Abstillen

#WIB: Blätterregen, Ponyreiten und ein Abschied

Ein schönes, aber für mich auch emotionales Wochenende liegt hinter uns, mit einem herbstlichen Spaziergang, Ponyreiten und einem Abschied. Aber seht mal selbst.

Samstag:

Da ich diese Woche ziemlich krank war, und Antibiotika nehmen musste, brauche ich unbedingt ein paar Vitamine zum Frühstück.

Danach gehen Mann und Kind zu den Pferden und in den Zoo. Das Pralinchen ist wirklich ein großer Pferdenarr und genießt es sehr, auf diesem Pony zu reiten, das „Biene“ heißt.

Ich bleibe inzwischen zu Hause, um mich noch ein bisschen auszukurieren. Die Mandelentzündung hat mich richtig schlapp gemacht. Und dank der Antibiotika, die ich bekommen habe, habe ich beschlossen, endgültig abzustillen. Sie waren zwar stillfreundlich, aber ich wollte meinem Kind trotzdem die Chemiekeule nicht antun. Und so nahmen wir vor ein paar Tagen und auch an diesem Wochenende Abschied von einer langen Stillbeziehung. Endgültig. Es war kein abruptes Ende, sondern ein Prozess, der schon ein halbes Jahr dauert und nun seinen Ausklang gefunden hat. Dieser endgültige Abschied ist immer noch recht emotional für mich, aber er fühlt sich irgendwie richtig an. Ich bin erleichtert, aber auch ein bisschen wehmütig.

Ich vertreibe mir die Zeit mit meiner Lieblingsserie „Outlander“ und Kochen. Es gibt Schnitzel in Cornflakespanade und Ofengemüse.

Danach bringen wir das Pralinchen zur Oma und genießen etwas Zeit zu zweit. Am Abend freue ich mich auf das neue Einschlafritual, das wir gefunden haben: Bücher vorlesen. Das klappt wirklich sehr gut.

Sonntag:

Frühstück mit Apfel-Zimt-Porridge.

Seit ich abgestillt habe, fordert das Kind mehr Aufmerksamkeit ein und will ständig mit mir spielen. Wir bauen also ein Schloss aus Bauklötzen.

Anschliessend machen wir einen Herbstspaziergang im nebligen Wald. Der herunterfallende Blätterregen gefällt dem Pralinchen besonders gut.

Wir kehren auf eine heiße Schoko ein und ich erzähle dem Pralinchen eine Geschichte über ein kleines Monster, das in meiner Tasche wohnt und meinen Lippenstift frisst. Wir haben nämlich eine weite Strecke zurückgelegt und warten auf den Mann, dass er uns mit dem Auto abholt. Und so vertreiben wir uns die Zeit mit Geschichtenerzählen. Das ist wirklich ein schöner Moment, sie so begeistert zu sehen und ich kann die Verbindung zu ihr spüren. Auch ohne Stillen.

Danach fahren wir auf den Reiterhof zu den Pferden. Ein Mädchen zeigt dem Pralinchen, wie man Hufe auskratzt.

Und auch beim Bürsten des Pferdes darf sie mithelfen.

Anschließend sind wir zu meinen Eltern zum Martinigansl-Essen eingeladen. Sehr lecker!

Und wie habt ihr Euer Wochenende verbracht? Mehr Bilder gibt es bei Susanne von Geborgen Wachsen.

Abstillen nach dem Langzeitstillen: Interview mit Stillberaterin Anna Hofer

Anna Hofer ist Stillberaterin in Köln und Mutter eines sechsjährigen Sohnes.

Es gibt sie: die Exoten unter den Müttern. Jene, die ihre Kinder nicht 6 Monate oder etwa ein Jahr lang stillen, sondern länger. Zwei, drei, vier, fünf Jahre oder sogar mehr. „Stillen, so lange Mutter und Kind es wollen“ heißt es ja so schön. Doch was, wenn die jahrelange Stillbeziehung beendet werden soll? Wie stillt man ein Kleinkind ab, wenn es von Geburt an nichts anderes kennt zum Beruhigen, Kuscheln, Trösten oder Einschlafen? Wie gestaltet man den Abschied vom „Allheilmittel Brust“ möglichst liebevoll?

Ich habe die Stillberaterin und Heilpraktikerin (Psychotherapie) Anna Hofer, die mir schon mehrmals erfolgreich aus der Patsche geholfen hat, zum Abstillen nach einer langen Stilldauer befragt.

