeitgeber ist zumindest, was das angeht, schmerzfrei. 😉

Ich freue mich, wenn Du mir einen Kommentar hinterlässt!

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