Vereinbarkeit

Probleme mit dem Kindergarten: des Rätsels Lösung?

Es gibt ein Thema, das mich schon seit Monaten beschäftigt: Mein Kind will nicht in den Kindergarten gehen. Seit Sommer letzten Jahres gibt es da immer wieder Probleme. Zuerst wollte sich das Pralinchen in der Früh nicht anziehen lassen, dann wurde der Protest immer offensichtlicher, bis sie mir irgendwann ganz deutlich machte, dass sie gar nicht in den Kindergarten gehen will. Durchs Protestieren, Weinen beim Abgeben, oder auch einfach nur, indem sie sagte: „Mama, ich will da nicht hin. Ich will lieber bei dir bleiben.“

Worte, die mich mitten ins Herz treffen. Mich aber genauso mit Liebe erfüllen. Denn sie zeigen mir, dass sie sich bei mir geborgen und geliebt fühlt. 

Und dennoch muss und will ich arbeiten. Und wenn ich arbeite, dann will ich das mit gutem Gewissen tun. Kann es nicht beides geben? Eine zufriedene Working Mum und ein Kind, das die wenigen Stunden, die es im Kindergarten verbringt, toleriert?

Nicht bei uns.

Ich suchte mir Hilfe und sprach mit ihrer Pädagogin. Danach ging es wieder deutlich besser und es kam eine Phase, wo sie ohne Protest hinging. Das war direkt nach dem Gespräch letzten Herbst. Sie war selten krank, wir hatten unsere Routine und Kontinuität. Doch dann war Weihnachten, Neujahr und die Erkältungszeit begann. Seit Januar war sie praktisch mehr daheim, als im Kindergarten. Und sie wollte wieder nicht hin.

Ich könnte meinen Job nicht machen

Inzwischen kann ich seit Monaten ein bestimmtes Muster feststellen: Mein Kind geht zwei Tage in den Kindergarten und ist den Rest der Woche krank. Wieder zwei Tage im Kindergarten, wieder eine Woche krank, usw.

Wäre ich nicht zum Teil selbstständig, könnte ich niemals meinen Job behalten. Denn, ganz ehrlich, welcher Arbeitgeber würde das tolerieren? Zum Glück gibt es noch die Oma, die auf sie aufpasst, wenn ich viel zu tun habe. Oder ich kümmere mich ums kranke Kind und hole die Arbeit später – am Abend oder am Wochenende – nach. So schlängeln wir uns irgendwie durch. Aber als Dauerzustand geht das gar nicht. Noch dazu bedeutet es für mich eine psychische Belastung.

Eine Belastung, zu wissen, dass ich mein Kind in etwas hineinzwinge, was es gar nicht will. Ich bin kein Fan von „Da musst du halt durch!“. Dieses feuchte Taschentuch in meiner Jacke zu spüren, mit dem ich ihr vorhin die Tränen der Verzweiflung abgewischt habe, das fühlte sich nicht gut an. Es konnte so nicht weitergehen.

Ein Mittel gegen Kindergartenfrust: ein Wochenplan
Ein Mittel gegen Kindergartenfrust: ein Plan!

Ein Mittel gegen Kindergartenfrust: Der Wochenplan

Das zweite Gespräch am Anfang des Jahres mit der Pädagogin gab mir etwas Kraft und Hoffnung. Sie nahm sich wirklich viel Zeit für mich. Sie meinte, das Pralinchen hätte an manchen Tagen Probleme, sich in die Gruppe einzufinden, vor allem nach den vielen Pausen. Wir müssten mehr Kontinuität hineinbringen, dann würde sich das wieder legen. Sie meinte aber auch, es könnte an der Eingewöhnung der neuen Kinder Anfang des Jahres liegen. Der Lärmpegel sei durch das Weinen der Kinder recht hoch gewesen, sie lebe wahrscheinlich auch ihre eigene Eingewöhnung mit. Ein weiterer Grund könnte sein, dass sie meine Unsicherheit spürt, nach dem Motto: „Wenn es Mama nicht gut geht dabei, dann bleibe ich lieber bei ihr.“ Und sie gab mir noch einen richtig guten Tipp mit auf den Weg: einen Wochenplan zu erstellen.

Und so besprach ich jeden Sonntag mit dem Pralinchen die kommende Woche. Ich zeigte ihr, an welchen Tagen ich in die Arbeit gehe und sie in den Kindergarten, wann sie wer abholt und welches Kuscheltier sie an welchem Tag mitnehmen will. Was sie wann anziehen will, etc.

Und siehe da – es funktionierte!

Eine Zeit lang. Vor allem am Anfang der Woche. In der Mitte der Woche fragte sie schon wieder, wie lange sie noch gehen müsse. Aber zumindest spürte ich, dass uns der Wochenplan ein großes Stück Sicherheit gab. Und sie war richtig stolz auf sich, als wir die Tage gemeinsam abhakten.

Und dennoch war da noch so ein leiser Zweifel in mir. Was, wenn sie nur mir zu liebe in den Kindergarten geht? Kontinuität, Planung und Sicherheit waren das eine. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass vielleicht doch etwas Grundlegendes nicht passte. Ich betrieb also weiterhin Ursachenforschung.

Was ist der wahre Grund, warum sie nicht gerne in den Kindergarten geht?

Fragte ich das Pralinchen selbst, so erhielt ich unterschiedliche Antworten, aber vor allem, dass es im Kindergarten langweilig wäre. Und traurig. Tatsache ist, dass sie seit letzten September eines von drei ältesten Kinder in der Gruppe ist. Alle anderen sind mit 1,5 und 2 Jahren jünger als sie.

In den letzten Wochen bemerkte ich ein bislang fürs Pralinchen unübliches Verhalten: Sie begann, andere, vor allem jüngere Kinder, zu schubsen. Ihren zweijährigen Cousin schubste sie weg, zog ihn sogar an den Haaren, wenn ihr etwas nicht passte. Sie spielte auch nicht wirklich mit ihm.

Gestern war ich mit ihr in einer Spielgruppe. Sie konnte dort nichts mit den anderen Kindern anfangen, die alle jünger als sie waren. Gar nichts! Ein Mädchen in ihrem Alter schubste sie weg, einen etwa einjährigen Buben hat sie sogar getreten. Das war mir richtig unangenehm. Sie wollte nur mit mir spielen und ich konnte mich gar nicht mit den anderen Eltern unterhalten. „Dann hätten wir ja gleich zu Hause bleiben können!“, dachte ich mir. Frust auf beiden Seiten.