In unserem Kulturkreis wird nach dem 1. Lebensjahr oft hinter verschlossenen Türen gestillt. Wie viele Mamis stillen ihre Kleinkinder noch?

Sowohl die Bestandsaufnahme zum Stillverhalten in den 90er Jahren durch das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) als auch die Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) durch das Robert-Koch-Institut 2007, dokumentieren im Kern das Stillverhalten in den ersten sechs Lebensmonaten, da in diesen ausschliesslich gestillt wird. Aus meiner Arbeit kann ich hinzufügen, dass die Stilldauer sich dahingehend erhöht, wenn die Mütter sich gut beraten und begleitet fühlen.

 

Vielen langzeitstillenden Müttern wird zum Abstillen geraten, vor allem, wenn das Kind in die Kita oder in den Kindergarten kommt. Was steckt dahinter?

Es herrscht die Annahme, dass Kinder sich in der Eingewöhnung im Kindergarten schwertun, wenn sie gestillt werden. Das ist natürlich Unsinn, denn die Qualität der Arbeit der pädagogischen Fachkräfte, ihre Geduld, ihr Verständnis, ebnen den Weg zu einer guten Zeit im Kindergarten. Die Frage, ob ein Kleinkind noch gestillt wird, spielt hier meines Erachtens keine große Rolle. Unsere Kinder können Stillzeiten in diesem Alter durchaus an den Arbeitsrhythmus der Mutter anpassen. Das heißt, viele Mütter stillen morgens und dann wieder nachmittags, wenn sie ihr Kind vom Kindergarten abgeholt haben. Und genau so kann man dies auch kommunizieren oder man lässt es außen vor. Denn Stillen ist auch immer etwas Persönliches und Intimes. Wir haben hier keine Auskunftspflicht.

 

Ich dachte, meine Tochter würde sich mit etwa 2-3 Jahren selbst abstillen. Doch nun ist sie fast 3,5 und das Gegenteil ist der Fall. Stimmt das überhaupt, dass sich Kinder in einem bestimmten Alter selbst abstillen? Oder muss die Mama die Initialzündung geben?

Das biologische Abstillalter liegt, laut verschiedenen Berechnungen der amerikanischen Anthropologin Katherine Dettwyler, bei mindestens 2,3 Jahren bis maximal 6 – 7 Jahren. Das sind natürlich statistische Angaben. Krankheit, Umzug, Eingewöhnung im Kindergarten oder bei der Tagesmutter können das Abstillen auch manchmal hinauszögern. Wenn sich schon so viel im Alltag unserer Kinder ändert oder sich anstrengend anfühlt, möchte man doch eine Konstante, auf die man sich verlassen kann. Das ist manchmal anstrengend für uns Mütter, aber aus der Sicht unserer Kinder eine völlig nachvollziehbare Reaktion. Also ja, manchmal müssen Mütter die Initialzündung geben, wenn sie nicht mehr stillen möchten. Unabhänging, wie lange die Stillzeit angedauert hat. Und das ist ihr gutes Recht. Es ist ihr Körper, über den in erster Linie sie verfügen darf.

 

Wie geht man am besten vor, wenn man sein Kleinkind abstillen möchte? Was sollte man dabei berücksichtigen?

 
Man sollte sich sicher sein in seinem Wunsch und ich weiss, viele Müttern tun sich schwer damit. Aber Ambivalenz ist ein wichtiges Thema und es sollten alle widersprüchlichen Gefühle genannt werden. Das befreit, macht den Kopf klarer und die persönlichen Wünsche deutlicher. Wir brauchen zeitweise viel Liebe, Geduld und ein dickes Fell, denn wir beenden etwas, was unser Kind ggf. gerne noch fortführen möchte. Das sorgt für Verzweiflung und Tränen. Da braucht es eben Liebe und Verständnis. Besonders auch bei Kleinkindern, die gestillt werden.
Ich halte nichts davon, Kinder von einem Tag auf den anderen groß werden zu lassen und sie zu beschämen: „Du bist doch schon so groß, das brauchst Du jetzt nicht mehr!“ „Bist Du noch ein Baby oder schon ein großes Mädchen / großer Junge?“ „Andere Kinder trinken in Deinem Alter keine Milch mehr bei Ihrer Mutter“ etc. Ich könnte noch viele Beispiele nennen. Die Verantwortung für das, was geschieht, tragen wir Erwachsenen. Immer. Und wir sind es auch, die die Trauer und das Unverständnis unserer Kinder begleiten müssen. Denn Abschiednehmen tut weh, etwas das man von Geburt an kennt, das darf man doch auch vermissen. Ich empfehle auch immer, die früheren Stillzeiten durch bewusste Kuschelzeiten zu ersetzen, wenn es möglich ist. Zusammen ein Bilderbuch anschauen, kuscheln, ein Hörbuch hören, zusammen spielen. Präsent sein.

