Ausbildung

Berufliche Neuorientierung: Mein Weg zu einem neuen Berufs-Ich

Lange Zeit habe ich mich wie so eine Legehenne gefühlt. Gebrütet, gegrübelt, hin- und herüberlegt, weiter gebrütet. Soll ich es wagen? Schaffe ich es überhaupt? Wie sehr wünsche ich mir das? Was soll das alles überhaupt? Und was macht es mit mir und meiner Familie? Die Rede ist von einer beruflichen Neuorientierung.

Ich mag meinen Beruf ja grundsätzlich. Wie in jedem Beruf gibt es immer wieder Ups and Downs, Phasen, die besser sind und Phasen, die auch wirklich stressig sein können. Denn Vereinbarkeit ist wahrlich nicht einfach. Familie und Job unter einen Hut zu bekommen und dabei selbst nicht zu kurz  kommen ist kein Kinderspiel. Vor allem am Anfang, als ich nach der Karenz wieder begonnen habe zu arbeiten, ist mir diese Vereinbarkeitssache enorm schwer gefallen. Immer hatte ich schlechtes Gewissen- egal ob dem Kind gegenüber oder dem Arbeitgeber. Irgendwann hat es sich dann eingespielt, alles wurde mit der Zeit leichter und auch das schlechte Gewissen würde geringer. Ich habe meinen Weg gefunden. Wir sind zusammen an den neuen Herausforderungen gewachsen. Die liebe Routine hatte sich in den Alltag eingeschlichen und vieles einfacher gemacht. Mein Job lässt sich an sich schon gut mit der Familie vereinbaren, ich arbeite viel von zu Hause, bin flexibel.

Die Suche nach dem Sinn

Irgendwann habe ich gemerkt, dass das noch nicht alles ist. Nicht alles sein kann. Wahrscheinlich werde ich lange arbeiten müssen. Bis ins hohe Lebensalter. Da soll der Beruf wirklich 100% Spaß machen, die Tätigkeit soll erfüllend sein. So in Richtung Selbstverwirklichung. Das alles soll Sinn machen. Sinn machen, jeden Tag aufzustehen und in die Arbeit zu gehen. Sinn machen, weil ich meine Arbeit liebe und sie mir gut tut. Idealerweise ist mein Beruf auch meine Berufung. Zu hohe Ansprüche? Vielleicht. Aber wir haben eben nur dieses eine Leben. „Mach was draus!“ haben sie gesagt. „Folge deinen Träumen!“, haben sie gesagt. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, haben sie gesagt.

Der Gedanke, sich beruflich neu zu orientieren war schon lange da.

Zwischendurch habe ich ihn wieder aufgegeben. Zu teuer, zu viel Aufwand, zu wenig Zeit, Schlaf und Energie, um eine neue Ausbildung zu starten. Ich habe schon ein Studium, spreche vier Fremdsprachen, habe mehrere Weiterbildungen in meinem Bereich gemacht, in dem ich schon seit über 12 Jahren arbeite. Eine komplett neue Berufsausbildung brauche ich doch gar nicht. Dachte ich. Doch der Gedanke war stärker. Die innere Stimme ließ nicht nach. Sie wurde immer lauter. Bis sie irgendwann nach Veränderung schrie.

Veränderung. So ein großes Wort. So bedeutungsträchtig.

Von Klopftechniken und anderem Hokuspokus

Anfang dieses Jahres wurde es dann langsam konkreter. Ich begann, mich nach Ausbildungen umzusehen. Doch ich wusste noch nicht wirklich, was ich machen wollte. Medizin zu studieren schwebte mir vor, doch diesen Gedanken verwarf ich schon bald wieder. Wenn nicht Schulmedizin, dann vielleicht Alternativmedizin? Ich recherchierte nach Ausbildungen im Bereich Kinesiologie, TCM. Doch so ganz überzeugt war ich nicht. Aber ich wollte offen sein für alles und vor allem wollte ich eine Veränderung. Deshalb ging ich aufs Ganze und buchte ein Fernstudium zum „Energetiker für emotionale Balance mit Schwerpunkt TCM“. Gemütlich von zu Hause lernen, und sich die Ausbildung flexibel einteilen, und noch dazu mit dem interessanten TCM-Zusatz – das schien perfekt.