Bis das große Mädchen kam.

Große Sympathie für große Mädchen
Große Sympathie für große Mädchen

Das große Mädchen war etwa 10 Jahre alt, und mein 3jähriges Pralinchen fing an, sie anzuhimmeln. Sie machte ihr Komplimente: „Du hast so schöne Haare!“ und „Du hast so ein schönes Kleid!“. Schon nach kurzer Zeit unterhielten sie sich und spielten miteinander. Sie malten zusammen ein Bild aus, aßen Äpfelspalten, die die Große vorbereitete. Das Pralinchen umarmte sie und hatte sie richtig gern. Auf dem Nachhauseweg hielten sie sogar Händchen.

Und mir ging langsam ein Licht auf.

Mein Kind braucht größere Kinder zum Spielen! Vielleicht ist ihr einfach zu langweilig im Kindergarten, weil die Mehrheit der Kinder dort viel jünger ist als sie? Und die Erzieherinnen können sich ja nicht mit jedem Kind intensiv beschäftigen, das wäre unmöglich. Wahrscheinlich ist sie deshalb etwas unglücklich dort.

Dadurch, dass es ihr nicht gut geht, und sie weint, bin ich verunsichert und das überträgt sich wiederum auf sie. Ein Teufelskreis. Aber was tun? Ich kann ja keine großen Kinder in ihre Gruppe zaubern

Es hilft nur, abzuwarten. Im September kommt das Pralinchen in die große Gruppe. Meine Hoffnung ist, dass sie sich in der Gegenwart älterer Kinder wohler fühlen wird. Die Zeit bis September müssen wir halt irgendwie überbrücken…

Die eigenen Ansprüche herunterschrauben

Ich werde weiterhin den Wochenplan machen. Und ich kann ihr leider nicht jeden Frust abnehmen. Im Leben ist nicht alles perfekt, bei weitem nicht. Sie darf sich auch aufregen und weinen. Ich kann sie nur dabei begleiten und wer weiß, vielleicht wird im Herbst dann alles wieder besser? Und wenn nicht, dann gibt es noch Alternativen. Vielleicht ein Kindergarten mit Gruppen, die vom Alter her durchmischter sind?

Ich habe aber inzwischen auch für mich erkannt, dass ich vielleicht zu hohe Ansprüche an sie und an die Situation habe. Ich muss mich loslösen von dem Gedanken, dass mein Kind glücklich oder zufrieden sein muss, wenn es fremdbetreut wird. Muss sie nämlich gar nicht. Es wäre nur viel einfacher für mich, für uns beide.

Vielleicht ist es ein Mythos, dass die meisten Kinder gern in den Kindergarten gehen. Wie sieht es bei Euch aus? Gehen Eure Kinder gerne hin oder gibt es auch hin und wieder Probleme? Und wenn ja, was sind die Ursachen und welche Strategien habt ihr schon unternommen, dass es besser wird?

Vereinbarkeit: Selbstständig oder angestellt? Was ist besser?

Letzten Sommer war es soweit: nach einem Schicksalsschlag in meiner alten Firma habe ich diese verlassen und musste mich beruflich neu orientieren. Es folgten zwei Monate in einer Agentur und dann habe ich beschlossen, mich selbstständig zu machen. Und gleichzeitig zwei Vormittage als Angestellte zu arbeiten. Ich bin jetzt also zur Hälfte selbstständig und zur Hälfte angestellt. Doch was ist besser? Was lässt sich besser mit einem Kleinkind vereinbaren? Ich ziehe mal ein Resümee.

Selbstständigkeit – Vorteile:

  • Wenn das Kind krank ist, kann ich einfach zu Hause bleiben und mich voll und ganz dem Kind widmen. Ich muss nirgends anrufen und zum wiederholten Male sagen, dass ich nicht zur Arbeit kommen kann. Ein großer Vorteil!
  • Der Ablauf in der Früh ist viel chilliger. Ich bringe mein Kind ganz entspannt in den Kindergarten. Ohne Gehetze, ohne Zeitdruck.
  • Ich kann von zu Hause aus arbeiten. Ein sehr netter Arbeitsplatz. Noch dazu spare ich mir Zeit für Anfahrtswege. Bis zu einer Stunde, die ich lieber mit meinem Kind verbringe.
  • Ich fühle mich freier. Ich genieße es, mir einen Tee zu machen und ganz in Ruhe und konzentriert arbeiten zu können. Und falls ich was erledigen muss – z.B zur Post gehen – dann mache ich das einfach.
  • Ich kann arbeiten wo ich will, wann ich will und mit wem ich will. Falls es mit einem Kunden doch nicht so gut klappen sollte, dann suche ich mir einen anderen.
  • Die Projekte suche ich mir selbst aus und mache das, was mir am meisten Spaß macht.
  • Ich bin in der Selbstständigkeit noch stärker in einer Beraterrolle. Die Kunden schätzen meine Expertise.
  • Ich schaffe mir mit meinem Unternehmen etwas Eigenes. Wer weiß, wohin die Reise mich damit führt?
  • Ich lerne oft interessante Menschen kennen.
  • Ich kann einige Dinge von der Steuer abschreiben.

Selbstständigkeit – Nachteile:

  • Wenn das Kind krank ist und ich nicht arbeiten kann, verdiene ich auch kein Geld.
  • Oft muss ich am Wochenende oder am Abend arbeiten.
  • Die Kunden wollen oft alles sofort haben – ich muss flexibel sein und habe keinen „Feierabend“. Anrufe nehme ich auch am Nachmittag entgegen, wo ich mich lieber ganz meinem Kind widmen würde.
  • Die Selbstständigkeit ist unberechenbar: manchmal kommt ganz viel auf einmal zusammen und ich bekomme Panik, wie ich das alles in der kurzen Zeit schaffen soll. Dann gibt es wieder Phasen, wo wenig bis gar nichts zu tun ist.
  • Finanzielle Achterbahn: Manchmal verdiene ich viel und manchmal wenig.
  • Ich muss mich um Behördenkram kümmern – Steuererklärung etc.
  • Es gibt Stunden (z.B. für Akquisegespräche), die ich nicht verrechnen kann. Wenn der Auftrag nicht zustandekommt, habe ich umsonst gearbeitet. Kein schönes Gefühl.
  • Die Versicherung für Selbstständige hat viele Nachteile, vor allem bei Schwangerschaft oder in der Karenz.
  • Wäre ich ganz selbstständig und würde ich aufgrund von Krankheit ausfallen, müsste ich von meinen Rücklagen leben. Ebenso verhält es sich bei Arbeitslosigkeit. Es gibt kein „Auffangnetz“ wie bei Angestellten.
  • Als Selbstständige bekommt man kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Anstellung – Vorteile:

