Mit den Masern brach die Panik aus

Ich weiß, ich begebe mich mit diesem Beitrag aufs Glatteis, denn nichts spaltet die Elternnation so wie das Thema Impfen. Aber ich möchte hier einfach nur berichten, wie ich meine Einstellung zu diesem Thema geändert habe. An einem Tag. Denn ich hatte richtig Panik vor den Masern. Habe ich überreagiert? Vielleicht…aber jetzt mal von vorne.

Kurze Vorgeschichte: Impfen ja, aber wir gehen unseren Weg

Als das Pralinchen etwa einen Monat alt war, begann ich mich mit dem Thema Impfen auseinanderzusetzen. Ich holte mir zuerst Meinungen aus unserem Bekanntenkreis ein. Dann informierte ich mich im Internet, las ein Buch „Impfen pro und contra“ und ließ mich von unserem Kinderarzt beraten, aus alldem bildete ich mir eine eigene Meinung und beschloss, das Pralinchen zu impfen, aber etwa 6 Monate später als üblich. Es fühlte sich für mich einfach nicht richtig an, einen 3 Monate alten Säugling zu impfen. Schon alleine vom Körpergewicht her, dachte ich, dass das Immunsystem eines älteren Babys die Impfdosis und vor allem die darin enthaltenen Zusatzstoffe einfach besser bewältigen kann, wenn mehr „Masse“ da ist. Das schien mir irgendwie logisch. Und so impften wir die gängigen Impfungen, aber eben zeitverzögert. Natürlich alles in Absprache mit unserem Kinderarzt. Der ist übrigens mit seinen über 20 Jahren Erfahrung ein „alter Hase“ und sehr unaufgeregt, nicht nur was Impfen betrifft.

Die Mumps-Masern-Röteln Impfung stand zuletzt auf dem Programm, und zwar im November. Wir hatten schon einen Termin ausgemacht, doch wir mussten zu den Schwiegereltern etwa 700km fahren und der Kinderarzt riet uns ab, da die Gefahr der Impfmasern bestand, also verschoben wir die Impfung. Doch im November war die Eingewöhnung in den Kindergarten und seit das Pralinchen in die Kita geht, sind wir im 2-Wochen-Rhythmus krank. Impfen war also gar nicht richtig möglich.

Die Masern kommen zu uns

Vor ein paar Wochen las ich dann von den ersten Masern-Fällen in Berlin und begann, mir Gedanken zu machen. Doch dann kam immer irgendwas dazwischen und ich verlor die Mumps-Masern-Impfung aus den Augen. Diese Woche ging das Thema Impfen ziemlich stark durch die österreichischen Medien. „Reine Panikmache!“ dachte ich mir. Ich ließ mich aber trotzdem leicht verunsichern, kontaktierte unseren Kinderarzt wegen eines Impftermins am Di. Mailbox voll. Am Mittwoch ebenso. Ich kam nicht zu ihm durch. Dass er mal auf Urlaub war, war schon öfter der Fall, aber nicht durchzukommen noch nie. Ich war überrascht, weil er sonst immer sehr gut erreichbar ist und gleich abhebt.

Gestern kam mein Mann aus der Arbeit nach Hause und fragte mich gleich, ob ich unseren Kinderarzt erreicht hätte. Nein. Es gäbe nämlich Masernfälle in einem Waldorfkindergarten in unserer Nähe. So richtig in unserer Nähe, nämlich nur ein paar Straßenbahnstationen entfernt. Huch! Jetzt wurde es ernst…denn das Pralinchen und der Mann gehen in dem Park, in dem sich der Kindergarten befindet, öfter mal auf den Spielplatz. Es war schon zu spät am Abend, um den Kinderarzt anzurufen, also machte ich das gleich heute in der Früh.

Endlich erreichte ich den guten Herren, bzw. eher seine Mailbox: „Die Praxis ist bis 9.3.  geschlossen.“ Na toll. Jetzt hatte ich ein mulmiges Gefühl im Bauch. Ich machte mir ziemliche Vorwürfe. Wieso hatte ich die Impfung nur so lange hinausgezögert? Ok, das Pralinchen war krank und wir konnten gar nicht impfen. Aber trotzdem. Das war unverantwortlich von mir. Vor allem, weil ich wusste, dass die Krankheit sogar tödliche Komplikationen mit sich ziehen kann. Und ich las im Ratgeber, dass man sofort impfen sollte, wenn die Masern ausbrechen. Was, wenn sie sich jetzt irgendwie ansteckt? Solche Kinderkrankheiten gehen doch total schnell herum.

Ich hatte Panik. Richtige Panik.

