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Warum ich im Herzen ein Hippie bin

Ich fühle mich oft einsam, so als Mama. Nicht, weil ich zu wenig andere Mamas kenne. Nein, ich fühle mich einsam, weil ich das mit der „Kindererziehung“ irgendwie so anders mache, als die Menschen hier in meinem Umfeld. Ich habe oft das Gefühl, dass ich deshalb schräg angeschaut werde. Dass andere denken: „Die hat ihr Kind ja gar nicht im Griff, sie lässt sich alles gefallen, setzt keine Grenzen, alles ist erlaubt. Bei mir würde das nicht durchgehen, das ist ja unmöglich.“ Ein Beispiel gefällig?

Frühstück in der Badewanne

Wir sind beim Elternabend im Kindergarten, sitzen auf dem Boden im Kreis. Jeder soll sich und sein Kind vorstellen und eine Kindheitserinnerung teilen. Als die Eltern über ihre Kinder sprechen, listen sie vor allem Leistungen auf: sie kann gut tanzen, er kann gut Fußball spielen. Sie kann mit drei Jahren schon bis 20 zählen. Er kann das, sie kann jenes. Er ist stur, bockig. Sie ist dauernd wütend und anstrengend. Sie hat ihren eigenen Kopf. Er ist fordernd, es ist nicht leicht mit ihm. Es kommen Reaktionen von anderen Eltern, es wird rumgealbert und kommentiert.

Als ich an die Reihe komme, sage ich nur:

„Meine Tochter ist einzigartig. Sie liebt Pferde und rosa Kleider und manchmal trägt sie Nagellack. Sie läuft total gerne barfuß durch die Wiese. Sie hat oft originelle Einfälle. Letztens zum Beispiel, da hat sie ihr Frühstück in der Badewanne eingenommen und Badewasser dazu getrunken. Und gesagt: „Mama, das schmeckt sooo gut!““

Totenstille.

Von mir wird erwartet, an meinem Kind zu ziehen, es zu formen wie ein Stück Lehm

Ich mag nichts mehr, als meinem Kind ständig alles verbieten zu müssen. Nein, ich hasse es. Ich finde es viel zu anstrengend und ich merke, wie die Beziehung zu ihr darunter leidet. Dass sie letztendlich ziemlich frustriert ist und eine Reihe von Wutanfällen bekommt. Also tue ich es nicht. Ich erlaube viel und sage oft „Ja!“. Oder ich sage „Nein!“, revidiere aber ganz schnell meine Meinung und sage letztendlich doch noch „Ja!“. Ich bin nachgiebig und inkonsequent. Teilweise auch aus Bequemlichkeit, das gebe ich zu. Aber sehr oft auch deshalb, weil ich glaube, dass mein Kind viele Dinge selbst entscheiden kann und nicht übergangen werden sollte. Weil ich ihr gewisse Entscheidungen und die damit verbundenen Erfahrungen zutrauen will.

Ich habe aber den Eindruck, dass von mir genau das Gegenteil erwartet wird: „Nein!“ zu sagen, Grenzen zu setzen, konsequent zu sein. Denn es sei ja unsere Verantwortung als Eltern. Klar haben wir eine gewisse Verantwortung, vor allem, wenn gefährliche Dinge im Spiel sind, andere verletzt werden könnten. Und ja, man muss sich auch an bestimmte gesellschaftliche Konventionen halten und es seinem Kind auch vorleben. Aber ich gelange immer mehr zu dem Punkt, wo ich mir denke:

„Muss ich jetzt so mit meinem Kind umgehen, weil „es sich so gehört“ oder stehe ich als Mensch wirklich dahinter? Wird das gerade von mir erwartet und mache ich es, weil ich muss, oder mache ich das aus freien Stücken, weil ich es will?“

Im Herzen bin ich ein Hippie

Mein ganzes Leben lang war ich eher brav und angepasst, wie so ein „ordentliches“ Schulmädchen. Ich habe selten etwas Verbotenes getan. Ich habe nie rebelliert. Meistens habe ich das getan, was andere von mir erwartet haben. Das tue ich teilweise immer noch. So kommt man recht einfach durchs Leben. Aber macht es auch wirklich Spaß? Nicht immer.

Das Leben ist viel zu kurz, um es von anderen bestimmen zu lassen!