  • Sicherheit und Stabilität: Ich bekomme ein regelmäßiges Einkommen und auch die Arbeitszeiten sind geregelt.
  • Ich kann nach dem Arbeits-Vormittag Feierabend machen und mich ganz auf mein Kind konzentrieren.
  • Ich muss nicht allzeit erreichbar sein, wie in der Selbstständigkeit.
  • In meiner jetzigen Arbeitsstelle kann ich sehr viel Neues dazulernen.
  • Bei einem Problem kann ich mich mit meinem Chef oder Kollegen beraten. Bin da nicht so auf mich alleine gestellt.
  • Ich bekomme Urlaubs- und Weihnachtsgeld und bin im Krankheitsfall versichert.
  • Ist mein Kind krank, bleibe ich zu Hause und bekomme weiterhin mein Gehalt.
  • Habe ich zu viel Arbeit, kann sie notfalls auch aufgeteilt werden.

Anstellung – Nachteile:

  • Es ist eine Verpflichtung – von dann bis dann muss ich im Büro sein.
  • Wenn mein Kind krank ist und mich braucht, was im Winter regelmäßig vorkommt, fällt es mir schwer, jedes Mal im Büro anzurufen und abzusagen.
  • Durch den Weg zur Arbeit verliere ich Zeit.
  • Ich bin in der Früh eher angespannt, um pünktlich zur Arbeit zu kommen.
  • Ich kann nicht immer und zu 100 Prozent das machen, was mir Spaß macht. Manchmal müssen auch Tätigkeiten erledigt werden, die ich eintönig finde.
  • Ich fühle mich eher fremd- als selbstbestimmt.

Es fällt mir ehrlich gesagt schwer zu sagen, was besser ist. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Ich kann auch nicht sagen, welcher Typ ich bin. Ich kann nur pauschal behaupten, dass die Anstellung in mancherlei Hinsicht viel psychischen Komfort bietet, wenn das Arbeitsumfeld passt. Dafür schnuppere ich aber auch gerne die Luft der Freiheit in der Selbstständigkeit, die mir teilweise viel Spaß bereitet.

Was denkt ihr? Welches Modell habt ihr für Euch gefunden und was lässt sich gut mit Kindern vereinbaren? Was würde für Euch gar nicht infrage kommen?

Geld oder Leben?

Keine Sorge, ich bin nicht ausgeraubt worden! Ich war auch nicht Zeugin eines Banküberfalls. „Geld oder Leben?“ ist nur eine Frage, die mich gerade etwas stärker beschäftigt. Warum? Weil ich meine eigenen Wertvorstellungen hinterfragen möchte.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber in meinem beruflichen Umfeld reden gerade ganz viele über Kryptowährungen, Aktien, Fonds und andere Dinge. Laaaangweilig! Ich kann da nie so richtig mitreden.

Investieren ist etwas, wovon ich überhaupt keinen Tau habe. Es hat mich nie wirklich interessiert und ich hatte auch nie das Bedürfnis, mich da näher einzulesen.

Bis mich ein Bekannter zu einem Spiele-Abend einlud, bei dem man das Thema Investieren spielerisch kennenlernen konnte. Ich sagte zu.

Aus dem Hamsterrad ausbrechen

Der Abend war lustig. In diesem Spiel war ich Pilotin und verdiente meine 9500 Euro im Monat. Ziel des Spieles war, so geschickt mit dem Geld zu haushalten, dass die passiven Einnahmen aus Aktien, Immobilien etc. höher waren als die Ausgaben. Nur so konnte man aus dem Hamsterrad ausbrechen, finanziell unabhängig sein und sich seine Träume erfüllen.

Ich investierte also in Mehrfamilienhäuser, Wohnungen, riskierte viel, gab viel aus, verlor, gewann, reinvestierte wieder. Ich war steinreich. Aus dem Hamsterrad auszubrechen schaffte ich nicht, aber es machte trotzdem Spaß.

Finanziell frei sein – ein Traum?

Ziel des Spieles war also die komplette finanzielle Unabhängigkeit, um sich endlich seine Träume erfüllen zu können. Wollen wir das nicht alle irgendwie? Nur mehr das machen, was wir wirklich wollen? Von niemandem abhängig sein? Genug Geld auf dem Konto haben, um sich um nichts sorgen zu müssen?

Es klingt wunderbar. Wäre ich finanziell unabhängig, würde ich wahrscheinlich ein Buch schreiben, oder um die Welt reisen. Ganz viele schöne, teure Klamotten kaufen, Schuhe, Handtaschen. Einen Garten haben mit Hühnern. Oder einen eigenen Wald. Ein Start-Up gründen. Tonnen an Schokolade essen, um sich danach das Fett absaugen zu lassen (Scherz!).

Finanziell unabhängig sein klingt toll. Aber, wer wirklich viel Geld haben will, muss auch:

  • viel Zeit investieren (also in der Regel überdurchschnittlich viel arbeiten)
  • eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen
  • seine Ausgaben auf das Minimum reduzieren
  • Immer wieder reinvestieren

Ausgenommen er oder sie gewinnt im Lotto, bekommt ein Darlehen oder ein Erbe.

Im Endeffekt heißt das: viel arbeiten, wenig ausgeben, viel sparen und investieren, um das Geld irgendwann für sich arbeiten zu lassen, als passives Einkommen. Das ist das, was ich aus diesem Abend mitgenommen habe.

Und dann fragte ich mich: Macht das wirklich Spaß? Das halbe Leben lang nur auf ein Ziel hinzuarbeiten, sich alles vom Mund absparen, nur um irgendwann mal total unabhängig sein zu können?

Was ist wichtiger: Zeit oder Geld?

Ich bin zurzeit als Mama eines Kleinkinds, in Teilzeit arbeitend, alles andere als finanziell unabhängig. Aber: meine Selbstständigkeit läuft gerade sehr gut. Theoretisch könnte ich richtig viel arbeiten, in der Zeit, die mir zur Verfügung steht. Deshalb muss ich mir immer öfter die Frage stellen: Wie viel meiner Zeit möchte ich mit Arbeit verbringen? Und wie viel mit meinem Kind? Wohin will ich meine Energie investieren? Was wünsche ich mir für die Zukunft? Diese wird, finanziell gesehen, wahrscheinlich nicht so rosig aussehen. Meine Generation wird es richtig schwer haben mit Ü60. Auf staatliche Pensionen werden wir wahrscheinlich pfeifen können. Was also tun?

