Miteinander

Schwierige Kleinkind-Zeit oder: Wenn die Mama trotzt

Ich bin manchmal nicht die Mama, die ich gerne sein würde. Wahrscheinlich habe ich zu hohe Ansprüche. Je weniger ich sie erfüllen kann, umso frustrierter werde ich. Und irgendwann läuft das Fass über. So wie heute.

Situation 1: Mein Kind will nicht rausgehen

Wir sind seit einer Woche zu Hause. Das Pralinchen hatte eine leichte Mittelohrentzündung, doch sie scheint jetzt wieder gesund zu sein. Ich hatte zum Glück nur Schnupfen.

Eine Woche lang nur zu Hause zu sein, bedeutet Lagerkoller. Für mich, nicht für sie. Denn sie will keinesfalls außer Haus gehen. Das ist eigentlich fast immer so. Nur mit großer Mühe schaffe ich es, sie anzuziehen, um nach Draußen zu gehen. Sie ist ein kleiner Stubenhocker. Und heute ging es gar nicht, heute war es nur noch ein Kampf.

Bedürfnis gegen Bedürfnis: sie will zu Hause bleiben, ich muss raus. Ich wollte endlich an die frische Luft, auch mal was anderes sehen, als die eigenen vier Wände. Wäre ich noch länger zu Hause geblieben, wäre ich durchgedreht. Ich fühlte mich schon richtig eingesperrt.

Was also tun? Die Tage zuvor bin ich zu Hause geblieben, weil wir krank waren und sie auch nicht wollte, dass ich rausgehe, als der Mann zu Hause war. Auch gestern nicht, wo sie schon längst fieberfrei war.

Aber heute konnte ich mein Bedürfnis nicht länger zurückstecken. Und so gingen wir, nach ewig langem Erklären, Hin- und Hergetue und gegen ihren Willen endlich aus dem Haus. Als wir draußen waren, war alles gut. Sie spielte sogar ein bisschen im Schnee.

Dennoch mache ich mir Vorwürfe: Was, wenn sie nicht rausgehen wollte, weil sie noch angeschlagen ist?

Sie wollte lieber den Schneemann zu Hause verkleiden, als einen aus Schnee bauen. Ich hingegen wollte nach einer Woche Zuhause-sein so gerne rausgehen.

Situation 2: Tablet schauen und Süßes essen bis zum Umfallen

Als sie noch Fieber hatte und krank war, machten wir einen Fehler: Wir ließen sie so lange Tablet schauen, wie sie wollte. Das ging dann leider so weit, dass sie bis zu 5h am Tag schaute. Das geht natürlich gar nicht, und so reduzierte ich das schrittweise. Was natürlich mit Wutanfällen einhergeht. Und das ist OK so.

Jetzt haben wir das Problem, dass sie ständig nach dem Tablet fragt. Heute hatte sie schon eine Zeit lang geschaut, wir aßen dann zu Mittag und danach fragte sie wieder, ob sie was am Tablet schauen könnte. Ich weiß, dass das unser Fehler war, und trotzdem nervt es mich (wahrscheinlich gerade deshalb). Und weil ich ihr immer Alternativen anbiete, die abgeschlagen werden: wollen wir dieses und jenes spielen? Magst du ein Buch mit mir lesen? Nein.

Das gleiche Problem haben wir mit Süßem. Sie fragt ständig danach. Sie möchte auch nichts Anderes essen. Mittlerweile habe ich alle Süßigkeiten verbannt (außer Keksen) und backe etwas Süßes, aber Gesundes zusammen mit ihr. Diese Woche habe ich Apfel-Haferflocken-Muffins gemacht. So haben wir zumindest einen Weg gefunden, um das Süße zu reduzieren. Dachte ich. Doch heute in der Früh so: „Mama, ich brauch was noch Süßeres!“ Und die Muffins waren wieder unten durch.

Situation 3: Der Wut-Parkour

Ich habe ihr einen Parkour oder „Indoor-Spielplatz“ gebaut, damit sie sich ein wenig austoben konnte. Sie hat nämlich Wutanfälle am laufenden Band. Ich dachte, es könne daran liegen, dass sie unterfordert ist. Anfangs fand sie den Parkour lustig, aber leider nur für kurze Zeit. Denn kaum machte ich etwas so, wie sie es nicht wollte, folgte wieder ein Wutanfall.

