Hilfe! Mein Kind will nicht in den Kindergarten!

Kindergarten-Frust: ein Drama in vier Akten

Montag: Mama, ich will bei dir bleiben. Ich will nicht in den Kindergarten!

Es ist 8:40 Uhr und ich sitze in der Straßenbahn. Noch ein paar Stationen, dann bin ich in der Arbeit. In der neuen Arbeit, die ich zwei Tage die Woche mache und die mir Spaß macht. Und nebenbei mache ich mich selbständig. Ich sitze da, und würde am liebsten losheulen. Ich spüre den Schmerz einer Mama, so fühlt sich das also manchmal an, dieses Mama-Sein. Es kann so sehr weh tun.

Sie kuschelte sich heute Früh zu mir und schaute mich mit ihren wunderschönen, kindlichen, verweinten Augen an und sagte: „Ich möchte zu Hause bleiben, Mama!“. Mein Kind wollte heute nicht in die Kita. Heute nicht und die letzte Woche auch nicht. Sie weinte zu Hause, nicht erst im Kindergarten. Dort ist sie sehr kontrolliert. Dort ging sie heute mit ein wenig zögern, aber ohne Weinen hinein. Aber zu Hause, da lässt sie ihre Gefühle raus. Gefühle und Worte, die mich mitten ins Herz treffen. Denn am liebsten würde ich sie zu Hause lassen. Aber es geht heute nicht. Und wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, dann möchte ich auch arbeiten, denn ich arbeite gerne und meine neue Arbeit macht mir Spaß. Aber um welchen Preis? Um diesen hier? Das ist ein ganz schön hoher, denn es sind die Tränen meiner Tochter. Meiner kleinen Tochter, die erst zweieinhalb Jahre auf dieser Welt ist und schon so früh erfahren muss, was Pflicht heißt.

Selbstzweifel schleichen sich ein. „Hätte ich sie doch erst mit drei Jahren in den Kindergarten gegeben, nicht mit eineinhalb. Vielleicht war es einfach zu früh für sie.“ Gedanken, die null bringen, weil man es sowieso nicht mehr ändern kann.

Dienstag: Houston, wir haben ein Problem!

Neuer Tag, neues Glück! Oder Unglück…denn das Kind will partout nicht in den Kindergarten gehen. Ich spreche auf sie ein, sage, wir machen uns einen schönen Nachmittag danach. Rufe die Oma an, die sie dann vom Kindergarten abholen würde. Nichts hilft. Sie weint bitterlich und protestiert heftig. Und das Schlimmste daran: ich kann sie so gut verstehen. Denn sie war vier Wochen lang nicht im Kindergarten und als sie zurückkam, war plötzlich alles anders. Alle ihre Freunde und Freundinnen sind in die große Gruppe ab 3 Jahren übersiedelt und mit einem Mal weg. Dafür sind jetzt viele neue, jüngere Kinder da. Viele davon können noch nicht einmal sprechen. Und noch dazu weinen sie ganz viel, weil sie gerade eingewöhnt werden. Ach ja, und die Pädagoginnen haben natürlich wegen der Eingewöhnung auch weniger Zeit für sie. Irgendwie kein Wunder, dass sie da gerade nicht so gerne hingeht…

Aber was mache ich jetzt? Ich zwinge mein Kind üblicherweise nicht, sondern behandle es – soweit es möglich ist – auf Augenhöhe. Soll ich sie jetzt unter Protest und Weinen hinschleppen? Das kann ich mir gar nicht vorstellen und es liegt mir fern, das zu tun. Ich bin verzweifelt, unsicher, was ich machen soll. Ich muss heute nicht ins Büro, arbeite im Homeoffice. Armes Pralinchen, ich fühle mit ihr, wenn sie so weint. Vielleicht spürt sie das, dass ich zu Hause bleibe? Aber ich wollte unbedingt an meiner Firmen-Website arbeiten, um die Selbständigkeit voranzubringen. Denn ich muss ja Geld verdienen. Ich bin hin- und hergerissen zwischen Arbeit und Kind. Immer diese Entscheidungen! Das ist etwas, womit ich mir immens schwer tue als Mama.

Das Mama-Herz siegt. Ich entscheide mich dafür, sie zu Hause zu lassen und nicht in den Kindergarten zu bringen. Und nebenbei im Homeoffice zu arbeiten, damit sie sieht, dass ich beschäftigt bin. Natürlich bringe ich arbeitstechnisch nichts weiter, denn sie zerrt am Kabel, will mit der Maus spielen, will, dass ich mich mit ihr beschäftige. Eh klar, wie konnte ich nur so blöd sein und denken, das würde halbwegs funktionieren?