Und genau das will ich auch meiner Tochter auf den Weg geben. Seit sie da ist, haben sich meine Prioritäten verändert. Ich versuche, nicht mehr so viel Wert auf die Meinung fremder Leute zu legen, also damit meine ich Menschen auf der Straße und solche, die ich nicht so gut kenne. Ich höre öfter auf mein Herz und darauf, was ich wirklich will. Ich versuche, mir einzureden, dass ich gut bin, wie ich bin. Es gelingt mir nicht immer, aber ich strebe es an.

Ich möchte mich befreien von gesellschaftlichen Zwängen, vor allem vom Leistungsdruck, der so vorherrschend ist in unserer Zeit. Deshalb habe ich auch an diesem besagten Elternabend nicht davon gesprochen, was mein Kind alles kann, sondern was sie ausmacht, als Mensch. Ich bin stolz auf ihre Einzigartigkeit und hoffe, dass sie sich diese so gut wie möglich bewahren kann. Dass sie nicht mitgeschwemmt wird von dem, was die Gesellschaft ihr aufzwingt. Dass sie sich traut, anders zu sein. Etwas, was ich mich lange Zeit nicht getraut habe.

Seit ich ein Kind habe, bin ich ein Stück gewachsen. Ich lege eine gewisse „So what?“- Mentalität an den Tag, die mir richtig gut tut. Meine Tochter ist die beste Lehrmeisterin für mich. Und deshalb versuche ich jeden Tag, darüber hinwegzusehen, was andere Leute von mir oder uns denken. Mehr selbst- statt fremdbestimmt zu sein. Auch wenn ich dabei nicht „Everybody´s Darling“ bin (sorry für diese Anglizismen). Das erfordert oft Mut (den ich zugegebenermaßen nicht immer habe) und Rücksichtnahme. Rücksicht auf sich selbst und andere, aber besonders auf sich selbst.

Und wie sieht es bei Euch aus? Seid Ihr eher Hippies oder brave Schulmädchen? 😉
Was hat sich im Hinblick auf Eure Persönlichkeit verändert, seit Ihr Kinder habt?

Erziehung, Gewalt und warum Eltern-Blogs so wichtig sind

Ich beobachte im Alltag immer wieder Szenen, die aus dem Lehrbuch der schwarzen Pädagogik stammen könnten.

  • Kindern wird gedroht
  • Sie werden unsanft angefasst und gegen ihren Willen auf eine Sitzgelegenheit katapultiert
  • Anstatt sie zu trösten, wenn sie dann weinen, werden sie noch zusätzlich angeschrien oder bestraft oder komplett ignoriert
  • Sie werden gegen ihren Willen und ohne vorherige Ankündigung einfach vom Spielplatz weggetragen
  • Sie werden vor anderen bloßgestellt

Diese Liste ließe sich noch beliebig lange fortsetzen. Leider. Traurig, aber wahr.

Erziehung ist gleich Gewalt?

Wenn ich vorher irgendwo mal gelesen habe, dass Erziehung Gewalt bedeutet, dann war ich immer skeptisch eingestellt. Man kann doch keiner Mama oder keinem Papa sagen, dass er oder sie Gewalt ausübt, indem er oder sie erzieht. Jeder will doch nur das Beste für seine Kinder! Jeder macht es so gut, wie er oder sie kann.

Jetzt weiß ich: Erziehung bedeutet vielleicht nicht unbedingt Gewalt. Gewalt ist ein sehr starkes Wort. ABER: Wenn sie Formen annimmt, wie oben beschrieben … was macht das dann mit einem Kind?

Wenn kein Mitgefühl da ist, wie sich so eine Kinderseele denn fühlen kann, wenn man sie (oft noch dazu grundlos) bestraft. Wenn es nur noch um Strafe, Disziplin und Konsequenz geht: „Wer nicht hören will, muss fühlen!“. Wenn es darum geht, Macht auszuüben: „Ich bin stärker als du und wenn du nicht das machst, was ich sage, dann wirst du schon sehen, was passiert.“ Oder: „Du hast gar nichts zu sagen. Ich bin hier der Chef!“

Es macht auf Dauer klein. Und die Betonung liegt auf DAUER. Denn jeder hat mal einen schlechten Tag, die Schnauze voll von allem und keine Lust oder Kraft, pädagogisch wertvoll zu handeln. Kinder können diese Momente aushalten, wenn sie ansonsten eine liebevolle Erziehung erfahren.