Ich finde das ja völlig OK, dass Kinder ihre Wut und Gefühle rauslassen. Ich weiß, dass das Teil einer gesunden Entwicklung ist. Ich weiß, dass es die Autonomiephase ist, und dass das einfach dazugehört. Ich weiß auch, dass man das liebevoll begleiten soll.

Und genau das tue ich auch. Ich begleite sie liebevoll. Jedes Mal.

Ein Indoor-Spielplatz mit Leiter, Trampolin und Rutsche

ABER: Nach dem 20. Wutanfall an einem Tag reicht es mir. Ich habe keine Kraft mehr.

Und darum ist mir heute genau das passiert, was nicht passieren sollte: Ich bin explodiert. Ich war selber ein trotzendes Kind. Weil ich es satt bin, ständig alles verbieten zu müssen. Ich hasse es, meinem Kind nicht auf Augenhöhe begegnen zu können, sondern das blöde Elternteil zu sein, das nur herummeckert, von oben herab.

Ich weiß nicht, was gerade los ist, aber so läuft unser Familienleben normalerweise nicht ab.

Ist es der Lagerkoller? Meine eigene Sturheit? Eine blöde Phase? Schenke ich ihr zu wenig Aufmerksamkeit? Habe ich überhöhte Ansprüche? 

Wahrscheinlich werde ich erst nach einigen Monaten draufkommen, was wirklich los war.

 

Bin ich eine gute Mama? 10 Gründe, die dafür sprechen

Zum „Ausprobieren-lassen“ gehört auch, die Mama anzumalen. 🙂

Wir haben gerade eine schwierige Phase, in der ich oft an meine Grenzen gerate und an mir selbst zweifle. Doch anstatt nur das Negative zu sehen, wollte ich mich mal aufraffen, um auch mal das Positive anzuerkennen. Denn vor allem als Mama ist Anerkennung sehr wichtig, und man bekommt leider viel zu wenig davon.

Vor einiger Zeit hat Frida von 2kindchaos eine Liste an Gründen veröffentlicht, warum sie eine „Supermutti“ ist. Ich habe das jetzt mal als Inspiration genommen, ebenfalls 10 Gründe aufzuschreiben, warum ich keine sooo schlechte Mama bin. Einfach, um das mal festzuhalten. Da meine Selbstzweifel ja sehr gemein sein können und sich viel zu oft in meinen Alltag einschleichen, habe ich mit dieser Liste eine „geheime Waffe“, mit der ich sie wieder wegscheuchen kann. Hoffe ich zumindest. Hier ist meine Liste:

1. Ich gehe mit meinem Kind wertschätzend um.

Auch wenn es zu Konflikten kommt, werde ich nie beleidigend oder mache sie nieder. Das sollte zwar selbstverständlich sein, aber ich habe schon öfter auf der Straße erlebt, wie Eltern ausfallend werden. Wir sind alle nur Menschen, es kann passieren, dass mal etwas Böses ausrutscht…dennoch: mir ist es wichtig, dass ich auch in Konfliktsituationen auf eine gewisse Form der Kommunikation achte. Auch wenn mich mein Kind in dem Moment zur Weißglut bringt.

2. Ich begegne meinem Kind auf Augenhöhe.

Bevor ich einen Wunsch abschlage, überlege ich hin- und her, ob ich ihr den Wunsch nicht doch erfüllen kann. Meistens kann ich das. Und wenn nicht, dann fahre ich nicht einfach über sie drüber, sondern wir diskutieren es aus. Ich suche nach Kompromissen. Es kostet mehr Energie, denn ich führe oft viele Verhandlungen. Es wäre für mich sicher einfacher, öfter ein „Nein!“ auszusprechen und das war’s. Aber so bin ich nunmal. Weil ich selbst nicht wollen würde, dass man mich so behandelt.