 Deshalb habe ich für mich beschlossen:

  • Solange mein Kind klein ist, investiere ich meine Zeit so gut es geht ins Kind. Ich arbeite „nur“ vormittags, die Nachmittage gehören uns beiden. Wenn etwas Dringendes anfällt, arbeite ich zur Not auch abends oder nachts. Aber die Zeit, wo sie noch so klein ist, wird so schnell vorbei sein! Ich möchte es nicht irgendwann bereuen, etwas verpasst zu haben.
  • Ich stelle mich darauf ein, dass ich nur sehr wenig Pension haben werde. Ich werde sicher bis ins hohe Alter arbeiten müssen. MÜSSEN? Nein! Ich will nicht müssen. Ich möchte alles daran setzen, dass ich das tun kann, was ich liebe. Auch in 20 Jahren. Vorausgesetzt, ich bin gesund.
  • Inzwischen muss ich auf einige Dinge verzichten. Die Prioritäten haben sich stark verschoben, seit ich ein Kind habe. Was früher wichtig war, hat heute nicht mehr dieselbe Bedeutung. Und das ist auch OK so.

Zusammengefasst heißt das: f*ck Kryptowährungen, Aktien und Co. In meiner aktuellen Lebenssituation habe ich beschlossen, Zeit zu investieren. Kein Geld. Nur Zeit. In meine Familie und in meine Beziehungen. Ins Leben.

Und das ist auch ein Risiko, das ich auf mich nehme! Denn das mit der finanziellen Unabhängigkeit  – das wird wohl nichts mehr. In Wahrheit gehen alle Mamas, die ihre Zeit zur Hälfte oder ganz ihren Kindern widmen, dieses Risiko ein. Das wird von unserer Gesellschaft sehr unterschätzt. Oder besser gesagt: gar nicht geschätzt. Leider.

Ich hoffe, ich denke nicht zu naiv, kurzsichtig, illusorisch. Kurz gesagt: ich hoffe, ich falle nicht mal auf die Schnauze.

Was ist für Euch wichtiger? Geld oder Leben?

P.S. Falls Euch das Thema „Investieren“ interessiert, ich habe einen ausführlichen und sehr nützlichen Artikel bei „Wachsen und Lernen“ gefunden: Money makes the World go round: Sparen für und mit Familie

Hilfe! Mein Kind will nicht in den Kindergarten!

Kindergarten-Frust: ein Drama in vier Akten

Montag: Mama, ich will bei dir bleiben. Ich will nicht in den Kindergarten!

Es ist 8:40 Uhr und ich sitze in der Straßenbahn. Noch ein paar Stationen, dann bin ich in der Arbeit. In der neuen Arbeit, die ich zwei Tage die Woche mache und die mir Spaß macht. Und nebenbei mache ich mich selbständig. Ich sitze da, und würde am liebsten losheulen. Ich spüre den Schmerz einer Mama, so fühlt sich das also manchmal an, dieses Mama-Sein. Es kann so sehr weh tun.

Sie kuschelte sich heute Früh zu mir und schaute mich mit ihren wunderschönen, kindlichen, verweinten Augen an und sagte: „Ich möchte zu Hause bleiben, Mama!“. Mein Kind wollte heute nicht in die Kita. Heute nicht und die letzte Woche auch nicht. Sie weinte zu Hause, nicht erst im Kindergarten. Dort ist sie sehr kontrolliert. Dort ging sie heute mit ein wenig zögern, aber ohne Weinen hinein. Aber zu Hause, da lässt sie ihre Gefühle raus. Gefühle und Worte, die mich mitten ins Herz treffen. Denn am liebsten würde ich sie zu Hause lassen. Aber es geht heute nicht. Und wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, dann möchte ich auch arbeiten, denn ich arbeite gerne und meine neue Arbeit macht mir Spaß. Aber um welchen Preis? Um diesen hier? Das ist ein ganz schön hoher, denn es sind die Tränen meiner Tochter. Meiner kleinen Tochter, die erst zweieinhalb Jahre auf dieser Welt ist und schon so früh erfahren muss, was Pflicht heißt.

Selbstzweifel schleichen sich ein. „Hätte ich sie doch erst mit drei Jahren in den Kindergarten gegeben, nicht mit eineinhalb. Vielleicht war es einfach zu früh für sie.“ Gedanken, die null bringen, weil man es sowieso nicht mehr ändern kann.

Dienstag: Houston, wir haben ein Problem!

Neuer Tag, neues Glück! Oder Unglück…denn das Kind will partout nicht in den Kindergarten gehen. Ich spreche auf sie ein, sage, wir machen uns einen schönen Nachmittag danach. Rufe die Oma an, die sie dann vom Kindergarten abholen würde. Nichts hilft. Sie weint bitterlich und protestiert heftig. Und das Schlimmste daran: ich kann sie so gut verstehen. Denn sie war vier Wochen lang nicht im Kindergarten und als sie zurückkam, war plötzlich alles anders. Alle ihre Freunde und Freundinnen sind in die große Gruppe ab 3 Jahren übersiedelt und mit einem Mal weg. Dafür sind jetzt viele neue, jüngere Kinder da. Viele davon können noch nicht einmal sprechen. Und noch dazu weinen sie ganz viel, weil sie gerade eingewöhnt werden. Ach ja, und die Pädagoginnen haben natürlich wegen der Eingewöhnung auch weniger Zeit für sie. Irgendwie kein Wunder, dass sie da gerade nicht so gerne hingeht…

Aber was mache ich jetzt? Ich zwinge mein Kind üblicherweise nicht, sondern behandle es – soweit es möglich ist – auf Augenhöhe. Soll ich sie jetzt unter Protest und Weinen hinschleppen? Das kann ich mir gar nicht vorstellen und es liegt mir fern, das zu tun. Ich bin verzweifelt, unsicher, was ich machen soll. Ich muss heute nicht ins Büro, arbeite im Homeoffice. Armes Pralinchen, ich fühle mit ihr, wenn sie so weint. Vielleicht spürt sie das, dass ich zu Hause bleibe? Aber ich wollte unbedingt an meiner Firmen-Website arbeiten, um die Selbständigkeit voranzubringen. Denn ich muss ja Geld verdienen. Ich bin hin- und hergerissen zwischen Arbeit und Kind. Immer diese Entscheidungen! Das ist etwas, womit ich mir immens schwer tue als Mama.