Und dennoch bemerke ich – egal ob auf dem Spielplatz, im Schwimmbad, im Park oder wo auch immer, dass in unserer Gesellschaft immer noch eine gewisse Grundhaltung herrscht. Eine Grundhaltung dem Kind gegenüber, die besagt: „Du bist es nicht wert, respektvoll behandelt zu werden!“

Warum tun Eltern sowas?

Diese Frage habe ich mir oft gestellt. Ich denke, es gibt mehrere Gründe:

  • Sie glauben, dass sie ihren Kindern mit Drohungen, Strafen und Konsequenz etwas Gutes tun. Dass nur so ihre Kinder „zu etwas werden“.
  • Sie haben es selbst nicht anders erlebt
  • Sie besitzen kein Wissen darüber, dass es auch anders geht
  • Gesellschaftliche Konventionen: „Es gehört sich einfach so!“
  • Sie sind überfordert

Immer wenn ich Erziehung in dieser Form als Fremde, Außenstehende erlebe, fühle ich mich hilflos. Am liebsten würde ich das jeweilige Kind in den Arm nehmen und dem Elternteil sagen: „Das musst du gar nicht tun. Dein Kind liebt dich. Es will alles tun, um dir zu gefallen. Lass die Zügel los!“

Doch das geht nicht. Wo kein Vertrauen da ist, kann man auch kein Feedback geben, das angenommen wird. Oder bin ich zu feige?

Stattdessen schaue ich mein eigenes Kind an. Ich gebe ihr einen Knutscher, knuddle sie ganz fest und bin froh, dass sie keine Erziehung als Form der Gewalt erfahren muss. Warum? Weil ich das Glück habe, selbst nicht so aufgewachsen zu sein. Weil ich mir Wissen aufgebaut habe.

Das Wissen darum, wie Kinder ungefähr ticken, dass sie genauso Bedürfnisse haben wie Erwachsene und dass sie keine unfertigen Menschen sind, sondern von sich aus gut und kompetent sind. Dass sie es nicht böse meinen, wenn sie etwas tun. Dass alles einen Grund hat, wenn sie sich so oder anders verhalten.

Das hatte ich, bevor ich mein Kind geboren hatte, nicht.

Erlebte ich Situationen wie oben beschrieben, so dachte ich: „Recht so, endlich wird dem verzogenen Racker gezeigt, was sich gehört und was nicht!“ Echt erschreckend, wenn ich jetzt im Nachhinein darüber nachdenke…

Wissen, Wissen, und nochmals Wissen

Seit ich ein Kind habe, hat sich meine Einstellung um 360 Grad gedreht. Meiner Überforderung sei Dank! Denn immer, wenn ich überfordert war, habe ich mir Rat geholt. Ich habe das Internet durchforstet, Bücher gekauft, bin in Gruppen gegangen, wo man Fragen stellen konnte. Denn ich war sowas wie eine „Tabula Rasa“, eine leere Tafel. Komplett planlos.

Ok, planlos und verzweifelt bin ich teilweise immer noch, vor allem wenn neue Herausforderungen auf mich zukommen. Ich mache ganz viele Fehler. Auch eine Drohung, Bestechung, oder was auch immer ist mir des öfteren schon ausgerutscht. Und schimpfen tu ich sowieso. Aber ich weiß, wo ich mir Rat und Hilfe holen kann. Und ich bin echt dankbar.

Dankbar dafür, dass es pädagogisch wertvolle Bücher rund um Kindererziehung gibt, dass ich meine Filterblase auf Twitter habe, in der ich mich austauschen kann, und dass es ganz tolle Eltern-Blogs gibt.

Denn Eltern-Blogger (zumindest die, die ich kenne) leisten eine verdammt gute Arbeit.

