Schwierige Kleinkind-Zeit oder: Wenn die Mama trotzt

Ich bin manchmal nicht die Mama, die ich gerne sein würde. Wahrscheinlich habe ich zu hohe Ansprüche. Je weniger ich sie erfüllen kann, umso frustrierter werde ich. Und irgendwann läuft das Fass über. So wie heute.

Situation 1: Mein Kind will nicht rausgehen

Wir sind seit einer Woche zu Hause. Das Pralinchen hatte eine leichte Mittelohrentzündung, doch sie scheint jetzt wieder gesund zu sein. Ich hatte zum Glück nur Schnupfen.

Eine Woche lang nur zu Hause zu sein, bedeutet Lagerkoller. Für mich, nicht für sie. Denn sie will keinesfalls außer Haus gehen. Das ist eigentlich fast immer so. Nur mit großer Mühe schaffe ich es, sie anzuziehen, um nach Draußen zu gehen. Sie ist ein kleiner Stubenhocker. Und heute ging es gar nicht, heute war es nur noch ein Kampf.

Bedürfnis gegen Bedürfnis: sie will zu Hause bleiben, ich muss raus. Ich wollte endlich an die frische Luft, auch mal was anderes sehen, als die eigenen vier Wände. Wäre ich noch länger zu Hause geblieben, wäre ich durchgedreht. Ich fühlte mich schon richtig eingesperrt.

Was also tun? Die Tage zuvor bin ich zu Hause geblieben, weil wir krank waren und sie auch nicht wollte, dass ich rausgehe, als der Mann zu Hause war. Auch gestern nicht, wo sie schon längst fieberfrei war.

Aber heute konnte ich mein Bedürfnis nicht länger zurückstecken. Und so gingen wir, nach ewig langem Erklären, Hin- und Hergetue und gegen ihren Willen endlich aus dem Haus. Als wir draußen waren, war alles gut. Sie spielte sogar ein bisschen im Schnee.

Dennoch mache ich mir Vorwürfe: Was, wenn sie nicht rausgehen wollte, weil sie noch angeschlagen ist?

Sie wollte lieber den Schneemann zu Hause verkleiden, als einen aus Schnee bauen. Ich hingegen wollte nach einer Woche Zuhause-sein so gerne rausgehen.

Situation 2: Tablet schauen und Süßes essen bis zum Umfallen

Als sie noch Fieber hatte und krank war, machten wir einen Fehler: Wir ließen sie so lange Tablet schauen, wie sie wollte. Das ging dann leider so weit, dass sie bis zu 5h am Tag schaute. Das geht natürlich gar nicht, und so reduzierte ich das schrittweise. Was natürlich mit Wutanfällen einhergeht. Und das ist OK so.

Jetzt haben wir das Problem, dass sie ständig nach dem Tablet fragt. Heute hatte sie schon eine Zeit lang geschaut, wir aßen dann zu Mittag und danach fragte sie wieder, ob sie was am Tablet schauen könnte. Ich weiß, dass das unser Fehler war, und trotzdem nervt es mich (wahrscheinlich gerade deshalb). Und weil ich ihr immer Alternativen anbiete, die abgeschlagen werden: wollen wir dieses und jenes spielen? Magst du ein Buch mit mir lesen? Nein.

Das gleiche Problem haben wir mit Süßem. Sie fragt ständig danach. Sie möchte auch nichts Anderes essen. Mittlerweile habe ich alle Süßigkeiten verbannt (außer Keksen) und backe etwas Süßes, aber Gesundes zusammen mit ihr. Diese Woche habe ich Apfel-Haferflocken-Muffins gemacht. So haben wir zumindest einen Weg gefunden, um das Süße zu reduzieren. Dachte ich. Doch heute in der Früh so: „Mama, ich brauch was noch Süßeres!“ Und die Muffins waren wieder unten durch.

Situation 3: Der Wut-Parkour

Ich habe ihr einen Parkour oder „Indoor-Spielplatz“ gebaut, damit sie sich ein wenig austoben konnte. Sie hat nämlich Wutanfälle am laufenden Band. Ich dachte, es könne daran liegen, dass sie unterfordert ist. Anfangs fand sie den Parkour lustig, aber leider nur für kurze Zeit. Denn kaum machte ich etwas so, wie sie es nicht wollte, folgte wieder ein Wutanfall.

Ich finde das ja völlig OK, dass Kinder ihre Wut und Gefühle rauslassen. Ich weiß, dass das Teil einer gesunden Entwicklung ist. Ich weiß, dass es die Autonomiephase ist, und dass das einfach dazugehört. Ich weiß auch, dass man das liebevoll begleiten soll.

Und genau das tue ich auch. Ich begleite sie liebevoll. Jedes Mal.

Ein Indoor-Spielplatz mit Leiter, Trampolin und Rutsche

ABER: Nach dem 20. Wutanfall an einem Tag reicht es mir. Ich habe keine Kraft mehr.

Und darum ist mir heute genau das passiert, was nicht passieren sollte: Ich bin explodiert. Ich war selber ein trotzendes Kind. Weil ich es satt bin, ständig alles verbieten zu müssen. Ich hasse es, meinem Kind nicht auf Augenhöhe begegnen zu können, sondern das blöde Elternteil zu sein, das nur herummeckert, von oben herab.

Ich weiß nicht, was gerade los ist, aber so läuft unser Familienleben normalerweise nicht ab.

Ist es der Lagerkoller? Meine eigene Sturheit? Eine blöde Phase? Schenke ich ihr zu wenig Aufmerksamkeit? Habe ich überhöhte Ansprüche? 

Wahrscheinlich werde ich erst nach einigen Monaten draufkommen, was wirklich los war.

 

Comments

  1. Hallo Schokomama,

    Manchmal ist einfach der Wurm drin. Auf beiden Seiten.
    Da prallen Bedürfnisse aufeinander. Auf beiden Seiten.
    Und da gibt es Unzufriedenheit und auch mal Wut. Auf beiden Seiten.

    Das ist ganz normal, aber du weißt wie du dich regulieren kannst, du bemerkst deine Gefühle und reflektierst deine Handlungen. Das macht eine tolle Mutter aus. Du musst nicht perfekt sein. Schlechte Laune ist nicht schlimm und verfliegt so schnell wie sie gekommen ist.

    Und morgen ist ein neuer Tag und da wird bestimmt alles wieder viel schöner.

    Viele Grüße
    Mama Maus

    • Hallo liebe Mama Maus,

      du hat es geschafft, die trotzende Mama zu trösten! Vielen lieben Dank für Deine treffenden Worte!

  2. I feel you! Wir sind auch schon die ganze Woche in der Wohnung, weil das Kind krank ist. Und mit Lagerkoller sind Konflikte um Süßigkeiten und Medienkonsum eben nicht einfacher. Deshalb glaube ich sicher, dass sich alles wieder entspannt, wenn Ihr wieder richtig fit seid. Alles Gute!

    • Danke dir, liebe Svenja! Stimmt, der Sohnemann ist krank, oder? Ich hoffe, ihr steht das auch gut durch. Dieser Winter soll doch möglichst schnell vorbeigehen, oder?
      Alles Liebe für Euch!

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