3. Ich lasse ihr möglichst viele Freiräume.

Sie soll sich ausprobieren und die Welt für sich entdecken, ganz nach ihrer Art. Ich versuche, sie nicht zu sehr darin einzuschränken. Es gelingt mir natürlich nicht immer, aber immer öfter. Ich will sie nicht an der kurzen Leine halten, weil sie die Dinge selbst ausprobieren muss, um zu sehen, was gut ist für sie und was nicht. Das ist oft eine Gratwanderung. In Gefahrensituationen schreite ich natürlich ein.

4. Ich spende Nähe und Trost.

Ganz viel davon. Weil ich selbst diese Nähe genieße. Ich liebe es an ihr, dass sie so kuschelig ist. Das werde ich ziemlich stark vermissen, wenn sie irgendwann mal groß ist. Das weiß ich jetzt schon. Deshalb versuche ich, jede Minute davon zu genießen.

5. Ich nehme mir bewusst Zeit für sie.

Ich mache mir nicht allzu viele Termine aus, damit wir exklusive Zeit zusammen verbringen können. Das ist ihr wichtig. Dann bin ich auch weniger gehetzt und entspannter. Und sie liebt es, wenn ich mir die Zeit nehme und mit ihr spiele, mich völlig ihr widme.

6. Ich habe schlechtes Gewissen.

Oft frisst es mich auf und wirkt nur selbstzerstörerisch und destruktiv. Oft hasse ich es wie die Pest. Doch oft bin ich auch dankbar dafür. Denn es zeigt mir: „Achtung, da hast Du eine Grenze überschritten. Schau dir das mal genauer an.“ Das schlechte Gewissen lässt mich über mich reflektieren, sodass ich Dinge verändern kann, gewisse Situationen das nächste Mal besser lösen kann.

7. Ich achte auf eine gesunde Ernährung.

Es zählt zwar nicht ganz zu den Qualitäten einer guten Mama, aber sagen wir es mal so: Ich gebe mir Mühe beim Kochen. Es gibt kaum Convenience Food aus der Packung. Ok, ab und an mal Fischstäbchen oder Würstchen….aber das war’s auch schon. Ich achte im Großen und Ganzen auf eine ausgewogene Ernährung. Dem Kind ist das leider ziemlich wurscht, Hauptsache, es bekommt was Süßes zur Nachspeise…

8. Ich erkenne meine Grenzen.

Mit der Zeit habe ich gelernt, darauf zu achten, wann es mir genug ist und ich eine Auszeit brauche. Wenn es mir zu viel wird, werde ich müde, fahrig, grantig und bin schnell genervt. Dann ist es Zeit, mal Pause zu machen. Vor allem habe ich gelernt, das (dem Mann) zu kommunizieren. Dann spreche ich auch mal Klartext und sage, dass ich JETZT eine Auszeit brauche, und seien es nur ein paar Minuten. Ein laanger Weg war es bis dahin (vor allem, es zu erkennen und auch auszusprechen), das könnt Ihr mir glauben. Aber es macht das Familienleben so viel einfacher!

9. Ich bilde mich weiter.

Nach der Geburt war ich so überfordert und teilweise verzweifelt, dass ich nicht mehr wusste, was ich wann machen soll und was richtig und falsch ist. Was mir damals geholfen hat, war, ganz viele Bücher zu lesen. Ich habe Elternratgeber verschlungen wie hochspannende Krimis. Jetzt ist diese Phase wieder vorbei. Aber das Wissen ist irgendwo im Hinterstübchen geblieben. Und Blogs lese ich immer noch. Gilt doch auch als Weiterbildung, oder? 😉

10. Ich versuche, mein Kind zu verstehen.

Und das ist der wichtigste Punkt für mich. Wann immer es möglich ist, versuche ich, mich in sie hineinzuversetzen. Wie geht es ihr gerade? Was fühlt sie? Auch wenn ich sie nicht immer verstehe – ich versuche es. Es ist oft schwierig und es kostet mich Energie, vor allem bei Wutanfällen. Aber ich denke mir: sie wird schon ihre Gründe haben. Und diese Gründe möchte ich nachvollziehen. Ich frage nach und nicht immer erhalte ich eine Antwort. Aber ich interessiere mich für sie.

Und warum bist Du eine gute Mama? Ich hoffe, Du findest noch mehr Gründe als ich!