Das Mama-Herz siegt. Ich entscheide mich dafür, sie zu Hause zu lassen und nicht in den Kindergarten zu bringen. Und nebenbei im Homeoffice zu arbeiten, damit sie sieht, dass ich beschäftigt bin. Natürlich bringe ich arbeitstechnisch nichts weiter, denn sie zerrt am Kabel, will mit der Maus spielen, will, dass ich mich mit ihr beschäftige. Eh klar, wie konnte ich nur so blöd sein und denken, das würde halbwegs funktionieren?

Ich lasse also untertags die Website erstmal Website sein und arbeite dafür in der Nacht. Aber: juhu! Ich bringe tatsächlich etwas weiter. Inzwischen hole ich mir auch ein paar Tipps von anderen Mamas, was ich tun soll, wenn das Kind nicht in den Kindergarten geht. Und ob sie es dann auch zu Hause lassen würden. Die Antwort ist klar: Nein, keinesfalls zu Hause lassen. Das wäre kontraproduktiv.

Mittwoch: Das Kind ist wie ausgewechselt. Und geht in den Kindergarten. Aufatmen!

Ich verstehe die Welt nicht mehr. Und vor allem mein Kind nicht mehr. Nach einer Woche Kindergartenfrust und totalem Boykott in den letzten zwei Tagen, geht es plötzlich wieder. Sie ist sehr kooperativ, lässt sich anziehen (was sonst nicht so gut funktioniert). Sie isst ihr Frühstück, nimmt ein Stofftier (statt gefühlten zehn) mit. Sie freut sich sogar, als wir beim Kindergarten ankommen. Geht ohne zu zögern in die Gruppe. Ich freue mich, frage mich aber auch nach dem Grund des plötzlichen Sinneswandels. War der Protest aus Trotz? Dass sie bestimmen wollte: „Jetzt bleibe ich mal zu Hause!“ Nein, das glaube ich nicht. Mein Kind will mich ja nicht manipulieren. Oder hatte sie einfach keinen Bock? So wie wir manchmal auch keinen Bock haben, in die Arbeit zu gehen.

Donnerstag: Gespräch mit der Pädagogin – des Rätsels Lösung?

Es ist Elternabend im Kindergarten und ich suche ein Gespräch mit der Pädagogin. Weil ich denke, dass es diese Anti-Kindergarten Tage öfter geben wird und weil ich mir fachlichen Rat holen will, was ich in diesem Fall machen soll. Schließlich kennt sie ja das Pralinchen und kann womöglich die Lage gut einschätzen. Sie nimmt sich viel Zeit für unser Anliegen (der Mann ist mit dabei), und meint, dass sei die Reaktion auf den Trennungsschmerz. Denn sie sei in der Gruppe immer sehr entspannt und bringe sich sehr gut ein. Ich sollte ihr Sicherheit geben. Sicherheit und Klarheit, indem ich ihr sage: „Wir gehen jetzt in den Kindergarten und ihr werdet dort dieses und jenes tun.“ Und eine gewisse Kontinuität bewahren. Denn so sei sie auf dem letzten Stand, was die Entwicklung der anderen Kinder betrifft. Aber was mich richtig berührt hat:

„Ich persönlich würde es sehr schade finden, wenn das Pralinchen öfter als sonst zu Hause bliebe. Denn sie ist mir sehr ans Herz gewachsen und eine echte Bereicherung für die Gruppe. Und immer, wenn sie etwa später kommt als sonst, fragen wir uns, ob wir vielleicht einen Anruf überhört hätten, und hoffen, dass sie noch kommt.“

Und damit ist die Sache für mich klar: mein Kind ist hier bestens aufgehoben und wird mit viel Herz betreut. Auch wenn uns der Trennungsschmerz auch nach einem Jahr Kindergartenzeit immer noch nicht ganz loslässt.

Haben Eure Kinder auch Anti-Kindergarten Phasen? Was macht Ihr dann? Und vor allem: Wie geht es Euch dabei?

Wieviel Mama-Zeit braucht das Kind?

Diese Frage habe ich mir in letzter Zeit immer öfter gestellt. Fast zwei Jahre lang war ich in der Karenz nur für meine Tochter da. Doch seit ich angefangen habe zu arbeiten, mache ich mir immer öfter Gedanken darüber, wie viel mein Kind mich wirklich braucht. Ob sie mich vermisst und sich nach mir sehnt oder ob es ihr eh gut geht im Kindergarten, bei Oma und Opa oder mit dem Papa (bei dem ja sowieso). Und manchmal gesellt sich das schlechte Gewissen hinzu, wenn ich sie mal öfter „abgebe“ und nicht so viel Zeit mit ihr verbringe. Warum ist das so?

Die Leiterin unseres Kindergartens hat beim Elternabend einmal gesagt:

„Das Wertvollste, was Eltern ihren Kindern geben können, ist Zeit.“

Dieser Satz hat sich ziemlich stark in meinem Kopf eingebrannt. Er klingt für mich logisch und dennoch ist er in der Praxis nicht immer so leicht umzusetzen. Ich finde es z.B sehr schön, viel Zeit mit meiner Tochter zu verbringen. Aber wenn ich ehrlich bin, dann komme ich nach einer gewissen Weile auch an meine Grenzen. Ich bin dann leichter gereizt oder hundemüde. Vor allem, wenn mir die Spielideen ausgehen. Schlimm, aber es ist so.

Vollzeit- oder Teilzeit-Mama?

Ich kenne in meinem Umfeld viele verschiedene Variationen davon, wie viel Zeit Mamas arbeiten oder mit ihren Kindern verbringen. Manche haben Vollzeit angefangen zu arbeiten, seit das Kind ca. 1 Jahr alt war. Darunter sind auch einige, die auch immer wieder längere Zeit auf Geschäftsreisen waren. Sie lieben ihren Job und ihre Kinder und finden ihre Erfüllung hier und dort. Dann gibt es wiederum den völlig anderen Weg: Mamas, die ausschließlich und den ganzen Tag mit ihren Kindern verbringen.

Darunter eine Kinder-Ergotherapeutin, also im Grunde eine Expertin was Eltern-Kind-Beziehungen betrifft, die mal zu mir meinte: „Unter 3 Jahren lasse ich mein Kind bei mir!“. Ihr Argument: in den ersten drei Jahren würde sich so vieles entwickeln, was Bindung, Identität, Persönlichkeit betrifft. Da wolle sie niemanden Fremden ranlassen. Sie arbeitet nachts oder wenn ihr Kind Mittagsschlaf macht. Hut ab, denn jeder weiß, wie anstrengend ausschließliche Kinderbetreuung ist und dann auch noch die Arbeit dazu! Ich bewundere sie.