 

Was tun, wenn das Kind sehr am Stillen hängt und sich gar nicht abstillen lassen will?

Pausieren und schauen, wie sich die Situation darstellt. Es gibt immer gute Gründe noch etwas zu warten. Man kann Stück für Stück abstillen: erst morgens, dann tagsüber, dann kommen der Abend und die Nacht an die Reihe. Druck erzeugt Gegendruck. Mit Druck funktioniert nichts und niemand, und erst recht nicht unsere kleinen Kinder.

 

Empfiehlst du, beim Abstillen konsequent zu sein und „hart“ zu bleiben, oder nach Gefühl zu gehen und auch mal nachzugeben, wenn es dem Kind besonders schwer fällt?

Ich sage meinen Müttern immer, dass sie „rückfällig“ werden dürfen und ich kleide dieses Wort auch in meinen Beratungen in diese Anführungszeichen. Abzustillen bedeutet doch nicht in den Krieg zu ziehen. Da gibt es kein Gut und Böse, kein Richtig und Falsch. Es geht doch um Gefühle! Die der Mutter, die des Vaters und die des Kindes. Und sie alle tragen einen Wunsch in sich, nämlich zueinander zu gehören und sich geliebt zu fühlen. Konsequentes Verhalten führt zu Härte in einem Moment, in dem das Kind sich Nähe und Weichheit wünscht. Und es wird für uns immer Momente geben, wo wir selbst zu müde sind, um die Tränen unserer Kinder aufzufangen und es sich leichter anfühlt, zu stillen, weiter zu stillen, erneut zu stillen. Und das ist völlig in Ordnung. Denn an einem anderen Tag haben wir die Geduld, unser Kind auch ohne Stillen in den Schlaf zu begleiten.

 

Das Ende einer langen Stillzeit ist sicherlich auch für Mütter mit vielen Emotionen verbunden. Was hilft, wenn die Stillbeziehung endgültig vorbei ist?

Die Motivationen der Mütter abzustillen sind sehr individuell. Die Eine muss ein Medikament nehmen, das nicht stillfreundlich ist oder sie möchte erneut schwanger werden. Und keine Mutter nimmt den Abstillprozess auf die leichte Schulter. Sie machen sich viele Sorgen, haben Angst um die Bindung zu ihrem Kind. Viele Sorgen kann man in Gesprächen auffangen und begleiten. Je sicherer die Mütter sich fühlen, umso eher sind sie in der Lage den Abstillprozess so zu gestalten, wie sie sich für sich und ihr Kind wünschen.

 

Was möchtest du allen Müttern in Bezug aufs Langzeitstillen mitgeben?

Ich wünsche ihnen, dass sie es genießen können. Dass sie wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie Fragen haben. Dass sie sich bewusst machen, dass sie nicht alleine sind, auch wenn sie sich manchmal wie ein absoluter Exot fühlen.

 

Vielen Dank, liebe Anna, für das spannende Interview!
Falls auch Ihr Fragen habt zum Stillen, findet Ihr Anna hier: Stillberatung Köln
Ein anderes tolles Interview mit Anna könnt Ihr bei Bettie von Das frühe Vogerl nachlesen. Und hier ist auch noch eins zum Thema Abstillen. Bettie war es auch, die mir Anna weiterempfohlen hat. Vielen Dank nochmal dafür!

Familienbett adé – raus auf den Balkon!