Zwischen Mama und Papa tobt ein Gewitter

 

Liebes Pralinchen,

Ich kenne da zwei Wolken. Sie gleiten dahin, Hand in Hand werden sie vom Wind getragen. Sie sind zufrieden, zwei glückliche, rosa-weiße Wolken, die durch die Luft schweben. Doch irgendwann, ganz plötzlich, weht ein leiser Wind. Und die Wolken beginnen, gegeneinander zu prallen. Wolke eins stubst Wolke zwei an. Ganz sanft. Dann gleiten sie wieder dahin. Es weht wieder ein Wind, diesmal ist er etwas stärker. Wolke eins stubst Wolke zwei an. Und Wolke zwei stubst diesmal zurück. Wieder weht der Wind, diesmal so stark, dass sich die Wolken noch fester anstubsen. Immer und immer wieder prallen sie gegeneinander.

Nun sind sie nicht mehr ganz so rosa, sondern weiß. Und je stärker der Wind weht, und umso öfter sie gegeneinander prallen, umso größer und dünkler werden sie. Irgendwann sind sie dann nur noch grau, blau, dunkelgrau. Oder sogar schwarz. Schwarz vor Ärger, Frust und Wut. Gegen den Wind und das ständige Aneinanderprallen. Und dann beginnt es, zwischen den Wolken zu krachen. Es wird laut. Es donnert. „Katschumm!“ Kurze Pause. Wieder „Katschumm!“ Immer lauter. Plötzlich blitzt es: Dünne, helle Risse zwischen den Wolken, die den Himmel hell erleuchten. Es tobt ein Gewitter. Ein sehr lautes Gewitter. Und der starke Wind hört nicht auf, die Wolken gegeneinander krachen zu lassen. Sie werden hin- und hergeworfen. Es stürmt.

Die Wolken wissen nicht, was mit ihnen geschieht. Sie sind traurig und verzweifelt und fangen an, zu weinen. Aus Wolke eins fallen ganz viele Regentropfen. Aus Wolke zwei auch. Die Erde wird nass. Die Tiere verstecken sich in ihren Höhlen, um dem Regen zu entkommen.

Und irgendwann beruhigt sich der Wind und wird wieder ganz leise. Es hört auf, zu blitzen, zu donnern und zu stürmen. Und die Wolken beruhigen sich auch. Sie weinen nicht mehr, sondern reden miteinander. Leise. Sie sind jetzt wieder weiß. Und sie gleiten dahin, Hand in Hand werden sie vom Wind getragen.

Die Luft um sie herum ist jetzt ganz klar und rein. So klar, dass die Wolken nun sehen können, warum sie aneinander gekracht sind. Und weil sie das jetzt wissen, können sie dem Wind sagen, dass er nächstes Mal nicht so stark sein soll. Dass er aufpassen soll. Denn dann können auch die Wolken besser auf sich aufpassen und krachen nicht so oft aneinander. Und weißt du, was das Gute daran ist? Nach einem Gewitter kommt die Sonne hervor und zaubert einen Regenbogen in den Himmel. Mit ganz vielen Farben.

Liebes Pralinchen, Mama und Papa sind manchmal wie diese zwei Wolken, zwischen denen ein Gewitter tobt. Sie sind traurig und verzweifelt und wissen nicht weiter. Und sie können Dir dann nur noch versichern, dass das Gewitter irgendwann aufhört, die Luft klar wird, und der Regenbogen kommt. Ganz bestimmt.

In Liebe,

Deine Mama

 

 

Was Kinder wirklich glücklich macht

Als Eltern wollen wir alles Mögliche dafür tun, dass unsere Kinder glücklich sind. Wir lesen ihnen alle Wünsche von den Augen ab, kuscheln oder spielen mit ihnen, kochen ihr Lieblingsessen, kaufen ihnen Spielzeug, gehen in den Vergnügungspark oder auf den Spielplatz. Oft, sehr oft sogar, machen wir auch Sachen, die uns selbst gar nicht so viel Spaß machen. Aber wir machen es ihnen zuliebe, damit unsere Kinder glücklich sind. Damit sie eine schöne Kindheit haben. Schließlich lieben wir sie ja, und wenn du jemanden liebst, tust du alles dafür, dass der andere glücklich ist. Denn wenn er glücklich ist, dann bist auch du selbst glücklich. Ist doch so, oder etwa nicht?

