Mama sein: Nähe geben und loslassen

Diese Verbindung, die wir beide zueinander haben, ist ein einziges Nähe-geben und Loslassen. Du bist bei anderen Menschen gut aufgehoben, fühlst dich wohl. Und dennoch bedrückt es mich manchmal, wenn ich nicht immer bei Dir sein kann. Wenn andere Menschen Zeit mit Dir verbringen. Vielleicht läuft nicht immer alles so, wie Du es Dir wünschst. Aber sie glauben an Dich. Du lernst von ihnen und sie von Dir. Und sie haben eine Verbindung zu Dir. So wie ich.

Doch unsere Verbindung ist einzigartig.

Wir waren zwei Körper in einem, haben alles zusammen geteilt. Was ich gegessen habe, hat Dich genährt. Ich habe Deine Bewegungen gespürt. Deinen Schluckauf. Du warst winzig, ein Zellhaufen, eine Bohne und bist zu einem kleinen Menschen gewachsen. Jetzt bist Du schon fast einen ganzen Meter groß. Unglaublich!

Mit jedem Zentimeter, den Du gewachsen bist, wurdest Du immer mehr „Mensch“. Du hast gelernt zu laufen, zu sprechen, zu tanzen. Mit jedem Zentimeter, den Du an Größe gewinnst, wächst auch das Band zwischen Dir und mir. Es wird immer länger. Du sagst: „Mama, weg!“. Du schiebst mich manchmal richtig weg von Dir. Heute, da sagtest Du sogar: „Ich bin schon groß und brauche die Buba* nicht mehr!“.

Ich sehe zu, wie ich Dich immer mehr loslassen muss.

Ich sehe, dass ich nicht immer Deine Hand halten darf, denn Du willst es nicht. Ich soll Dich auch nicht auf den Arm nehmen, denn Du willst alleine gehen. Du willst Dich alleine anziehen, alleine Zähne putzen, alleine aufs Klo gehen. Am liebsten würdest Du alles alleine machen.

Das Band zwischen uns wird immer länger.

Doch je länger dieses Band wird, umso tiefer wird unsere Verbindung. Ich habe sie schon bei Deinem ersten Atemzug gespürt. Ganz sanft. Und bei deinem ersten Brabbeln. Dann wurde sie immer stärker. Inzwischen kann ich mir ein Leben ohne Dich nicht mehr vorstellen. DU bist mein Leben! Mein Lachen, mein Weinen, mein Augenblick voll Glück. Du bist das alles für mich und noch viel mehr.

Und ich? Ich bin noch immer der sichere Hafen, zu dem Du immer wieder zurückkehrst. Du suchst meine Nähe, und ich gebe sie Dir, wann immer Du sie brauchst. Wenn Du Dir wehtust, Dich etwas verängstigt oder verunsichert. Oder wenn Du schlafen gehen, kuscheln oder einfach nur Mama tanken willst.

Wir sind zusammen gewachsen und mit uns wächst auch das Band. Du gehst los und kommst wieder zu mir zurück. Ich umarme Dich, gebe Dir Halt und lasse Dich wieder losziehen.

Nähe und Halt geben. Loslassen. Loslassen und Nähe geben – genau das ist es, was Du brauchst. Genau so sehe ich meine Rolle als Deine Mama.

Auch wenn Loslassen nicht meine Stärke ist – das war es noch nie – hilft es mir doch, wenn ich an unser Band denke. An unsere Verbindung, die immer einzigartig bleiben wird. Ein Leben lang.

 

*Brust

Comments

  1. Ohja, das Loslassen ist schwer und tut weh. Wir als Mama müssen unserem Kind die Freiheit geben, die es braucht und dann die Arme öffnen, wenn wir gebraucht werden.

    Wenn mein „Großer“, knapp 2,5 Jahre, vor mir steht, mit der Schere Papiersterne bastelt und zu mir sagt „kein Baby, alleine schaffen“, dann denke ich mir manchmal, hör auf zu wachsen, bleibe mein kleiner Mann. Sehr egoistisch, ich weiß, aber mir fällt das Loslassen auch unendlich schwer. *schnüff*

    • Liebe Kathrin, danke für Deine Zeilen. Das hast du schön formuliert! Na dann bin ich richtig erleichtert, dass es nicht nur mir so geht!
      Liebe Grüße
      Natalie

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