Dann kenne ich noch ein Modell, wo beide Elternteile zuhause beim Kind sind UND arbeiten. Der Mann arbeitet hauptberuflich von zu Hause aus und die Frau kümmert sich ums Kind und arbeitet nebenbei, wenn das Kind schläft oder wenn der Mann mal eine Pause macht. Und obwohl das bei uns aus mehreren Gründen gar nicht möglich wäre, finde ich das ziemlich sympathisch. Beide Elternteile, die Zeit mit ihrem Kind verbringen und sich beruflich verwirklichen können. Klingt doch toll, oder? Doch sicher wird es auch hier realistischerweise einige Nachteile geben. Nicht jeder könnte mit seinem Partner so viel Zeit unter einem Dach verbringen, ohne dass es öfter zu Reibereien kommt.

Ich selbst bin derzeit eine richtige Nachmittags-Mama. Die Vormittage sind der Arbeit gewidmet und am Nachmittag verbringe ich Zeit mit meiner Tochter, bis der Mann nach Hause kommt und wir gemeinsam etwas machen. Manchmal macht er auch am Abend alleine etwas mit ihr. Am Wochenende teilen wir uns das meistens so auf, dass er am Vormittag etwas unternimmt und ich am Nachmittag. Fürs Zubettbringen und In-der-Nacht-Trösten bin ich zuständig.

Ist das genug Mama-Zeit? Was ist denn richtig? Und was ist gut fürs Kind?

Einer meiner Lieblingsblogs, das Gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn, hat sich mal näher mit dem Thema auseinandergesetzt. Was sagt die Wissenschaft zur frühen Fremdbetreuung? In verschiedensten Studien seien sowohl negative (Aggressivität, Stress) als auch positive Aspekte (Selbstbewusstsein, schnellere Entwicklung, Sozialkompetenz) festgestellt worden. Wichtig sei aber vor allem die Qualität der Betreuung.

Und das ist es auch, was ich mir immer wieder vor Augen führe: wir haben einen sehr guten Kindergarten und mein Kind geht grundsätzlich gerne dort hin. Es gibt zwar immer wieder Phasen, wo ich das Gefühl habe, sie würde lieber zu Hause bleiben. Und ich leide dann ziemlich mit ihr mit, dass ich keine andere Wahl habe, weil ich in die Arbeit gehen MUSS. Aber zum Glück halten sich diese Phasen in Grenzen.

Dennoch bin ich sehr ambivalent zu diesem Thema eingestellt: einerseits freue ich mich auf die Arbeit und liebe die Gesellschaft von Erwachsenen, gepaart mit geistiger Herausforderung. Ich bin dann auch entspannter im Umgang mit meiner Kleinen. Und das ist doch auch gut für sie, oder? Andererseits habe ich ganz schön viel Angst davor, etwas zu verpassen. Schließlich ist sie ja erst zwei Jahre alt und die Zeit vergeht so schnell. Ist es da nicht viel sinnvoller, so viel Zeit wie möglich mit ihr zu verbringen, solange sie noch so klein ist? Und dafür auf viele Dinge zu verzichten, damit es sich finanziell irgendwie ausgeht. Echt schwierig…

Es wird wahrscheinlich kein „Richtig“ und „Falsch“ geben, und keine Wissenschaft wird mir je sagen können, was für mein Kind gut ist und was nicht. Was ich als Mama einzig machen kann, ist mein Kind und mich selbst zu beobachten: Wie geht es uns damit? Fühlt es sich ok an? Wann fühlt es sich besser oder schlechter an? Kann ich etwas verändern?

Und vor allem: wie werde ich dieses schlechte Gewissen los? Ich wünsche mir für mich mehr Entspannung und weniger Druck. Ich bewundere Mamas, die einfach ihr Ding durchziehen, ohne sich groß Gedanken darüber zu machen.

Wie ist das bei Euch? Wie viel Zeit verbringt Ihr mit Euren (Klein-)kindern? Fühlt sich Euer Zeit-Modell gut für Euch an? Oder wollt Ihr was verändern?


Job mit Kleinkind: Geht das überhaupt?

In den letzten Tagen befand ich mich in einem Gedankenkarussell, was das Thema Job betrifft. Bei mir stehen gerade so einige Veränderungen an: ich stehe vor der Situation, mich beruflich neu zu orientieren, eingetretene Pfade zu verlassen und einen Job zu finden, der wirklich zu mir passt. Nur passt das alles auch zu unserem Familienkonzept? Und vor allem: Wie bringe ich Job und Kleinkind unter einen Hut? Immer wieder frage ich mich, ob das überhaupt realistisch ist.

Denn es gibt zahlreiche Gründe, die aus meiner Sicht dagegen sprechen, dass Job und Kleinkind vereinbar sind:

  1. Das Kind ist, seit es in der Kita ist, oft krank.
  2. Es ist mit zwei Jahren in einem Alter, wo es noch sehr stark meine Nähe braucht. Mama wird vermisst!
  3. Mama hat durch die unterbrochenen Nächte Schlafmangel. Dazu brauche ich Euch nichts erzählen. 
  4. Das Kind versteht nicht, dass Mama pünktlich bei der Arbeit sein muss. Mama erscheint täglich ca. 15min zu spät.
  5. Mama kann keine Überstunden machen, sondern muss pünktlichst zum Zeitpunkt X den Stift fallenlassen, um das Kind von der Oma, Kita, oder Tagesmutter abzuholen.
  6. Mama ist unflexibel. Geschäftsreisen? Abendveranstaltungen? Betriebsausflüge? Alles Dinge, die Monate im Voraus geplant werden müssen.
  7. Mama kommt auch mal ungeschminkt oder mit Flecken auf der Bluse in die Arbeit.

Und wisst ihr was? All das macht mich UNRUND! Ok, nicht die Flecken auf der Bluse, aber die Tatsache, dass ich Kind und Job gerecht werden MUSS, Leistung erbringen MUSS trotz permanentem Schlafentzug. Der Stress in der Früh. Das Gehetzt-Sein. Die Anrufe im Büro, das Kind sei schon wieder krank. Überhaupt dieses MÜSSEN.