Was wir dabei verkennen: Kinder haben eine andere Empfindung von „Glück“. Und oft brauchen sie gar nicht so viel, um zufrieden zu sein. Oder zumindest nicht das, woran wir Erwachsene denken, wenn wir sie glücklich machen wollen. Ein Beispiel gefällig?

Vor ein paar Wochen habe ich mich dazu entschlossen, meinen Job aufzugeben. Warum? Damit ich mehr Zeit mit meinem Kind verbringen kann einerseits, und andererseits wollte ich mich auch beruflich verändern. Aber mein Hauptgedanke dabei war: Wenn ich weniger arbeite und mehr Zeit mit meinem Kind verbringe, dann ist auch mein Kind zufrieden. Denn schließlich widme ich meinem Kind mehr Aufmerksamkeit, Nähe, etc. Ich wollte etwas richtig machen. Wie immer.

Also habe ich beschlossen, ein Monat „Auszeit“ zu nehmen, um mich einzig und allein meinem Kind zu widmen. Die ersten zwei Wochen waren auch wirklich schön: morgens so lange ausschlafen wie wir wollen, gemeinsames Frühstück, dann auf den Spielplatz, Mittagsschlaf und Essen, wieder auf den Spielplatz oder zu Hause lümmeln. Ohne Termindruck.

Doch es war nicht ganz so, wie ich es mir erwartet habe. Denn ich hatte völlig vergessen, wie viel Energie man aufbringen muss, um ein Kleinkind den ganzen Tag bei Laune zu halten. Mein Kind hatte ziemlich viele Wutanfälle in dieser Zeit. Und sie wollte auch sehr oft „Peppa Wutz“, ihre Lieblingsserie schauen. Vielleicht langweilte sie sich? Womöglich war sie unterfordert, denn ich hatte zugegebenermaßen auch nicht immer die Muße, mir neue Spielideen oder Programm auszudenken. Es war schön, aber nicht immer harmonisch. Wir hatten einige Konflikte. Ich ertappte mich dabei, wie ich ihr mehr Dinge als sonst verbat, was sie frustrierte. Manchmal bekam sie aber auch einen Wutanfall aus dem Blauen heraus und ich wusste nicht, warum. Es war wunderbar, so viel Zeit mit ihr zu verbringen. Und gleichzeitig anstrengend.

Wie anstrengend es wirklich war, merkte ich erst, als wir in den Urlaub fuhren und ich die ersten zwei Tage so müde war, dass ich nur noch schlafen konnte. Was natürlich nicht immer möglich war, und mir nichts anderes übrig blieb, als mich nur irgendwie wach zu halten. Zum Glück fiel der Mittagsschlaf vom Kind etwas länger aus und ich konnte mich dazulegen. Und dennoch taumelte ich so vor mich hin, und die Tage waren wie mit einem Schleier überzogen. Ich fühlte mich ausgepowert wie schon lange nicht mehr. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis ich mich so richtig erholen konnte.

Und jetzt? Abgesehen von den sehr unruhigen Nächten mit durchschnittlich 6 Mal aufwachen, bin ich ziemlich entspannt. Und mein Kind auch. Ich wage es sogar zu behaupten, dass ich mein Kind selten so glücklich gesehen habe, wie jetzt. Sie lacht viel mehr, hat nur ganz wenige bis gar keine Wutanfälle und spricht wie ein Wasserfall. Warum? Weil es ganz viele helfende Hände und Spiele-Partner gibt.

Wir haben hier im Urlaub einen sogenannten „Familien-Clan“, der sich aus dem Mann, meiner Mutter, meiner Tante, meiner Cousine, meinem Papa und dem Hund zusammensetzt. Jeder passt ein bisschen auf das Kind auf, abwechselnd. So bekommt sie ganz viel Aufmerksamkeit, von unterschiedlichen Leuten.