Ich lasse also untertags die Website erstmal Website sein und arbeite dafür in der Nacht. Aber: juhu! Ich bringe tatsächlich etwas weiter. Inzwischen hole ich mir auch ein paar Tipps von anderen Mamas, was ich tun soll, wenn das Kind nicht in den Kindergarten geht. Und ob sie es dann auch zu Hause lassen würden. Die Antwort ist klar: Nein, keinesfalls zu Hause lassen. Das wäre kontraproduktiv.

Mittwoch: Das Kind ist wie ausgewechselt. Und geht in den Kindergarten. Aufatmen!

Ich verstehe die Welt nicht mehr. Und vor allem mein Kind nicht mehr. Nach einer Woche Kindergartenfrust und totalem Boykott in den letzten zwei Tagen, geht es plötzlich wieder. Sie ist sehr kooperativ, lässt sich anziehen (was sonst nicht so gut funktioniert). Sie isst ihr Frühstück, nimmt ein Stofftier (statt gefühlten zehn) mit. Sie freut sich sogar, als wir beim Kindergarten ankommen. Geht ohne zu zögern in die Gruppe. Ich freue mich, frage mich aber auch nach dem Grund des plötzlichen Sinneswandels. War der Protest aus Trotz? Dass sie bestimmen wollte: „Jetzt bleibe ich mal zu Hause!“ Nein, das glaube ich nicht. Mein Kind will mich ja nicht manipulieren. Oder hatte sie einfach keinen Bock? So wie wir manchmal auch keinen Bock haben, in die Arbeit zu gehen.

Donnerstag: Gespräch mit der Pädagogin – des Rätsels Lösung?

Es ist Elternabend im Kindergarten und ich suche ein Gespräch mit der Pädagogin. Weil ich denke, dass es diese Anti-Kindergarten Tage öfter geben wird und weil ich mir fachlichen Rat holen will, was ich in diesem Fall machen soll. Schließlich kennt sie ja das Pralinchen und kann womöglich die Lage gut einschätzen. Sie nimmt sich viel Zeit für unser Anliegen (der Mann ist mit dabei), und meint, dass sei die Reaktion auf den Trennungsschmerz. Denn sie sei in der Gruppe immer sehr entspannt und bringe sich sehr gut ein. Ich sollte ihr Sicherheit geben. Sicherheit und Klarheit, indem ich ihr sage: „Wir gehen jetzt in den Kindergarten und ihr werdet dort dieses und jenes tun.“ Und eine gewisse Kontinuität bewahren. Denn so sei sie auf dem letzten Stand, was die Entwicklung der anderen Kinder betrifft. Aber was mich richtig berührt hat:

„Ich persönlich würde es sehr schade finden, wenn das Pralinchen öfter als sonst zu Hause bliebe. Denn sie ist mir sehr ans Herz gewachsen und eine echte Bereicherung für die Gruppe. Und immer, wenn sie etwa später kommt als sonst, fragen wir uns, ob wir vielleicht einen Anruf überhört hätten, und hoffen, dass sie noch kommt.“

Und damit ist die Sache für mich klar: mein Kind ist hier bestens aufgehoben und wird mit viel Herz betreut. Auch wenn uns der Trennungsschmerz auch nach einem Jahr Kindergartenzeit immer noch nicht ganz loslässt.

Haben Eure Kinder auch Anti-Kindergarten Phasen? Was macht Ihr dann? Und vor allem: Wie geht es Euch dabei?

Comments

  1. Schön, dass ihr das Gespräch gesucht habt und vor allem auch, dass ihr so eine tolle Rückmeldung und Antwort bekommen habt. Bevor der Kindergarten im Sommer startete haben wir auch schon begonnen den Kindergarten etwas zu „hypen“. Und auch jetzt noch sprechen wir immer drüber, was er so machen wird und fragen was er gemacht hat. Und dass es am Wochenende dann Zeit für die Familie ohne den Kindergarten gibt. 🙂

    Ist doch schön, dass es ihr am Ende gefällt, das ist bestimmt eine große Erleichterung für dich.
    Liege Grüße,
    Lara

    • Danke für Deinen Zuspruch als Mama und Pädagogin. Ja, man muss es den Kleinen wirklich manchmal „schmackhaft“ machen in einem gewissen Sinne. Geht er grundsätzlich gerne dorthin?
      Ja, ich bin wirklich sehr erleichtert und hoffe aber dennoch, dass es nicht so oft zu solchen Kindergartenstreiks kommt. In dem Moment finde ich das sehr belastend. Aber nun weiß ich endlich, wie ich darauf reagieren soll 🙂

      Liebe Grüße
      Natalie

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