Schwanger nach Fehlgeburt: wenn Angst die Freude überwiegt (Blogparade #andersschwanger)

Ich habe lange überlegt, ob ich bei der Blogparade von Mama on the Rocks mitmachen soll. Zwar habe ich meine Fehlgeburt nie verheimlicht und gehe immer noch sehr offen damit um, aber es ist dennoch ein trauriges und schwieriges Thema für mich. Aber gerade weil ich mich immer wie ein Sonderling unter allen anderen Müttern fühlte, die ihre Schwangerschaft unbeschwert genießen konnten, will ich mit diesem Beitrag sensibilisieren. Und zu mehr Verständnis aufrufen. Denn wie belastet eine Folgeschwangerschaft nach einer Fehlgeburt ist, darüber wird wirklich wenig geredet.

Meine erste Schwangerschaft war wie ein Wunder. Ein kleines Weihnachtswunder. 

Genau um Weihnachten herum erfuhr ich, dass ich schwanger war. Davor hatten wir es eineinhalb Jahre erfolglos versucht, bei mir wurde eine Endometriose diagnostiziert. Ich wartete auf die OP, die den sehnlichen Kinderwunsch ermöglichen und die unerträglichen Regelschmerzen beseitigen hätte sollen. Und dann klappte es auf einmal, einfach so, ohne OP. Die Freude war enorm! Ich wartete die 12 Wochen ab und erzählte es jedem. Eine Woche später verlor ich das Baby. Und mit dem Baby verlor ich auch das Vertrauen in meinen Körper, in das Universum. Ich verfiel in eine Trauer, die ich zuvor so noch nie gekannt habe. „Warum ich?“ fragte ich mich. Eine Welt zerbrach in mir.

Einen Monat später hatte ich die Endometriose-OP, eine acht Zentimeter große Zyste wurde entfernt. Wir versuchten wieder schwanger zu werden. Es war Sommer, ich wollte auf ein Konzert gehen und ein Glas Wein oder mehrere trinken, deshalb machte ich sicherheitshalber einen Test. Und verzichtete auf den Wein.

Die ersten Wochen versuchte ich alles emotionslos zu sehen. Ich ließ keine Freude zu.

Das war purer Selbstschutz. Ich tat so, als wäre ich gar nicht schwanger, versuchte mich abzulenken von irgendwelchen Gedanken daran, dass gerade Leben in mir heranwächst. In der achten Woche machte ich die erste Untersuchung. Das schlagende Herzchen vom Pralinchen berührte mich, doch ich konnte mich nicht freuen. Auch nicht, als die kritische 13. Woche um war. Denn mittlerweile gesellte sich die Angst hinzu. Bei jedem Gang auf die Toilette fürchtete ich mich davor, Blut zu sehen. Ich ging oft aufs Klo, um zu kontrollieren, ob alles in Ordnung war. Es wurde etwas besser, als ich die ersten Kindsbewegungen in meinem Bauch spürte. Das fühlte sich so schön an und gab mir ein wenig Zuversicht. Genauso wie die unzähligen Ultraschalluntersuchungen. Ich hatte in der Frühschwangerschaft oft mit Harnwegsinfekten zu kämpfen und musste deshalb umso öfter ins Spital fahren. Dort machten sie auch immer wieder ein Ultraschall, so konnte ich mich versichern, dass es meinem Baby gut ging. 

Ich hatte jedes Mal eine Höllenangst vor der Untersuchung, jedes Mal fürchtete ich mich davor, das kleine Herz nicht mehr schlagen zu sehen. 

Es war immer wieder dasselbe Muster: Angst, Kontrolle, Erleichterung, dass doch alles gut war. Eine Ärztin bemerkte meine Unsicherheit und schickte mich zu einer Gesprächstherapie. Das tat mir ganz gut und ich fühlte mich halbwegs verstanden.

Zur Halbzeit wurde dann eine Schwangerschaftsdiabetes bei mir diagnostiziert. Ich war am Anfang total unsicher, informierte mich aber umfassend und mit der Zeit bekam ich sie in den Griff. Mein Alltag bestand aus Einkaufen, Kochen, und vor und nach jeder Mahlzeit den Blutzucker messen. Das war zwar nervig, weil ich ganz auf Zucker verzichten musste, und Zucker ist wirklich überall! Aber im Nachhinein betrachtet war die ständige Blutzucker-Kontrolle eine ganz gute Ablenkung. Noch dazu musste ich alle zwei Wochen zur Ultraschalluntersuchung – eine wahre „Wohltat“! Für eine Außenstehende kaum vorstellbar, aber mich beruhigte es.

In der 29. Woche wurde bei mir mittels eines Tests ein vorzeitiger Blasensprung festgestellt. Ich musste im Spital stationär aufgenommen werden, bekam sofort eine Spritze für die Lungenreifung und Wehenhemmer, da ich Vorwehen hatte.

Die Angst vor einer Fehlgeburt wich der Angst vor einer Frühgeburt.

Ich wurde darauf vorbereitet, dass das Pralinchen per Kaiserschnitt geholt werden müsse. In der 29. Woche! Ich malte mir aus, wie sie als Frühchen mit ihren 1200g im Brutkasten liegen würde. Die Vorstellung war schrecklich. Doch wir hatten Glück: die Ärztin wiederholte den Fruchtwasser-Test (der übrigens gleich ausschaut wie ein Schwangerschaftstest) und er war negativ! Große Erleichterung! 

Was aber leider nicht besser wurde, waren die Frühwehen. Die Hebamme riet mir dazu, die nächsten Wochen zu liegen und nur zum Duschen aufzustehen. Was anderes war auch in dieser Zeit für mich auch gar nicht möglich, denn ich hatte so starke Bauchschmerzen, dass ich kaum gehen konnte. Also verbrachte ich die nächsten zwei Monate liegend. Und freute mich über jede Woche, die ich geschafft hatte. 

Alles in allem war meine Schwangerschaft schon alleine wegen den Komplikationen nicht unbeschwert. Und die Ängste wegen der vorangegangenen Fehlgeburt machten die Sache definitiv nicht leichter. Jetzt, wo ich mir überlege, ein zweites Kind zu bekommen, graut mir schon davor, wieder schwanger zu sein. Doch das ist ein anderes Thema…

Ich freue mich, wenn Du mir einen Kommentar hinterlässt!

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