Jeder hat auch einen anderen Umgangs-Stil. Meine Tante ist eine eher Vorsichtige und sie schwelgt jedes Mal dahin, wenn das Pralinchen ihr etwas auf ihre Art erzählt. Meine Cousine ist sehr einfühlsam und kümmert sich rührend um sie. Die Oma blödelt manchmal gerne mit ihr, erzählt ihr Geschichten, kocht ihr was Leckeres und der Papa verführt sie zu einem langen Spaziergang mit Schoko-Bananen-Pancakes.

Und immer wieder denke ich mir: mein Kind ist gerade richtig happy, weil sie mitten in diesem Clan ist. Weil das so ist, wie wir Menschen schon seit Generationen aufgewachsen sind. Artgerecht. Und ich traue mich zu behaupten, dass genau das Kinder besonders glücklich macht: Wenn sich viele unterschiedliche Menschen liebevoll um sie kümmern. Menschen, denen sie vertrauen können, die ihre Bedürfnisse ernst nehmen, die ihnen Aufmerksamkeit schenken. Viele unterschiedliche Menschen, nicht nur Mama. Oder Papa.

Und natürlich ist mir bewusst, dass wir diesen Familien-Clan nur ein-bis zwei Mal im Jahr in dieser Form haben. Und dass es ein Privileg ist, sich mit der Familie einigermaßen gut zu verstehen, sodass man gemeinsam auf Urlaub fährt (trotz der einen oder anderen Meinungsverschiedenheit). Bei vielen wäre das gar nicht möglich oder sogar undenkbar. Aber wenn es nicht der Familien-Clan ist, dann vielleicht ein Netzwerk aus Freunden und Bekannten?

Jede helfende Hand und jeder zusätzliche Spiele-Partner zählt. Denn gemeinsam können wir viel effektiver zum Glück unserer Kinder beitragen.

Wie seht Ihr das? Und was macht Eure Kinder glücklich? 

 

Meine Frustliste: 7 Dinge, die mich gerade nerven

Es gibt derzeit ein paar Sachen, die mich ganz schön frustrieren und die möchte ich mit Euch teilen. Es nervt mich, dass ich das so mache, wie ich es mache und dass ich es nicht besser machen kann. Es nervt mich auch die Situation an sich, nicht mein Kind, das möchte ich einfach vorab schon gesagt haben. Denn meine Maus kann nichts dafür, dass Mama Familienmanagemet manchmal nicht so gut kann. Und ich frage mich immer wieder: wie schaffen das die anderen? Und was könnte ich besser machen?

Es sind zwar Kleinigkeiten, aber sie beeinflussen derzeit den Alltag und das Wohlbefinden. Und ich würde das alles so gerne ändern, nur habe ich (noch!) irgendwie keinen Plan, wie…

  1. Mein Kind geht erst um 22:00 Uhr schlafen. Ich bin meistens so fertig, dass ich bei der Einschlafbegleitung einpenne. Der Mann schläft sowieso meistens schon um 21:00 Uhr, weil er um 4:00 Uhr früh aufsteht. Wir haben keinen Abend für uns. Oder zumindest sehr, sehr selten.
  2. Ich bin (durch das Langzeit-Stillen) die einzige, die das Kind ins Bett bringt, und das schon seit der Geburt. Ich würde gerne mal am Abend länger weggehen als bis 22:00 Uhr. Ich fühle mich in meiner Freiheit eingeschränkt. Bis jetzt hat es nur einmal geklappt, dass das Pralinchen abends beim Mann einschlief.
  3. Mein Kind schläft auch zu Mittag ohne mich nicht ein. Sie wird von der Oma im Kindergarten um 12:00 Uhr abgeholt, ich komme von der Arbeit um 14:00 Uhr nach Hause. Sie schläft erst ein, wenn ich da bin. Hat gewisse Vorteile, aber auch Nachteile. Zum Beispiel können wir manchmal kein Nachmittagsprogramm machen, oder erst ab 16:00 Uhr.
  4. Sie wacht in der Nacht oft auf und braucht jedes Mal zum Weiterschlafen die Brust. In guten Nächten klappt das auch super und ich schlafe gleich wieder weiter. Aber in letzter Zeit liege ich einfach nur stundenlang wach. Sehr blöd.
  5. In den letzten Wochen ist es mir oft passiert, dass ich einen Ausflug mit dem Pralinchen gemacht habe, und ich den Zeitpunkt für ihr Mittagsschläfchen verpasst habe. Das endete immer in einem riesen Drama mit Wutanfall und Geschrei. Schlechtes Timing von mir.
  6. Der Mann beschwert sich immer wieder mal, dass er keine Zeit für sich hat. Das stimmt auch. Und ich weiß trotzdem nicht, wie wir das so managen sollen, dass auch er mehr Freiräume bekommt, in denen er exklusive Me-Time hat. Das ist oft ein Streitthema.
  7. Ich sollte meine Bauchübungen machen, weil ich seit der Schwangerschaft einen Spalt zwischen den Bauchmuskeln habe. Komme nicht dazu und manchmal bin ich einfach zu faul und mache lieber Dinge, die mir mehr Spaß machen.