Hätte mir jemand gesagt, dass ich meine sowieso schon schlaflosen Nächte nun auf dem Balkon verbringen würde, anstatt im Bett, ich hätte wohl hysterisch gelacht. Doch leider ist dieser Umstand tägliche Realität hier im Hause. Ja, ich stehe tatsächlich so gegen 12:00/1:00/3:00 Uhr (? wer weiß das schon genau) auf dem Balkon. Jede Nacht. Man könnte meinen, ich wäre dement und hätte mich ausgesperrt. Oder der Mann ließ sich irgendwelche komischen Spielchen (ihr wisst schon…) einfallen. Oder ich bin zur Astronomin mutiert und finde den Sternenhimmel so unglaublich knorke. Oder, oder, oder…

Der wahre Grund, oder, besser gesagt: Übeltäter, ist mein Kleinkind. Ja, mein dreijähriges, zuckersüßes, zu aller und jeder Zeit geliebtes Pralinchen schickt mich jede Nacht auf den Balkon. Sie will unbedingt da hin und ich soll unbedingt mitkommen. Wenn nicht, gibt es lautstarkes Gebrüll, das selbst einen Siebenschläfer auf Valium aus dem Schlaf reißen würde. Damit ich den Nachbarn nicht bald als Voodoo-Puppe diene, gebe ich also nach und stehe mit ihr auf dem Balkon.

Es könnte ja so schön sein: gemeinsam den Sternenhimmel anschauen, die Sterne zählen, sich Geschichten zu den Sternen ausdenken, Sternlieder singen… Wenn da nicht mein liebes schlafdefizitäres Gehirn wäre, das mir eine ordentliche Standpauke hält und die Dreijährige am liebsten gleich auf den Mond katapultieren würde.

Übers Abstillen, Schlafbrücken bauen und wie alles begann

Nachdem ich beschlossen hatte, in der Nacht abzustillen, befand ich mich nach einigen Höllen-Nächten auf dem Boden. Sprichwörtlich und tatsächlich. Denn mein liebes Kleinkind hatte sich in den Kopf gesetzt, dass Weiterschlafen nur noch auf dem Fußboden möglich ist. Ich habe hier darüber geschrieben. Also kroch ich untertags mit hängenden Augenringen bis zu den Knien auf dem Boden, denn mein Schlafdefizit war nur mehr ein einziges Fass ohne Boden.

Dann rettete mir Twitter den Allerwertesten: die wunderbare Anna Hofer, Stillberaterin in Köln, erfasste die Situation punktgenau. Mein Mädchen hatte sich den Fußboden als Schlafbrücke zurechtgelegt. Ich folgte ihren Empfehlungen, diese Schlafbrücke zu ändern, indem ich dem Töchterchen die Windel wechselte und mit ihr aufs Klo ging. Der Plan ging voll auf! Auch darüber hatte ich hier geschrieben. Ich war happy und erleichtert, dass es so gut funktionierte!

Doch meine Tochter ist sehr kreativ im Schlafbrücken-bauen. Schon bald legte sie sich eine neue zurecht, nämlich die mit dem Balkon.

Der Auszug aus dem Familienbett

Als Pralinchens Kusine da war und wir die Mädels im Kinderzimmer hinlegten, wurde plötzlich jenes Bett als neue Schlafstätte interessant. Seitdem will mein Mädchen nur noch dort schlafen, mit mir natürlich. Eine weitere Veränderung, die mit wundervollen (*hysterisches Lachen*) Nächten einherging. Wir schlafen also nicht mehr im Familienbett, auch nicht mehr auf dem Fußboden aber stehen jede Nacht auf dem Balkon. Es wird immer skurriler…

Noch dazu haben wir eine andere Baustelle: das Abstillen. Nach der nächtlichen Stillpause wacht das Kind nämlich auf und will in der Früh dauernuckeln. So nach dem Motto: „Jetzt will ich die Brust auch nicht mehr hergeben. Die wird ja sonst wieder weglaufen!“

Persönliche Grenzen und Selbstfürsorge

Irgendwie wird mir das alles gerade zu bunt. Nach einem sehr aufbauenden Gespräch mit Anna, habe ich jetzt beschlossen, Grenzen zu setzen. Persönliche Grenzen. Liebevolle Grenzen. Achtsam kommunizierte Grenzen. Ich habe Verständnis für Pralinchens Situation. Was auch immer sie dazu bewegt, so oft aufzuwachen, getragen werden zu wollen und auf den Balkon gehen zu wollen – sie wird sicher ihre Gründe haben. Doch auch ich bin nur ein Mensch und ich habe auch meine Gründe. Ich zähle genauso.

