Fehler

Zwischen Mama und Papa tobt ein Gewitter

 

Liebes Pralinchen,

Ich kenne da zwei Wolken. Sie gleiten dahin, Hand in Hand werden sie vom Wind getragen. Sie sind zufrieden, zwei glückliche, rosa-weiße Wolken, die durch die Luft schweben. Doch irgendwann, ganz plötzlich, weht ein leiser Wind. Und die Wolken beginnen, gegeneinander zu prallen. Wolke eins stubst Wolke zwei an. Ganz sanft. Dann gleiten sie wieder dahin. Es weht wieder ein Wind, diesmal ist er etwas stärker. Wolke eins stubst Wolke zwei an. Und Wolke zwei stubst diesmal zurück. Wieder weht der Wind, diesmal so stark, dass sich die Wolken noch fester anstubsen. Immer und immer wieder prallen sie gegeneinander.

Nun sind sie nicht mehr ganz so rosa, sondern weiß. Und je stärker der Wind weht, und umso öfter sie gegeneinander prallen, umso größer und dünkler werden sie. Irgendwann sind sie dann nur noch grau, blau, dunkelgrau. Oder sogar schwarz. Schwarz vor Ärger, Frust und Wut. Gegen den Wind und das ständige Aneinanderprallen. Und dann beginnt es, zwischen den Wolken zu krachen. Es wird laut. Es donnert. „Katschumm!“ Kurze Pause. Wieder „Katschumm!“ Immer lauter. Plötzlich blitzt es: Dünne, helle Risse zwischen den Wolken, die den Himmel hell erleuchten. Es tobt ein Gewitter. Ein sehr lautes Gewitter. Und der starke Wind hört nicht auf, die Wolken gegeneinander krachen zu lassen. Sie werden hin- und hergeworfen. Es stürmt.

Die Wolken wissen nicht, was mit ihnen geschieht. Sie sind traurig und verzweifelt und fangen an, zu weinen. Aus Wolke eins fallen ganz viele Regentropfen. Aus Wolke zwei auch. Die Erde wird nass. Die Tiere verstecken sich in ihren Höhlen, um dem Regen zu entkommen.

Und irgendwann beruhigt sich der Wind und wird wieder ganz leise. Es hört auf, zu blitzen, zu donnern und zu stürmen. Und die Wolken beruhigen sich auch. Sie weinen nicht mehr, sondern reden miteinander. Leise. Sie sind jetzt wieder weiß. Und sie gleiten dahin, Hand in Hand werden sie vom Wind getragen.

Die Luft um sie herum ist jetzt ganz klar und rein. So klar, dass die Wolken nun sehen können, warum sie aneinander gekracht sind. Und weil sie das jetzt wissen, können sie dem Wind sagen, dass er nächstes Mal nicht so stark sein soll. Dass er aufpassen soll. Denn dann können auch die Wolken besser auf sich aufpassen und krachen nicht so oft aneinander. Und weißt du, was das Gute daran ist? Nach einem Gewitter kommt die Sonne hervor und zaubert einen Regenbogen in den Himmel. Mit ganz vielen Farben.

Liebes Pralinchen, Mama und Papa sind manchmal wie diese zwei Wolken, zwischen denen ein Gewitter tobt. Sie sind traurig und verzweifelt und wissen nicht weiter. Und sie können Dir dann nur noch versichern, dass das Gewitter irgendwann aufhört, die Luft klar wird, und der Regenbogen kommt. Ganz bestimmt.

In Liebe,

Deine Mama

 

 

Die Fehler, die ich mache

Liebes Pralinchen,

vorhin, als du eingeschlafen bist, hast du meine Hand genommen. Du hast meinen Daumen mit Deinen kleinen Händchen umklammert, wie ein Äffchen. So, als wolltest Du sagen: „Mama lass mich nie los. Niemals. Sei immer für mich da.“

Bin ich immer für Dich da? Gebe ich Dir den Halt, den Du brauchst? Manchmal ja, und manchmal schweifen meine Gedanken ab und ich bin ganz woanders. Und manchmal bin ich ganz weg, dann bist Du in der Kita, bei Oma und Opa oder mit Papa unterwegs. Denn wenn ich etwas Abstand habe, dann kann ich die Zeit, in der wir zusammen sind, umso mehr genießen. Du aber willst immer mit mir zusammensein. Du brauchst keine Zeit für Dich. Für Dich reicht es, wenn ich da bin. Das alleine macht Dich glücklich.

Du bist so rein, Du trägst nur das Gute in Dir. Vorhin, da hast Du mein Herz erwärmt. Du hast mir die Haare gekämmt und gesagt: „Schöne Mama“.

Ich hoffe so sehr, dass ich diese Güte nicht zerstöre, indem ich Dich nicht ernst nehme oder Dir etwas nicht zutraue. Oder denke, dass Du etwas machst, um mich zu ärgern. Das ist nicht so, auf gar keinen Fall. Ich weiß es ja. Und ich hoffe zutiefst, dass Du dein freundliches, gütiges, herzerwärmendes Wesen behältst, auch wenn ich Fehler mache.

Denn Fehler mache ich ganz viele. Unzählige, tagtäglich. Da wären zum Beispiel unbedacht geäußerte Worte, Unverständnis, Unachtsamkeit. Da wären Trägheit und Bequemlichkeit, Ungeduld…die Liste ist lang.

Manchmal würde ich mich gerne besser in Dich einfühlen können, doch oft weiß ich nicht einmal, was ich selber fühle. Manchmal bräuchtest Du mehr Klarheit von mir, obwohl mir einiges selbst noch unklar ist. Du siehst: Ich befinde mich noch am Anfang unserer gemeinsamen Reise. Ich weiß nicht immer, was wann zu tun ist oder in welche Richtung wir gehen sollen. Aber ich bin da für Dich. Ich biete Dir meine Hand an, damit Du Dich daran festhalten kannst. Du kannst sie ganz fest umklammern.

Und auch wenn mir vieles noch unklar ist, eines weiß ich ganz sicher: Du nimmst mich an, mit all meinen Fehlern. Für Dich bin ich die Größte. Für Dich bin ich einfach nur ich. Ich danke Dir aus ganzem Herzen dafür.

Deine Mama

 

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