So, genug gejammert! Die Liste ließe sich noch fortführen, aber das sind vorerst die wichtigsten Punkte. Und beim Schreiben ist mir aufgefallen, dass es gut tut, sich diese Dinge bewusst zu machen. Jetzt heißt es nur noch: ändern, was man ändern kann. Und das ist der schwierigste Teil.

Und was frustet Euch gerade? Vielleicht wollt Ihr Euch das auch mal von der Seele schreiben? Kann ich jedenfalls sehr empfehlen!

Alltagsszenen: Eltern, Kinder und das Miteinander

Im Sommer verbringen wir viel Zeit draußen – umso mehr Situationen erlebe ich, wie Eltern mit ihren Kindern umgehen. Ich möchte niemanden verurteilen, nur ein Bild zeichnen. Oder besser gesagt Ausschnitte von Alltagsszenen. Denn es sind wirklich nur Ausschnitte, die ich miterlebe.

Die stille Treppe

Wir sind im Zoo bei den Affen. Ich gehe mit meinem Kind eine Treppe hinauf, ein Vater mit seinem etwa 8 Jahre alten Sohn kommt uns von oben entgegen. Der Junge sieht uns und will ausweichen, um uns Platz zu machen, damit wir vorbeikommen können. Etwa eine Millisekunde zu spät. Der Vater kommt ihm zuvor und brüllt ihn an: „Sag‘ mal, hast du sie nicht alle??? Geh sofort auf die Seite. Du bist echt das Allerletzte!!!“ Der Junge fängt an, bitterlich zu weinen. Ich sehe in seinen Augen nichts als Schmerz und Verzweiflung. Ich würde ihn am liebsten in die Arme nehmen und trösten. Ich sage: „Er hat uns doch gesehen und wollte gerade ausweichen. Er hat alles richtig gemacht. Es ist alles gut.“ Der Vater schaut mich missbilligend an. Ich weiß, dass ich genauso gut gegen eine Wand hätte reden können. Denn es geht hier nicht um uns. Ich höre den Buben noch eine Weile weinen. Mein Herz weint leise mit.

Die Zerr-Schaukel 

Wir sind auf dem Spielplatz. Ich sehe von der Weite, wie eine Mutter ihren Sohn, etwa fünf, von der Schaukel zerrt. Warum, bekomme ich nicht mit. Sie zieht ihn grob an der Hand, schreit ihn an, presst ihre Finger in seinen Arm. Lässt los. Der Bub haut sie. Sie schreit ihn nochmal an. Zerrt ihn wieder am Arm. Hält diesen so stark fest, dass er ganz rot wird. Der Bub weint. Sie setzt sich mit ihm auf eine Bank, wendet sich mit dem Rücken zu ihrem Kind und unterhält sich mit ihrer Freundin. Der Bub weint vor sich hin. Alleine.

Das Lasten-Fahrrad

Wir gehen in den Supermarkt. Auf dem Weg dorthin sehe ich eine Mama mit ihrer Tochter. Die Tochter will nicht mehr mit dem Fahrrad fahren. Die Mutter zieht einen schwer beladenen Einkaufs-Trolley hinter sich her. Die Tochter fängt an zu weinen. Die Mutter erklärt ihr ganz ruhig, dass sie jetzt nicht das Fahrrad und den Trolley gleichzeitig schieben kann. Die Tochter bekommt einen Wutanfall. Die Mutter nimmt das Kind unter den Arm, schiebt Trolley und Fahrrad. Es geht nicht. Sie erklärt ihrer Tochter nochmals in ruhigem Ton, dass sie das nicht kann. Das Kind beruhigt sich nach einer Weile und steigt wieder aufs Fahrrad.