Und ich wünsche mir sehr, dass ich irgendwann mal darüber mit ihr lachen werde. „Weißt du noch, damals, als du mitten in der Nacht unbedingt auf den Balkon wolltest? Da hat mir Twitter den Allerwertesten gerettet, sonst hätte ich dich womöglich wirklich noch auf den Mond geschossen.“ „Waaaas, du warst noch auf Twitter?? Das ist ja sowas von 20er!“

Abstill-Schlafproblem gelöst: Vom Boden zurück ins Bett

Vor einiger Zeit habe ich hier darüber geschrieben, wie ich durch das nächtliche Abstillen völlig am Boden war, weil sich Schlafprobleme bei uns eingenistet haben. Mein Kind wollte mitten in der Nacht, also immer so gegen 2:00 oder 3:00 Uhr, auf dem Fußboden im Wohnzimmer anstatt im Familienbett schlafen. Das führte dazu, dass ich nicht mehr weiterschlafen konnte und stundenlang wach gelegen bin. Es war keine schöne Zeit und ich machte mir ziemlich viele Gedanken. Würde das immer so bleiben? Ist es ein neuer Entwicklungsschritt und soll ich darauf eingehen? Womöglich will sie im eigenen Zimmer schlafen. Oder auch nicht, und wir fahren gerade schnurstracks in eine Sackgasse.

Neben dem permanenten Schlafmangel war das Schlimmste für mich, dass ich mein eigenes Kind überhaupt nicht verstehen konnte. Was wollte sie mir damit sagen? Was war der Grund für ihr Verhalten? Ich wollte es so gerne wissen. Nun ist es so, dass Kinder im Alter von drei Jahren nicht wirklich sagen können, warum sie ein bestimmtes Verhalten an den Tag legen (bzw. an die Nacht, hihi). Selbst Erwachsene können das manchmal nicht. Oder wisst ihr immer, WARUM ihr etwas macht? Ich stand also ziemlich an und sah keine wirkliche Lösung des Problems. Meine Grübeleien drehten sich ständig im Kreis. Und meine Augenringe hingen schon bis zu den Knien.

Wenn man nicht mehr weiter weiß…

…holt man sich am besten Rat. Zum Glück stolperte Bettie von Das frühe Vogerl über meinen Text zum nächtlichen Abstillen und legte mir Anna Hofer ans Herz. Anna ist seit vier Jahren Stillberaterin und Heilpraktikerin in der Psychotherapie. Ich schrieb sie also an und vereinbarte mit ihr einen Termin für eine telefonische Fernberatung, da sie in Köln ist und ich in Wien. Ich schilderte ihr mein Problem nochmal genauer, sie hatte im Vorfeld auch meine Texte hier auf dem Blog gelesen und konnte sich so ein ungefähres Bild machen.

Anna erwies sich nicht nur als sehr kompetent, sondern auch äußerst unterhaltsam. Sie erklärte mir die evolutionsbiologischen Hintergründe unseres Schlafes:

Wir wachen deshalb oft auf, weil wir nicht wollen, dass uns oder jemanden aus unserer Sippe ein Säbelzahntiger frisst. Nun ja, im Fall von der Schwiegermutter drücken wir dann doch ein Auge zu. 😉 Jedenfalls ist unser Schlaf eine sehr heikle Angelegenheit, wir schlafen ziemlich lange (Elefanten hingegen nur 20 Minuten  4 Stunden). Deshalb müssen wir uns öfter rückversichern, dass alles Paletti ist.

Schlafbrücken bauen

Um wieder in den Schlaf zurückzufinden, brauchen wir sogenannte „Schlafbrücken“. Für meine kleine Tochter bestand die Schlafbrücke ihr gesamtes Leben lang aus Stillen. Seit ihrem ersten Atemzug. Kein Wunder, dass sie jetzt total verwirrt war! Als Schlafbrücke hat sie sich nach dem nächtlichen Abstillen den Übergang vom Bett auf den Fußboden zurechtgelegt. Für sie total logisch, denn sie musste ja auch irgendwie zum Schlafen kommen. Für uns hingegen total blöd. Doch was tut man nicht alles, um genügend Schlaf zu bekommen! Und so legten wir uns immer zu ihr auf den Boden. Es galt nun, sie dabei zu unterstützen, eine andere Schlafbrücke zu finden.

Die Sache mit der Windel

Doch was brachte sie dazu, immer um dieselbe Zeit, also ca. 2:00/3:00 Uhr nachts aufzuwachen? Laut Stillberaterin Anna verstärkt sich um diese Zeit herum unsere Nierenaktivität. Drei Monate alte Babys werden unruhig, weil sie pullern müssen, aber meist schon eine nasse Windel haben. Und in eine nasse Windel hineinzupullern stelle ich mir auch nicht so prickelnd vor. Vielleicht war das auch hier, bei meiner Dreijährigen der Fall? Anna empfahl mir, zuerst auf die Toilette mit ihr zu gehen, ihre Windel zu wechseln und Wasser anzubieten. Genau das machten wir ein paar Nächte lang und siehe da – es funktionierte!!!