Das mag vielleicht kitschig klingen, aber Eltern-Blogger tragen dazu bei, diese Welt zu einem besseren Ort für Kinder (und Eltern) zu machen:

  • Sie zeigen, dass Beziehung wertvoller ist als Erziehung
  • Sie hinterfragen Dinge, die in unserer Gesellschaft passieren
  • Sie greifen Probleme auf und suchen im gemeinsamen Austausch nach Lösungen
  • Sie recherchieren, prüfen nach, stellen zusammen und vermitteln Wissen rund um die Entwicklung von Kindern
  • Sie zeigen den (authentischen) Alltag mit Kindern und unterschiedliche Erziehungsstile
  • Sie geben Ansporn, inspirieren und berühren
  • Aber vor allem reflektieren sie sich selbst.

(Hinter)fragen kostet nichts

Vielleicht kommen also auch jene Eltern, die überfordert sind, es nicht anders kennen und glauben, ihren Kindern nur mit Strenge, Disziplin Strafen und verbaler Gewalt zu begegnen auf die Idee, es anders machen zu können. Vielleicht beginnen sie, Glaubensmuster zu hinterfragen und ihren eigenen Erziehungsstil zu reflektieren. Sich Hilfe zu holen. Vielleicht machen sie all das, wenn sie auf gute, wertvolle, authentische Eltern-Blogs stoßen.

Ich weiß, dass das sehr kurz gedacht ist. Vielleicht etwas naiv. Aber wer weiß, vielleicht ist es zumindest für einige ein Anstoß, auf eine Reise zu sich selbst zu gehen? Mit ihren Kindern auf gewaltfreie Art zu kommunizieren. Weniger an ihnen zu ziehen, sondern in respektvolle Verbindung zu treten. Die Zügel loszulassen. Und gemeinsam mit ihnen zu wachsen. Jeden Tag ein Stückchen mehr.

Wie ich mich mit meinem Kaiserschnitt versöhnte

Ich stehe am Spielplatz mit einer anderen Mama. Wir unterhalten uns, während unsere Kinder spielen. Ihr Sohn ist etwa 2 Jahre alt und kommt in ein paar Monaten in den Kindergarten. Sie befürchtet, dass er sich schwer tun wird. Ich finde es schön, dass sie so offen zu mir ist und von ihren Sorgen erzählt, obwohl wir uns noch gar nicht richtig kennen. Und nach einer Weile beginne ich auch zu verstehen, warum sie diese Bedenken hat.

Denn der Kleine wirkt irgendwie anders. So blass und zerbrechlich, wie ein zarter Schmetterling. Er schielt und sein Kopf zuckt ab und zu. Er sitzt nahezu regungslos da, reagiert auch nicht so wie andere Kinder, wenn man ihn anspricht. Vielleicht ist er auch schüchtern. Jedenfalls scheint mir, als wäre er nicht ganz da auf dieser Welt, als sei ihm diese fremd.

Seine Mutter gesteht mir, sie sei ständig mit ihm bei verschiedenen Ärzten. Ich traue mich nicht zu fragen, was denn genau mit dem Jungen los ist.

Wenn mit dem Kaiserschnitt zu lange gewartet wird

Irgendwie kommen wir auf das Thema „Geburt“ zu sprechen. Sie hatte sich so sehr eine natürliche Geburt gewünscht, sie hatte alles versucht. Wirklich alles. Auch die Ärzte und ihre Hebamme wollten, dass das Kind spontan auf die Welt kommt. Sie zögerten. Viel zu lange warteten sie mit dem Kaiserschnitt, bis es fast schon zu spät war. Es war wirklich sehr knapp.

Diese Geschichte ist sicher eine von vielen, und sie lässt einige Fragen bei mir auftauchen. Warum wurde so lange mit dem Kaiserschnitt gezögert? Besteht heutzutage womöglich die Tendenz, eine Spontangeburt herbeizuführen, koste es, was es wolle? Ich verstehe, dass es in vielen Fällen nicht so leicht einzuschätzen ist. Vielleicht wollte sich die Frau selbst in dem Moment gegen einen Kaiserschnitt entscheiden. Ich will mich gar nicht anmaßen, eine Meinung dazu zu vertreten, weil ich sie nicht gut kenne und auch nicht vom Fach bin. Und dennoch gibt mir das zu denken.