Der Bienenstich

Wir sind auf einer Wiese. Ein etwa eineinhalbjähriger Junge spielt mit dem Ball. Auf einmal fängt er ganz panisch und ganz laut an zu weinen, als ob er Schmerzen hätte. Seine Mutter fragt ihn, was los sei, und wo es weh tut, doch er kann ihr nicht antworten. „Tut es hier weh? Oder da?“ Der Bub weint weiter. „Weißt du, ich kann dir nicht helfen, wenn du mir nicht sagst, wo es weh tut, Schatz.“ Nach einer Weile zeigt er auf den Fuß. Sie zieht einen Stachel heraus. Er weint noch immer bitterlich. Sie trägt ihn herum, tröstet ihn. Sie schaut zu uns anderen Mamas rüber, die auf der Wiese sitzen, und sagt, schulterhebend: „Was soll’s! Es ist Sommer. Das gehört einfach dazu!“

Was ich mit den Ausschnitten dieser Alltagsszenen zeigen will? 

Erstens: Es gibt eine ganz breite Palette an verschiedenen Arten, wie Eltern mit ihren Kindern umgehen. Eltern können grausam sein, grob, verletzend, ignorant. Beleidigend. Sie können mitfühlend, tröstend, ruhig und stark, cool und locker sein. Aufopfernd und verständnisvoll. Laisser-faire und autoritär. Belastbar. Liebevoll und konsequent.

Zweitens: Man darf niemanden zu schnell verurteilen. Der Vater aus dem ersten Beispiel hat sich womöglich bei seinem Sohn entschuldigt und noch einen restlichen schönen Tag mit ihm verbracht (das hoffe ich zumindest…). Die Bienenstich-Mutter wirkte nach Außen total cool, ruhig und stark, aber machte sich vielleicht innerlich die größten Sorgen. Oder sie ist bei anderen Dingen weniger gelassen. Und die Zerr-Schaukel Mama war an dem Tag einfach extrem überfordert, weil sie schon seit Wochen null Unterstützung hat. Vielleicht war sie schon komplett hilflos und wusste nicht, wie und wo sie sich Hilfe suchen soll?

Drittens: Weil man eben nur einen kleinen Ausschnitt sieht, sollte man sich als Fremder nicht in die Erziehung anderer Leute einmischen. Es tut mir teilweise sehr weh, wenn ich sehe, dass Kinder ungerecht oder schlecht behandelt werden, aber wie im Beispiel mit dem Vater im Zoo hat es auch nichts gebracht, dass ich mich eingemischt habe. Denn: es ist eine sehr persönliche Sache, wie man seine Kinder erzieht, und wie man mit ihnen umgeht. Zudem fehlt als Außenstehender komplett das Vertrauen, um konstruktive Kritik üben zu können.

Und, last but not least: Es sollte mehr Toleranz unter den Eltern geben. Denn wir machen alle eine verdammt harte Arbeit. Kinder haben ist wunderschön und anstrengend zugleich. Nicht jeder hat dieselben Voraussetzungen, um einen guten Job machen zu können. Nicht jeder geht in dieser Rolle so auf, wie ein anderer.

Letztendlich steht es in unser eigenen Verantwortung, wie wir Beziehung mit unseren Kindern leben wollen. Welche Art von Mutter oder Vater möchte ich sein? Liebevoll und achtsam? Authentisch? Temperamentvoll? Ruhig und gelassen? Was möchte ich meinen Kindern fürs Leben mitgeben? Welche Werte und Vorstellungen? Wie möchte ich unser tägliches Miteinander gestalten? Und welche Ressourcen habe ich dafür? Wie viel Zeit, Geduld, Kraft …?

Auch wenn es nur eine Floskel ist, bin ich mir sicher: Was man seinen Kindern gibt, das bekommt man auch zurück.

Wie seht Ihr das?

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