Sie hatte sich eine neue Schlafbrücke zurechtgelegt. Mittlerweile genügt es, ihr die Windel zu wechseln, sie kuschelt sich an mich und schläft friedlich weiter. Kein Schlafen auf dem Fußboden mehr! Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie erleichtert ich bin! Und unendlich dankbar für Annas Rat.

Ich habe durch unser Abstill- und Schlafproblem viel dazugelernt, auch wenn es mich mehrere Wochen lang viel Kraft kostete. Am Ende noch zusammengefasst meine Tipps für Euch:

  • Jedes Verhalten Eurer Kinder hat einen Grund
  • Fragt nach dem „Warum?“
  • Falls ihr nicht weiterweißt, holt Euch Rat
  • Oft genügt der Blick von Außen, um Dinge in die richtige Richtung zu lenken
  • Mit Kindern ändert sich ständig was
  • Eure Kinder sind die besten Lehrer/innen (sorry für diese abgedroschene Phrase an dieser Stelle, aber es ist wahr)
  • Es ist nie zu spät für eine Veränderung!

So, und demnächst steht bei uns eine neue Herausforderung an, nämlich das komplette Abstillen, auch untertags. Das wird noch lustig werden! Ich halte Euch am Laufenden!

Abstillen in der Nacht: Warum ich völlig am Boden bin

Ich stille mein Kleinkind jetzt seit 3 Jahren und 3 Monaten. Das ist eine wirklich lange Zeit. Eine schöne Zeit, denn ich bin eine begeisterte Langzeitstillende. Unsere Stillmomente bedeuten mit sehr viel. Sie geben mir Kraft im Alltag und in der Nacht ließen sie mich, mit Ausnahmen von einigen Nächten, wirklich gut schlafen. Bis jetzt.

Denn vor einigen Wochen habe ich beschlossen, in der Nacht abzustillen und nach und nach ganz langsam überhaupt unsere Stillzeit zu beenden. Der Grund ist unsere Familienplanung: das Stillen macht es mir unmöglich, schwanger zu werden. Außerdem denke ich, dass das Pralinchen nun groß genug ist, um andere Wege zu finden, sich zu beruhigen und Nähe zu tanken. Immer mehr wünsche ich mir, dass sie sich an mich kuschelt, anstatt zu stillen. Dass ich ihr Geschichten erzähle oder ein Buch vorlese, oder dass wir miteinander plaudern.

Abstillen in der Nacht mit Stillpause

Der Entschluss war gefasst. Ich habe ihr erklärt, dass sie noch zum Einschlafen gestillt wird, und dass sie dann keine Brust bekommt, solange es dunkel ist. Wenn es wieder hell wird, kann sie wieder stillen. Sie war einverstanden damit.

In den ersten Nächten protestierte sie heftig, war richtig wütend. Ich hatte mit starken Gefühlen schon gerechnet und wusste, dass ich sie als Mama aushalten musste. Ich tröstete, tröstete, tröstete, kuschelte, tröstete. Trocknete Tränen ab. Reichte Wasser, das sie nie wirklich wollte. Sie hatte ja ein Recht darauf, gekränkt zu sein, schließlich war es ja ein großer Verlust für sie. In einer Nacht weinte sie ganz herzzerreißend und war traurig. Aber sie war sehr tapfer und ich spürte, dass sie kooperierte und dass sie es schaffen wollte. Ich war immens stolz auf sie, als sie es schaffte, ohne Stillen weiterzuschlafen.

In der einen Nacht wachte sie oft schreiend auf und beschimpfte mich. Ich war kurz davor, alles aufzugeben, weil es so schwierig war für mich, ihre Gefühle abzufedern. Es kostete so viel Kraft! Ich hatte zwar frei, weil Feiertage waren, aber danach musste ich zur Arbeit gehen. Abstillen und arbeiten ist echt keine gute Kombi. Aber ich konnte mir jetzt auch nicht 4 Wochen frei nehmen.

Ich bin ich ein Superhero! Und mein Kind isst Pilze.