Das Gefühl, es nicht „geschafft“ zu haben

Die Geschichte erinnert mich an meine eigene Geburtserfahrung. Weil ich selbst einen Kaiserschnitt hatte und es ein absoluter Notfall war. Und dennoch war lange so eine Stimme da, die mir sagte, ich hätte es nicht „geschafft“, mein Kind spontan auf die Welt zu bringen. Die Stimme war zwar sehr leise, aber sie war da. Und das Komische daran: sie tauchte erst lange nach der Geburt auf. Bei der Geburt selbst war ich überglücklich, ein gesundes Kind bei mir zu haben. Wochen und Monate danach auch. Doch dann dämmerte es irgendwann, oder besser gesagt: durch verschiedenste mediale und gesellschaftliche Einflüsse wurde mir klar, dass es alles andere als eine perfekte Geburt war. Es war ein Notkaiserschnitt. Und das MUSS ja furchtbar gewesen sein.

Ich hatte dieses Bild vor Augen: die Frau gebärt vaginal, das Baby lässt seinen ersten Schrei los, der Mann schneidet die Nabelschnur durch, alle sind überglücklich und haben rosarote Bäckchen. SO muss es sein. DAS ist eine perfekte Geburt! Es machte mich jedes Mal traurig, dass ich das nicht erleben durfte. Ich machte mir auch Gedanken wegen meines Kindes, denn sie hatte einen schlechten Apgar-Test. Vielleicht wäre das nicht der Fall gewesen, wenn ich es „geschafft“ hätte, sie spontan auf die Welt zu bringen? War sie deshalb so unruhig die ersten sechs Monate?

Der Druck, spontan zu gebären, ist groß

Doch irgendwann begann ich, dieses Bild einer perfekten, spontanen Geburt aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Sicher ist es wunderschön, wenn man spontan gebären kann, alles glatt läuft und das Kind nicht in einer Notsituation aus Mamas Körper „gerissen“ wird. Sicher ist es für die Bindung gut, für das Kind, für alle Beteiligten. Keine Frage!

Und ja, mein Notkaiserschnitt war alles andere als ein Spaziergang. Ich war immens frustriert nach 12 Stunden Wehen, als auf meinem Bauch herumgeturnt worden ist, um das Kind irgendwie nach unten zu kriegen. Als es dann zum Geburtsstillstand kam und nichts mehr weiterging, war ich so enttäuscht, wie noch nie. Ich hatte Presswehen, als ich auf der Liege sitzen musste, während mir eine zentimerlange Nadel ins Rückenmark gestochen worden ist. Presswehen. Sitzend. Der reinste Alptraum! Und riskant noch dazu. Es musste eben schnell gehen.

Aber: ich bin froh, dass es schnell gegangen ist, und dass die Hebammen und Ärzte rasch gehandelt haben. Ich hielt mein erschöpftes, zerknautschtes, aber gesundes Baby in meinen Armen, nur wenige Minuten, nachdem sie ihrem Papa gebracht worden ist. Wir konnten beide mit ihr bonden. Es ging mir gut nach der OP, ich hatte kaum Schmerzen. Schon wenige Stunden nach der Geburt konnte ich aufstehen und ein paar Schritte gehen. OK, das Stillen funktionierte erst am fünften Tag – angeblich wegen des Kaiserschnitts. Das war schlimm für mich, meinem Kind keine Mamamilch von mir geben zu können, sondern die Milch anderer Frauen. Wir haben zunächst mit Frauenmilch zugefüttert und sind mit zig Flaschen von der Klinik nach Hause gefahren. Es war turbulent, aber wir haben die Startschwierigkeiten geschafft und stillen bis heute.

Den eigenen Perfektionismus loslassen

Ich bin ich jetzt halbwegs versöhnt mit dem, was war. Ich bin stolz auf mich, dass ich diese überaus schwierige Geburt geschafft habe. Eine spontane Geburt ist ideal – keine Frage! Aber ein Kaiserschnitt ist kein Weltuntergang, wenn das Ergebnis eine gesunde Mama und ein gesundes Kind sind. Ich möchte ihn damit nicht schön reden, denn es gibt sicher Frauen, die unter den Folgen eines Kaiserschnitts furchtbar leiden, körperlich wie seelisch. Ich fühle mit ihnen. Auch ich musste mich davon erholen, das Geschehene verarbeiten, und es war nicht leicht.