Kennt ihr dieses Gefühl im Bauch, wenn man weiß, dass man einen Fehler gemacht hat? Und wenn man weiß, dass man jetzt schnell handeln muss? Ganz schön stressig…

Ich suchte die Nummer einer anderen Kinderärztin heraus. Wir kannten sie schon, weil wir schon einmal bei ihr waren. Ich erreichte sie nicht, aber sie meldete sich innerhalb kurzer Zeit zurück. Ja, die Tochter müsse sobald wie möglich geimpft werden, es hätte schon 40 (!)  Masern-Fälle gegeben. Sie hätte jedoch erst am Mittwoch einen freien Termin. Ich nahm den und erkundigte mich, ob das ausreiche, erst am Mittwoch zu impfen. „Wir wollen doch nicht überreagieren“ meinte sie. Na gut, wenn sie meint…sie wird es als Ärztin wohl wissen.

Doch irgendwie überzeugte mich das nicht so ganz. Ich beratschlagte mich mit meiner Mama, sie spürte meine Angst. Sie meinte, sie hätte vor kurzem eine neue Kinderarztpraxis gesehen, ganz in unserer Nähe. Ich rief dort an und bekam innerhalb von 2 Stunden einen Termin. Wow! Einerseits freute ich mich und andererseits dachte ich mir, „wenn die uns so schnell einen Termin geben, muss die Lage doch ernst sein“. Noch mehr Panik. Aber wir haben ja schon einen Termin, alles gut. Puuuh.

Ein Wartezimmer-Foto

„Ich habe schon Kinder an den Spätfolgen von Masern sterben sehen“

Die Ärztin war sehr freundlich, zeigte dem Pralinchen ein Puppenhaus und Kuscheltiere und stellte mir ein paar Fragen. „Es ist klug von Ihnen, dass Sie gleich hergekommen sind. Masern sind eine sehr unterschätzte Krankheit. Die Kinder bekommen Fieber und Ausschlag, und die Eltern denken sich, das ist nichts Schlimmes. Aber es kann Komplikationen geben, bei Buben z.B. eine Hodenentzündung, die zu Unfruchtbarkeit führen kann. Schon alleine deswegen würde ich das Kind impfen lassen. Und 10 Jahre später kann es durch die Masern zu einer Gehirnentzündung kommen. Ich habe zwei Kinder an den Spätfolgen von Masern sterben sehen. Die Eltern konnten nur zuschauen. Da konnte man nichts mehr machen, das war schrecklich.“

Sie selbst hat zwei Kinder, die sogar in die Waldorfschule bzw. in den Kindergarten gehen, wo die Masernfälle jetzt aufgetreten sind. Und sie ist heilfroh, dass ihre Kinder geimpft wurden. Sie warten zwar noch auf die Blutabnahmen, aber es gab insgesamt schon 8 Fälle dort.

Das Pralinchen drehte natürlich bei der Impfung voll auf. Lautstärke hoch 10. Die Ärztin meinte, ich könne ihr danach die Brust zur Beruhigung geben, das fand ich sympathisch. (Ich hatte zuvor angegeben, dass ich noch stille, und sie meinte „Jeder, wie er will“). Das machte ich gleich und das Pralinchen beruhigte sich auch recht schnell wieder. Sie war richtig tapfer, ich war stolz auf sie. Danach gingen wir in den Laden und sie bekam Schokoeier, ein kleines Kuscheltier und einen Saft. Pädagogisch und ernährungstechnisch sehr schlecht, ich weiß, aber das fühlte sich so passend an…

Habe ich mit meiner Panik und dem sofortigen Impfen überreagiert?  Vielleicht ja, vielleicht aber auch nicht. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich ab jetzt auf Nummer sicher gehen will. Und dass ich beim zweiten Kind – falls wir eines haben sollten – nicht mehr zeitverzögert impfen werde, sondern genau nach dem Impfplan vorgehen werde. Damit die Impfungen erledigt sind, wenn es in den Kindergarten kommt, und ich keine Panik schieben muss.

Wie seht Ihr das? Wie macht Ihr das mit Euren Kindern? 

 

Comments

  1. Hallo Du,

    erstmal zu deiner Panik: Ich bin schon mehrfach mit KInkerlitzchen mitten in der Nacht entweder telefonisch vom Kindernotdienst getröstet und umsorgt worden oder bin sogar in die Klinik gefahren, nur um dort zu erfahren, dass das alles gar nicht so schlimm ist. Panik zu bekommen, wenn man Angst hat um sein Kind und nicht weitere weiss, ist soweit ich das sehen kann ganz normal.

    Zum Thema impfen: Meine Kinder sind komplett durchgeimpft. Auch nicht richtig nach Zeitplan, weil die Große sehr oft krank war als sie noch klein war. Aber wir hatten immer alles komplett – dachte ich. Bis ich dann letztes Jahr zur Grippeimpfung wollte und feststellen musste, dass wir die Tetanus-Auffrischung, ebenfalls wegen Krankheit,
    verpennt haben. Da war dann die Ärztin etwas in Panik… 😉

    Mein Kleiner hat Windpocken bekommen, drei Wochen bevor die Impfung hätte stattfinden können. Wir hätten also gar keine Chance gehabt es zu verhindern.