Eines Nachts schaffte ich es, die starken Wutanfälle mit Geschichten erzählen rechtzeitig  abzufangen und fühlte mich wie ein verdammter Superhero. Doch leider funktionierte es nur zwei Nächte lang. Wodurch sie sich wirklich beruhigte war, wenn ich mich mit ihr ins Wohnzimmer auf die Couch legte. Doch dann könnte ich wiederum nicht mehr weiterschlafen. Ich fühlte mich mit einem Schlag in die Babyzeit zurückversetzt.

Nach zwei Wochen mit mehr schlechten als rechten Nächten, war mein Nervenkostüm so dünn, dass ich mich nicht mehr richtig um mein Kind kümmern konnte. Ich war gereizt, taumelte von Tag zu Tag, schlaftrunken, neben mir stehend. Eines Abends passte ich nicht auf, und sie aß Pilze auf unserem Balkon. Zum Glück stellten sie sich als ungiftig heraus. Aber es war ein Zeichen für mich, etwas ändern zu müssen. Ich war durch das nächtliche Abstillen so erschöpft, dass ich nicht mehr richtig schlafen konnte. Stundenlang lag ich in der Nacht wach und konnte auch untertags nicht schlafen, als das Pralinchen Mittagsschläfchen hielt. Das war richtig belastend.

Der Papa übernimmt!

Wir beschlossen, dass der Mann sich nun in der Nacht um sie kümmern musste. Als sie aufwachte, legte er sich mit ihr auf die Couch beziehungsweise ins Wohnzimmer auf den Boden, weil dort einfach mehr Platz ist für sie beide.

Der Mann kann zum Glück sofort weiterschlafen nach dem Zimmerwechsel. Doch leider wollte das Pralinchen wieder zurück zu mir ins Bett. Wieder wachte ich auf und konnte nicht weiterschlafen.

Inzwischen teilen wir uns die Nächte. Mal übernehme ich in der Nacht, mal er. Mal kann ich weiterschlafen, mal nicht. Doch es gibt weiterhin ein großes Problem:

Wir liegen am Boden. Jede verdammte Nacht.

Die Nächte nach dem Abstillen verlaufen inzwischen so: Das Kind wacht ca. 2-4 Mal auf. Die ersten beiden Male kuschelt sie sich kurz an mich und rollt dann im Bett herum. Manchmal sogar in ihr eigenes beigestelltes Bett. Aber sie schläft weiter.

Beim dritten Mal Aufwachen will sie immer in ein anderes Zimmer. Und beruhigt sich sofort, wenn ich oder der Mann sich mit ihr dort auf den Boden legt. Will ich mit ihr wieder zurück ins Bett, schreit sie und verlangt nach dem Stillen. Sie will das Zimmer wechseln. Unbedingt.

Warum macht sie das? Ich würde es so gerne verstehen!

Will sie nicht mehr im Familienbett, sondern alleine schlafen? Im eigenen Zimmer? Ist das ein nächster Entwicklungsschritt? Ist es ihr zu unruhig oder zu heiß? Oder ist es eine Art Protest: „Wenn ich nicht mehr stillen darf, dann will ich zumindest bestimmen, wo geschlafen wird!“

Inzwischen kommt das Auf-dem-Boden-schlafen nicht mehr in Frage für mich. Ich habe schmerzhafte Verspannungen im Nacken und in der Schulter. Das habe ich ihr auch schon erklärt, doch es nützt nichts. Auch wenn wir nicht zu Hause schlafen, sondern andernorts, möchte sie unbedingt auf den Fußboden, mitten in der Nacht. UNBEDINGT!

Ich möchte das nicht mehr!

Ich möchte diese nächtlichen Wanderungen nicht mehr. Ich wünsche mir die Nächte zurück, in denen ich durch das Stillen friedlich weiterschlafen konnte. Manchmal wünsche ich mir, ich hätte schon früher abgestillt, Fläschchen gegeben. Doch dann ist es wiederum viel einfacher abzustillen, wenn das Kind schon so groß ist. Man kann es so toll besprechen mit ihr. Und schließlich habe ich die lange Stillzeit bisher sehr genossen. Es klappt ja nach dem Abstillen mit dem Kuscheln und Beruhigen ganz gut. Aber ich bin dennoch im wahrsten Sinne des Wortes am Boden. Und der Boden ist für mich ein Problem. Denn zum Schlafen komme ich dadurch nicht wirklich. Und die Verspannungen tun ziemlich weh.