Doch irgendwann ich habe für mich beschlossen, mich mit meinem Geburtsverlauf und dem Notkaiserschnitt zu versöhnen. Das hilft mir, eine weitere Geburt zu meistern, wenn diese anstehen sollte. Tief im Herzen hoffe ich natürlich auf eine zukünftige, spontane, wunderschöne Geburt. Aber ich mache mir keinen Druck, falls ich diese nicht erleben sollte. Vor allem beim Thema Geburt gilt es, den eigenen Perfektionismus loszulassen.

Wie ist Eure Meinung dazu?

Nachtrag: Die liebe Andrea vom Motherbirth-Blog hat eine wunderbare Geschichte gefunden, die allen Kaiserschnitt-Mamas, die sich keinen Kaiserschnitt wünschten und doch einen hatten, Mut machen soll. Hier könnt Ihr sie nachlesen.

Taufe? Ja! Bilder unserer Taufe in Polen

Soll ich mein Kind taufen lassen oder nicht? Diese Frage stellen sich wohl einige Eltern. Die Sache mit der Taufe, Religion und all diesen Dingen ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Jede Familie muss für sich entscheiden, ob sie ihr Kind taufen lassen will oder nicht. Ich kenne viele Mamas und Papas, die sich gegen die Taufe entschieden haben, weil sie entweder nicht gläubig sind, oder mit der Kirche nichts (mehr) zu tun haben wollen, oder das Kind einfach später selbst entscheiden lassen wollen, welcher Religion es angehören will und ob überhaupt. Auch ich habe hin- und herüberlegt, ob wir taufen sollen oder nicht.

Und dann habe mich aus folgenden Gründen dafür entschieden, das Pralinchen taufen zu lassen:

  • Ich komme durch meine polnischen Wurzeln aus einer katholischen Familie
  • Traditionen, Brauchtum und Feste finde ich schön
  • Ich finde es gar nicht soooo schlecht, meinem Kind ein Stück Glauben mitzugeben, oder zumindest ein paar Grundprinzipien (natürlich nur jene, die für mich und für uns als Familie Sinn machen)
  • Sie kann dann später selbst entscheiden, ob sie mit dieser oder ganz ohne Religion weiterleben will

Und nicht zuletzt war ein ganz wesentlicher Punkt für mich die Tatsache, dass meine Großeltern in Polen noch leben und die Taufe unserer Tochter miterleben durften. Das war auch eine schöne Gelegenheit, um nach Polen zu fahren und sie nochmal wiederzusehen.

Doch die Sache mit der Taufe war gar nicht so einfach, wie wir uns das anfangs vorgestellt hatten. Da der Mann und ich nicht verheiratet sind, haben uns einige Kirchen in Warschau abgelehnt. Ebenso meine Cousine, die noch keine Firmung hat und Taufpatin sein sollte. Am Ende haben wir aber doch noch eine liberalere Kirche gefunden. Daraus ist dann letzte Woche ein richtig schönes Fest geworden und ich möchte Euch hier ein paar Impressionen zeigen:

Der Mann muss noch einen Anzug für die Taufe kaufen und das Pralinchen spielt zwischen all den Klamotten Verstecken.

Danach treffen wir uns mit der Familie in einem Schokolade-Café. Ja, ihr habt richtig gelesen: Ein Kaffeehaus, wo nur Schokolade in allen möglichen Variationen angeboten wird! Ein wahres Paradies!

Ich bin ganz gerührt, als ich meine Großeltern wiedersehe, vor allem meine Großmutter, die vor einigen Monaten wegen einer schweren Lungenentzündung im Sterben lag und zum Glück wie durch ein Wunder wieder gesund geworden ist.

Ich freue mich wirklich sehr und knuddle sie ganz viel ab. Und obendrauf bestelle ich mir Obst mit Schoko-Fondue. Wenigstens ein paar Vitamine zwischen all der Schoki. *hust*

Danach gehen wir noch eine Runde im Park spazieren. Das Pralinchen fängt Seifenblasen mit meiner Cousine – ihrer Taufpatin.

Fotosession: Mein Cousin – Pralinchens Taufpate (in Polen gibt es immer zwei Taufpaten) hat als Geschenk für die Taufe einen Fotografen organisiert.

Wir hängen noch ein wenig im Park herum…

Und gehen dann in die Kirche, wo die Taufe stattfindet:

Mein frisch getauftes Pralinchen mit ihren Großeltern auf dem Weg zur Feier ins Restaurant.