Doch als ich mir die Lernvideos angesehen habe, wusste ich nicht, ob ich im Kabarett oder in einem falschen Film gelandet bin. Da ging es um Handauflegen, Klopftechniken, Muskeltests. Die Vortragenden schienen wie schlechte Schauspieler und das alles zusammen überzeugte mich so gar nicht. Ich glaube leider doch nicht an solchen „Hokuspokus“, auch wenn ich denke, dass er vielen Menschen durchaus helfen kann. Doch wenn ICH davon nicht überzeugt bin, kann ICH andere schon gar nicht davon überzeugen. Also entschied ich mich dazu, das Fernstudium wieder zu stornieren. Das ging zum Glück recht einfach und ich verlor kein Geld.

Den Quereinstieg wagen – aber wie?

Nach dieser Erfahrung war ich etwas entmutigt. Wie soll ich einen Quereinstieg wagen, wenn ich nicht mal so richtig weiß, was ich überhaupt will? Doch das stornierte Fernstudium brachte mich auch irgendwie weiter. Denn jetzt wusste ich zumindest, was ich NICHT wollte. Ich recherchierte weiter, und kam irgendwie auf Ausbildungen im Sozialbereich.

Mama will Schoko geht wieder zur Schule

Tja, und dann entschied ich mich für eine Ausbildung als psychosoziale Beraterin. Damit kann man ziemlich viel machen: entweder man geht in den Sozialbereich und hilft Menschen in Krisensituationen, z.B. Flüchtlingen, Langzeitarbeitslosen, Jugendlichen, die die Schule abbrechen wollen. Oder man zieht das Ganze als Selbstständigkeit auf und unterstützt Menschen als Coach – in Sachen Kommunikation, Führung, als Business Coach. Oder als Eltern- oder Familiencoach. Ebenso geht damit Coaching in Lebenskrisen, bei Beziehungsproblemen, Depressionen etc. Man hat also ein ziemlich breites Spektrum. Ein Freund von mir ist bereits in diesem Bereich tätig und behandelt Menschen sehr effektiv bei Ängsten, Depressionen, Panikattacken, psychosomatischen Sachen etc. Er hat sich auf Hypnotherapie spezialisiert.

Die Ausbildung deckt an sich schon ein breites Spektrum ab, aber sicherlich muss ich noch die eine oder andere Zusatzausbildung machen, wenn ich weiß, worauf ich mich spezialisieren will. Tja, und jetzt gehe ich sozusagen wieder in die Schule. Einmal im Monat ein Wochenende lang, Freitag Nachmittag und Samstag den ganzen Tag.

Der Haken an der Sache

Die Ausbildung dauert 3 Jahre und sie ist ziemlich teuer. Am Anfang habe ich sie gleich abgeschrieben. Viel zu teuer, dachte ich. Doch wenn man etwas wirklich will, dann würfelt man alle Ressourcen zusammen. Und: Ich habe zum Glück eine Förderung bekommen, was den finanziellen Aspekt deutlich erleichtert! Es ist aber abgesehen davon natürlich ein gewisser zeitlicher Aufwand. Deshalb ist es auch hier auf dem Blog ruhiger geworden, denn zwei Jobs, Familie, Haushalt und Ausbildung sind dann schon mehrere Hüte, die ich gerade auf habe.

War es eine gute Entscheidung, die berufliche Neuorientierung zu wagen?

Die Ausbildung macht mir irrsinnig viel Spaß! Die Seminare sind für mich jedes Mal „Wellness für die Seele“. Ich treffe dort auf höchst spannende Themen und Menschen, ich beschäftige mich mit Dingen, die mich interessieren. Dinge, die mir selbst das Leben erleichtern. Jedes Mal, wenn ein Seminarwochenende ansteht, freue ich mich darauf schon Wochen vorher wie verrückt und bin traurig, wenn ich mal nicht teilnehmen kann. Ich bin insgesamt ausgeglichener und positiver geworden und achte mehr auf meine Kommunikation. Ich kann behaupten, dass die Entscheidung für eine komplett neue Ausbildung die beste seit langem war! Ich weiß noch nicht, wie die beruflichen Aussichten sind und wie mein beruflicher Alltag aussehen wird, aber die Ausbildung ist schon mal top. Und ich bin zuversichtlich, dass ich meinen Weg gehen werde.

Wie geht es Euch beruflich? Spielt ihr auch mit dem Gedanken, die Richtung zu wechseln und eine berufliche Neuorientierung zu wagen?

Copyright © 2019 · Theme by 17th Avenue