Es muss eine Lösung her. Vielleicht ein neues Bett in ihrem eigenen Zimmer, wo ich in der ersten Zeit mit ihr liege. Vielleicht nur Geduld, denn „Ommm!“, es ist womöglich nur eine Phase…

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht mit dem nächtlichen Abstillen? War es bei Euch auch eine emotionale Achterbahnfahrt? Oder ging es problemlos?

Abstill-Manöver: Wochenende in Bildern 19./20. Mai 18

Ein Wochenende voller Emotionen, Schlafmangel und einem Versuch, in der Nacht abzustillen. Schließlich bietet sich das verlängerte Wochenende gut an dafür.

Samstag:

Es hat überraschend gut geklappt in der Nacht. Das Pralinchen hat sich zwar mächtig aufgeregt, nicht mehr in der Nacht stillen zu dürfen, ist aber nach einer Weile in meinem Arm eingeschlafen. Ich konnte es gar nicht fassen und war so euphorisch, dass ich nicht mehr einschlafen konnte. Fragt mich nicht, wie ich es schaffte, Frühstück zu machen mit ca. 2 Stunden Schlafpensum.

Danach treffe ich mich mit meiner hochschwangeren Freundin in der Stadt, um ein paar Sachen für ihren Neuankömmling zu kaufen. Babyflausch.

Wir genießen einen Smoothie und quatschen.

Ich bin immer noch müde, aber stolz auf mich, dass ich diese erste Nacht hinter mich gebracht habe. Und natürlich auch mächtig stolz auf das Pralinchen. Sie hat das sogar trotz ganz leichter Erkältung richtig gut hinbekommen. Pädagogisch total falsch, kaufe ich ihr eine „Belohnung“, die ihr der „Herr Mond“ am Morgen in den Schuh stecken wird. Das ist eine Geschichte, die ich mir dazu ausgedacht habe.

 

Wieder zu Hause angekommen, mache ich Mittagessen: Soulfood-Pasta mit Bohnen, Rucola, Tomaten, Pesto und Parmesan. Das Rezept gibt es übrigens hier.

Das Pralinchen will leider nichts davon wissen und isst lieber Knabberzeug. Überhaupt ist sie heute etwas schlecht drauf. Vielleicht ist sie böse auf mich? Ich frage sie und sie meint: „Ein bisschen.“

Diesmal gehen wir auch nicht wie gewohnt zu den Großeltern, weil diese gerade auf Urlaub sind. Dafür verbringen wir den Abend noch zu Hause auf dem Balkon, weil das Kind nicht rausgehen will. Und fallen dann ziemlich müde ins Bett.

Sonntag:

Puh, die zweite Abstill-Nacht war anstrengend! Beim ersten Mal Aufwachen hat sie nur kurz gemeckert und ist wieder in meinem Arm eingeschlafen, aber das zweite Mal war ziemlich schlimm. Sie ließ sich gar nicht beruhigen und war ein richtiger Wutzwerg. Ich war hin- und hergerissen was ich machen soll. Schließlich stillte ich sie doch noch zwei, drei Sekunden lang. Und sie schlief danach wieder in meinem Arm ein. Mit Ach und Krach geschafft. Aber fragt mich nicht, wie ich mich am nächsten Morgen fühlte. Richtig erschöpft. Fertig.

Ein paar Vitamine zum Frühstück geben mir ein bisschen Power. Das Pralinchen ist mir heute sehr wohlgesinnt. Wir kuscheln ganz viel und ich freue mich wie ein Honigkuchenpferd darüber. Das gibt mir dann noch mehr Energie. Und natürlich auch ein langes Mittagsschläfchen.

Danach ernten wir Mangold auf dem Balkon fürs Mittagessen.

Ich mache nämlich einen Mangold-Feta-Strudel.

Der Lachs passt gut dazu und der Strudel schmeckt unglaublich lecker.

Leider hustet das Pralinchen ziemlich viel, ihre leichte Erkältung ist schlimmer geworden. Ich frage mich, wie ich das in der Nacht mit dem Abstillen machen soll. Einfach durchziehen? Oder doch eine Pause einlegen? Schwierig…

Wir gehen aber trotzdem mal raus, um frische Luft zu tanken. Und mein Grübel-Gehirn auf andere Gedanken zu bringen.

Wir haben richtig viel Spaß auf der langen Rutsche.

Und versüßen uns den Tag noch mit Macarons und Kuchen.

Und was habt Ihr so gemacht? Viele Bilder gibt es wie immer bei Susanne von Geborgen Wachsen.

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