    Was ich sagen will: es läuft einfach nicht immer glatt und nach Plan.

    Ganz liebe Grüße
    Caro

    • Hallo Caro,

      vielen Dank für Deinen lieben Kommentar. Ich freue mich, dass ich mit der Ängstlichkeit bei Krankheiten nicht alleine bin. Du hast Recht, oft ist das wirklich nicht einfach, nach Plan vorzugehen, wenn das Kind ständig krank ist. Wir müssen auch noch ein paar Auffrischungen nachholen, ich hoffe, dass das mit dem Frühling jetzt einfacher sein wird, wenn die Schnupfenzeit endlich vorbei ist.
      Wegen Windpocken – das soll ja angeblich gar nicht so schlecht sein, wenn die Kinder das tatsächlich durchmachen.

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
      Natalie

  2. Hallo Schokomama,

    Ich lasse unser Kinder auch impfen. Es ist mir sehr wichtig, weil die Gefahren einer Impfung gering sind und ich diese immer der echten Krankheit vorziehe.

    Ich gehe sogar so weit, dass ich Eltern, die ihre Kinder nicht impfen, nicht wirklich verstehe. Wie kann man aus falsch verstandener Vorsicht andere Kinder in Gefahr bringen. Gerade bei Maser, die wirklich schlimme Spätfolgen hervorbringen können. Immer wieder liest man von Kleinstkindern, die zu jung zum impfen waren, die von nicht Geimpften angesteckt wurden und später an den Folgen der Erkrankung leiden. In meinen Augen unverantwortlich der Gemeinschaft gegenüber.

    Schlimm das es bei euch so viele Fälle gibt und ich bin froh, dass ihr rechtzeitig impfen konntet.

    Viele Grüße
    Mama Maus

    • Hallo Mama Maus,
      herzlichen Dank für Deinen Kommentar! Ja, da stimme ich dir zu, man muss wirklich als Eltern abwägen, ob es das Risiko wert ist, sein Kind nicht zu impfen. Mir persönlich wäre es zu riskant, ich wäre zu besorgt und würde mich unwohl dabei fühlen, nicht zu impfen. Und gleichzeitig eine Gefahr für andere damit zu sein. Ich bin auch sehr froh, dass wir rechtzeitig geimpft haben. Fühle mich jetzt viel wohler dabei.
      Liebe Grüße
      Schokomama

  3. ich frage mich gerade, wie es überhaupt sein kann, dass es VIERZIG masernfälle in der näheren umgebung gibt. sind echt so viele kinder nicht geimpft? ich hab MTE komplett durchimpfen lassen, so wie der arzt es empfohlen hat, auch direkt nach ein paar wochen. ich wollte es halt auch hinter mir haben. die MMR-impfung habe ich aber tatsächlich verschoben, weil sie kurz vor weihnachten hätte sein müssen, und dann kam MTEs 1. geburtstag und dann unser winterurlaub… aber gut, die verzögerung war nicht so dramatisch, denke ich. letzte woche hatten wie die letzet impfung bis zum 2. geburtstag und ich bin froh. 🙂

    deine sorgen kann ich absolut verstehen. absolut. man malt sich einfach das schlimmste aus.

    • Hallo nochmal,
      finde ich echt toll, dass Du so fleißig auf meinem Blog kommentierst, das freut mich sehr! Das ist praktisch, dass sich das bei Euch mit dem Impfen alles gut ausgegangen ist. Und dass Dein Kind die Impfungen so gut verträgt. Wir müssen noch ein paar nachholen, aber das wird schon. Immer fest die Daumen drücken, dass das Kund nicht krank wird, damit wir die Impfungen auch machen können.
      Schönen Abend noch!

      • ach, ich bekomme alle einträge der blogger denen ich folge per mail, und immer wenn zeit ist, lese ich ein paar. meistens chronologisch, von hinten nach vorne. 😉 und wenn ich was zu sagen habe, sage ich es auch. ich komme „ursprünglich“ von der plattform blog.de, die im winter 2015 leider dicht gemacht hat nach jahren. dort war die bloggergemeinschaft ziemlich eingeschworen und das kommentieren und auf diese art „unterhalten“ gehörte dazu. man hatte auch „blogfreunde“, nicht nut follower. ja, das hab ich jetzt einfach nur erklärt um dir zu zeigen, dass kommentieren gar nichts mit fleiß bei mir zu tun hat, sondern damit wie ich das bloggen handhabe. 🙂

Ich freue mich, wenn Du mir einen Kommentar hinterlässt!

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