Ich bestelle einen leckeren Fisch mit Oliven.

Für Unterhaltung ist auch gesorgt. Polen ist übrigens in den letzten Jahren sehr kinderfreundlich geworden. Es gibt sehr viele verschiedene Angebote für Familien mit Kindern, an allen Ecken und Enden der Stadt: Indoor-Spielplätze, eigene Spielräume mit Riesen-Bauklötzen, …

Oder Hüpfburgen, so wie diese hier, die dem Pralinchen total gut gefallen hat:

Zum Abschluss machen wir noch ein Ründchen durch die Altstadt von Warschau:

Schade, dass die Zeit so schnell vorbeiging! Der Weg zurück nach Wien war übrigens recht mühsam: wir sind 9 Stunden mit dem Auto in der Nacht gefahren. Das Pralinchen hat zum Glück super geschlafen, aber der Mann und ich waren danach ziemlich fertig.

Und wie steht Ihr so zur Taufe? „Ja, auf jeden Fall“ oder: „kommt nicht in die Tüte“?

NACHTRAG: *enthält Werbung*
Falls Ihr gerade eine Taufe plant und noch Karten selbst gestalten möchtet, oder einem Kind zur Taufe eine originelle Karte schenken möchtet, dann empfehle ich Euch, bei der Kartenmanufaktur vorbeizuschauen. Denn auf Meine-Kartenmanufaktur.de kann der Kunde alle Karten bis ins kleinste Detail individualisieren.

Die Fehler, die ich mache

Liebes Pralinchen,

vorhin, als du eingeschlafen bist, hast du meine Hand genommen. Du hast meinen Daumen mit Deinen kleinen Händchen umklammert, wie ein Äffchen. So, als wolltest Du sagen: „Mama lass mich nie los. Niemals. Sei immer für mich da.“

Bin ich immer für Dich da? Gebe ich Dir den Halt, den Du brauchst? Manchmal ja, und manchmal schweifen meine Gedanken ab und ich bin ganz woanders. Und manchmal bin ich ganz weg, dann bist Du in der Kita, bei Oma und Opa oder mit Papa unterwegs. Denn wenn ich etwas Abstand habe, dann kann ich die Zeit, in der wir zusammen sind, umso mehr genießen. Du aber willst immer mit mir zusammensein. Du brauchst keine Zeit für Dich. Für Dich reicht es, wenn ich da bin. Das alleine macht Dich glücklich.

Du bist so rein, Du trägst nur das Gute in Dir. Vorhin, da hast Du mein Herz erwärmt. Du hast mir die Haare gekämmt und gesagt: „Schöne Mama“.

Ich hoffe so sehr, dass ich diese Güte nicht zerstöre, indem ich Dich nicht ernst nehme oder Dir etwas nicht zutraue. Oder denke, dass Du etwas machst, um mich zu ärgern. Das ist nicht so, auf gar keinen Fall. Ich weiß es ja. Und ich hoffe zutiefst, dass Du dein freundliches, gütiges, herzerwärmendes Wesen behältst, auch wenn ich Fehler mache.

Denn Fehler mache ich ganz viele. Unzählige, tagtäglich. Da wären zum Beispiel unbedacht geäußerte Worte, Unverständnis, Unachtsamkeit. Da wären Trägheit und Bequemlichkeit, Ungeduld…die Liste ist lang.

Manchmal würde ich mich gerne besser in Dich einfühlen können, doch oft weiß ich nicht einmal, was ich selber fühle. Manchmal bräuchtest Du mehr Klarheit von mir, obwohl mir einiges selbst noch unklar ist. Du siehst: Ich befinde mich noch am Anfang unserer gemeinsamen Reise. Ich weiß nicht immer, was wann zu tun ist oder in welche Richtung wir gehen sollen. Aber ich bin da für Dich. Ich biete Dir meine Hand an, damit Du Dich daran festhalten kannst. Du kannst sie ganz fest umklammern.

Und auch wenn mir vieles noch unklar ist, eines weiß ich ganz sicher: Du nimmst mich an, mit all meinen Fehlern. Für Dich bin ich die Größte. Für Dich bin ich einfach nur ich. Ich danke Dir aus ganzem Herzen dafür.

Deine Mama

 

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