Aber ich will es auch schaffen. Ich will ja arbeiten, ich mag meine Arbeit, sie macht mir Spaß. Ich will unter Leuten sein. Ich weiß, dass ich diese Abwechslung brauche und sie mir auch gut tut. Und ich will auch Zeit mit meinem Kind verbringen, vor allem wenn es mich braucht. Doch wie soll das funktionieren? Wie könnte es für mich am besten funktionieren? Und für den Arbeitgeber?

Hier mein persönlicher Plan, wie ich Kleinkind und Job vereinbaren könnte:

  1. Ich nehme einen Job an, der nicht allzu viel Verantwortung bedeutet. Also keinen Management-Posten, meine ich damit.
  2. Wenn das Kind krank ist, will ich Homeoffice machen können. Die Oma passt dann parallel auf, aber ich bin da, wenn mein Kind mich braucht.
  3. Ich arbeite Teilzeit, am besten 16 Stunden pro Woche.
  4. Falls einmal mehr Arbeit anfällt, muss ich sie mit nach Hause nehmen und zur Not am Wochenendende oder wenn das Kind schläft, nacharbeiten.
  5. Ich will vorbereitet sein: im Notfall – so gut es geht – einen Plan B haben.
  6. Falls die Oma ausfällt, muss auch mal der Mann einspringen.
  7. Der Arbeitsplatz darf nicht zu weit entfernt sein.
  8. Mit dem Arbeitgeber will ich ausmachen, dass ich in der Früh auch mal 15 Minuten später kommen kann, und dass das kein großes Thema sein sollte.

Und was bitte hat mein Arbeitgeber davon?? Na, ziemlich viel, denn als Mama habe ich neue Fähigkeiten gelernt:

  1. Stressresistenz: nach dem ersten Babyjahr mit Schreibaby kann mich nichts mehr so leicht aus der Ruhe bringen. Ok, zwar nicht immer, aber hey, ich bin ja auch nur ein Mensch!
  2. Multitasking: hier das weinende Baby, da die genervte Kassiererin und eine lange Schlange an der Kassa? Kein Problem: das Baby auf den Arm nehmen, trösten, zahlen und gleichzeitig Einkäufe einpacken. Kann ich!
  3. Selbstvertrauen: spätestens seit den stündlichen Wutanfällen meines Kindes während einer sechsstündigen Zugfahrt, bei der ich Schokolade an die Mitreisenden verteilt habe, ist nicht mehr so wichtig, was andere von mir denken.
  4. Lösungskompetenz: Das Kind hat sich am Spielplatz von oben bis unten angekackt und keine Wechselkleidung ist dabei? Blitzschnell wird ein Masterplan ausgeheckt, andere Mamas gefragt, die nächstgelegene Toilette gesucht,…wir Mamas wissen uns in jeder Situation zu helfen!
  5. Entscheidungsfreude: Schnelle Entscheidungen sind bei Kindern gefragt – immer und zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Wie seht Ihr das mit dem Thema Vereinbarkeit? Wie macht Ihr das: Job und Kinder unter einen Hut zu bekommen? Und vor allem: Wie stehen Eure Arbeitgeber dazu, wenn fehlt, weil die Kinder krank sind?

Veränderungen: Welchen Weg soll ich gehen?

Es hat sich schon länger abgezeichnet…der Firma, in der ich arbeite, geht es schlecht. Verdammt schlecht. So schlecht, dass sie nur mehr auf „Überlebensmodus“ läuft und vielleicht sogar bald zusperren wird. Aber in den letzten zwei Tagen hat sich die Situation drastisch zugespitzt.

Mein Chef, der mich bei unserem Mitarbeitergespräch noch vor ein paar Wochen umarmt und mir „Danke“ gesagt hat, ist schwer krank. Niemand weiß, wann er wieder zu sich kommen wird. Er hat eine Familie, Kinder im Vorschulalter. Er tut mir richtig leid. Seine Familie tut mir leid.

Ich war mit der Firma mit Herz und Hirn verbunden, weil die Menschen, die dort arbeiten, die gleichen Werte teilen wie ich. Weil meine Vorgesetzten menschlich und verständnisvoll sind, und mir immer viel Wertschätzung entgegengebracht haben. In den acht Jahren, die ich für das Unternehmen gearbeitet habe, habe ich nicht einmal ein böses oder schlechtes Wort gegen mich gehört, ganz im Gegenteil. Die Arbeitsatmosphäre war toll, ich habe mich immer mit allen meinen Kolleginnen verstanden. Wir konnten immer offen über alles reden.

Tja, und nun? Die Firma will, dass ich meine Stunden reduziere. Ich weiß nicht, ob ich das will. Ich will aber auch nicht arbeitslos sein. Ich war noch nie auf Jobsuche mit Kind, was wenn Teilzeitstellen ganz rar sind?

Und zugleich ist es eine Veränderung, die eine Chance mit sich bringt. Soll ich die Chance nutzen? Soll ich es wagen, einen anderen Job zu suchen, der mich womöglich mehr erfüllt? Fragen über Fragen, auf die ich momentan keine Antwort weiß.

Wart Ihr schon mal in einer ähnlichen Situation? Wie ist die Jobsuche mit Kindern denn für Euch gelaufen? Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? 

Ich bin dann mal traurig…und verzweifelt 

Sie ist eine tolle Frau. Hat beim Fernsehen gearbeitet, drei Töchter großgezogen, wollte schon immer Opernsängerin werden. Sie hat die beste Tomatensuppe gemacht, die es gibt. Und Borschtsch und Pierogi. Sie hat mir immer die schönsten polnischen Kinderlieder vorgesungen, mit ganz viel Leidenschaft und Sentimentalität in der Stimme. Das ist meine Großmutter. Sie wird nicht mehr lange leben, vielleicht nur noch ein paar Tage, und ich kann mich nicht von ihr verabschieden. Weil sie 10 Autostunden von uns weg wohnt und ich ein krankes Kind zuhause habe. Und einen Job.

Das macht mich unendlich traurig, denn ich würde sie so gern noch einmal persönlich sprechen. Ihr alles Gute wünschen für ihren weiteren Weg, wo auch immer sie jetzt hingeht. Ihr sagen, dass sie mich inspiriert hat und dass sie immer ganz wunderbar zu mir gewesen ist. Ihre Hand halten. Ein allerletztes Mal.

Anstatt zu trauern muss ich organisieren: Wer holt das Pralinchen von der Kita ab, wenn ich in der Arbeit bin? Die Oma ist nach Warschau gefahren, um sich von meiner Großmutter zu verabschieden. Sie fällt also weg. Der Mann arbeitet gerade für drei, kann sich also auch nicht freinehmen. Und ich habe wichtige Termine diese Woche. Am liebsten würde ich mir ein paar Tage freinehmen, um auch mal Schlaf nachzuholen. Denn die Nächte sind durch das Fieber und den Husten von Pralinchen ein Grauen. Aber das geht gar nicht so einfach als Mama, dieses „Schlaf nachholen“. Und als arbeitende Mama schon gar nicht – da ist man noch mehr gefordert, zu jonglieren zwischen Kind, Job und Haushalt. Ach ja, der Letztere steht übrigens, aber das ist mir jetzt herzlich egal.

Ich werde morgen mal ganz ehrlich mit meinem Chef reden und ihm die Situation schildern. Und auf Verständnis hoffen. Mal sehen.

Mama arbeitet: der ganz normale Wahnsinn am Morgen

Früher, als ich noch kein Kind hatte, bin ich um 7:00 Uhr aufgestanden und war um 9:00 Uhr in der Arbeit. Jetzt frage ich mich, was ich während all dieser Zeit gemacht habe.

Denn jetzt muss ich um 7:00 Uhr aufstehen UND:

  • Kind möglichst sanft aufwecken
  • Frühstück für uns beide machen
  • Zähne uns beiden putzen
  • Make-Up draufklatschen
  • Kind (unter Protest) anziehen
  • diskutieren, welches Stofftier mitkommen soll
  • Kind in den Kinderwagen setzen
  • Kind in die Kita bringen, ausziehen, der Erzieherin übergeben
  • in die Arbeit fahren
  • um 9:00 Uhr ankommen.

Wow!!! Ich staune nicht schlecht über mich selbst, wozu ich in der kurzen Zeit fähig bin. Doch natürlich läuft das mal mehr und mal weniger gut. Heute war so ein Morgen, wo ich diese Hektik massiv gespürt habe. Und das mit nur einem Kind und einem Halbtagsjob! Ich erzähle Euch mal, wie das so abgelaufen ist.

7:00 Uhr: der Papa weckt uns, er muss gleich in die Arbeit fahren. Ich gebe Pralinchen und mir noch eine halbe Stunde Schonfrist. Schnarch!

7:30 Uhr: ich schaue, was auf Twitter los ist. Das Pralinchen schläft noch. Es fällt mir so schwer, sie aufzuwecken. Ich beschließe, Frühstück zu machen und mich fertig zu machen. Sie soll noch 15 Minuten schlafen. Ein fataler Fehler, wie es sich später erweist.

7:45 Uhr: ich habe mich und das Frühstück fertig gemacht und wecke das noch immer seelig schlummernde Kind. Sie will nicht aufstehen, meckert herum. Ich verstehe sie. Ich sage ihr, der Bär ist hungrig und will gefüttert werden. Nur so gelingt es mir, sie zum Frühstück zu motivieren.

8:10 Uhr: wir frühstücken immer noch, langsam werde ich nervös…in 10 Minuten müssen wir los. Noch dazu entscheidet das Kind, dass es alles ausziehen und nackt durch die Gegend laufen will (macht sie derzeit gefühlte hundert Mal am Tag). Ich ziehe sie aus. Will einen Trotzanfall vermeiden. Ich sage ihr, dass wir uns gleich anziehen müssen.

8:15 Uhr: suche hektisch nach meinem Handy. Puuuhh, was für ein Glück, es ist geladen. Pralinchens Kleidung habe ich am Vortag zurechtgelegt. Ich fühle mich als organisierteste Mama der Welt. Yay! Ich bereite das Nackedei darauf vor, dass es angezogen wird. Lautstarkes Gebrüll. Die Nachbarn sind jetzt sicher wach und dankbar, dass sie keinen Wecker brauchen.

8:20 Uhr: das Anziehen findet noch immer unter massivem Protest, Gebrüll, Hin- und Herwinden, Durchstrecken statt. Ich versuche, Zen-buddhistisch Contenance zu bewahren, während ich mir die Schweißperlen von der Stirn streiche und mir überlege, ob ich der stressbedingten Transpiration wegen alleine in der Straßenbahn sitzen werde.

8:25 Uhr: Anziehen fertig, ich fühle mich als schlechteste Überdrüber-Rabenmama der Welt. Das Kind wird in den Kinderwagen gepackt und es wird in die Kita gefahren.

8:35 Uhr: Wir kommen in der Kita an, eine Überraschung wartet auf uns: „Scharlach“ steht auf einem knallroten Aushang. Wahrscheinlich, um die Eltern schon mal sinnbildlich darauf vorzubereiten.

8:40 Uhr: das Pralinchen ist umgezogen und wird der Erzieherin übergeben. Aber halt! Da ist ja niemand drinnen im Gruppenraum?! Die nächste Überraschung: beide Erzieherinnen sind krank, es sind nur Ersatz-Pädagoginnen dort. Ich bekomme leichte Hitzewallungen. Stress pur. Darauf war ich nicht vorbereitet.

Ich habe das Kind auf dem Arm, klarerweise will es nicht von mir weg. Ist ja schließlich noch nicht lange in der Kita und will seine Vertrauenspersonen haben. Vier neue Augenpaare starren sie an. „Kommst du zu mir?“ „Nein!“. Die Erzieherin schaut sichtlich überfordert ihre Kollegin an. Ich muss in zwei Minuten weg zur Arbeit. Zum Glück kommt eine Assistentin vorbei, die das Pralinchen kennt. Sie lässt sich von ihr auf den Arm nehmen. Puuuh…was für eine Erleichterung!

8:45 Uhr: ich fahre mit der Straßenbahn in die Arbeit. Viel zu spät.

9:15 Uhr: ich komme abgehetzt im Büro an. Ich gehe in die Küche, um mir Kaffee zu machen. Und was sehe ich da?


Meine Kollegin klärt mich auf: am Vorabend gab es einen Vortrag mit französischem Buffet. Davon ist noch was übriggeblieben und das Catering hat eine Nachricht hinterlassen mit: „Bon Appetit! Quiche + Spieß 5 Minuten/200 C“. Ist doch voll nett, oder? Ich setze mich an meinen Schreibtisch, lege die Beine hoch und genieße das Schokotörtchen mit Kaffee. Das habe ich mir jetzt verdient!

Und wie läuft bei Euch so die Morgenroutine ab? Ist es auch so hektisch? Oder ganz entspannt?

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