Wieviel Mama-Zeit braucht das Kind?

Diese Frage habe ich mir in letzter Zeit immer öfter gestellt. Fast zwei Jahre lang war ich in der Karenz nur für meine Tochter da. Doch seit ich angefangen habe zu arbeiten, mache ich mir immer öfter Gedanken darüber, wie viel mein Kind mich wirklich braucht. Ob sie mich vermisst und sich nach mir sehnt oder ob es ihr eh gut geht im Kindergarten, bei Oma und Opa oder mit dem Papa (bei dem ja sowieso). Und manchmal gesellt sich das schlechte Gewissen hinzu, wenn ich sie mal öfter „abgebe“ und nicht so viel Zeit mit ihr verbringe. Warum ist das so?

Die Leiterin unseres Kindergartens hat beim Elternabend einmal gesagt:

„Das Wertvollste, was Eltern ihren Kindern geben können, ist Zeit.“

Dieser Satz hat sich ziemlich stark in meinem Kopf eingebrannt. Er klingt für mich logisch und dennoch ist er in der Praxis nicht immer so leicht umzusetzen. Ich finde es z.B sehr schön, viel Zeit mit meiner Tochter zu verbringen. Aber wenn ich ehrlich bin, dann komme ich nach einer gewissen Weile auch an meine Grenzen. Ich bin dann leichter gereizt oder hundemüde. Vor allem, wenn mir die Spielideen ausgehen. Schlimm, aber es ist so.

Vollzeit- oder Teilzeit-Mama?

Ich kenne in meinem Umfeld viele verschiedene Variationen davon, wie viel Zeit Mamas arbeiten oder mit ihren Kindern verbringen. Manche haben Vollzeit angefangen zu arbeiten, seit das Kind ca. 1 Jahr alt war. Darunter sind auch einige, die auch immer wieder längere Zeit auf Geschäftsreisen waren. Sie lieben ihren Job und ihre Kinder und finden ihre Erfüllung hier und dort. Dann gibt es wiederum den völlig anderen Weg: Mamas, die ausschließlich und den ganzen Tag mit ihren Kindern verbringen.

Darunter eine Kinder-Ergotherapeutin, also im Grunde eine Expertin was Eltern-Kind-Beziehungen betrifft, die mal zu mir meinte: „Unter 3 Jahren lasse ich mein Kind bei mir!“. Ihr Argument: in den ersten drei Jahren würde sich so vieles entwickeln, was Bindung, Identität, Persönlichkeit betrifft. Da wolle sie niemanden Fremden ranlassen. Sie arbeitet nachts oder wenn ihr Kind Mittagsschlaf macht. Hut ab, denn jeder weiß, wie anstrengend ausschließliche Kinderbetreuung ist und dann auch noch die Arbeit dazu! Ich bewundere sie.

Dann kenne ich noch ein Modell, wo beide Elternteile zuhause beim Kind sind UND arbeiten. Der Mann arbeitet hauptberuflich von zu Hause aus und die Frau kümmert sich ums Kind und arbeitet nebenbei, wenn das Kind schläft oder wenn der Mann mal eine Pause macht. Und obwohl das bei uns aus mehreren Gründen gar nicht möglich wäre, finde ich das ziemlich sympathisch. Beide Elternteile, die Zeit mit ihrem Kind verbringen und sich beruflich verwirklichen können. Klingt doch toll, oder? Doch sicher wird es auch hier realistischerweise einige Nachteile geben. Nicht jeder könnte mit seinem Partner so viel Zeit unter einem Dach verbringen, ohne dass es öfter zu Reibereien kommt.

Ich selbst bin derzeit eine richtige Nachmittags-Mama. Die Vormittage sind der Arbeit gewidmet und am Nachmittag verbringe ich Zeit mit meiner Tochter, bis der Mann nach Hause kommt und wir gemeinsam etwas machen. Manchmal macht er auch am Abend alleine etwas mit ihr. Am Wochenende teilen wir uns das meistens so auf, dass er am Vormittag etwas unternimmt und ich am Nachmittag. Fürs Zubettbringen und In-der-Nacht-Trösten bin ich zuständig.

Ist das genug Mama-Zeit? Was ist denn richtig? Und was ist gut fürs Kind?

Einer meiner Lieblingsblogs, das Gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn, hat sich mal näher mit dem Thema auseinandergesetzt. Was sagt die Wissenschaft zur frühen Fremdbetreuung? In verschiedensten Studien seien sowohl negative (Aggressivität, Stress) als auch positive Aspekte (Selbstbewusstsein, schnellere Entwicklung, Sozialkompetenz) festgestellt worden. Wichtig sei aber vor allem die Qualität der Betreuung.

Und das ist es auch, was ich mir immer wieder vor Augen führe: wir haben einen sehr guten Kindergarten und mein Kind geht grundsätzlich gerne dort hin. Es gibt zwar immer wieder Phasen, wo ich das Gefühl habe, sie würde lieber zu Hause bleiben. Und ich leide dann ziemlich mit ihr mit, dass ich keine andere Wahl habe, weil ich in die Arbeit gehen MUSS. Aber zum Glück halten sich diese Phasen in Grenzen.

Dennoch bin ich sehr ambivalent zu diesem Thema eingestellt: einerseits freue ich mich auf die Arbeit und liebe die Gesellschaft von Erwachsenen, gepaart mit geistiger Herausforderung. Ich bin dann auch entspannter im Umgang mit meiner Kleinen. Und das ist doch auch gut für sie, oder? Andererseits habe ich ganz schön viel Angst davor, etwas zu verpassen. Schließlich ist sie ja erst zwei Jahre alt und die Zeit vergeht so schnell. Ist es da nicht viel sinnvoller, so viel Zeit wie möglich mit ihr zu verbringen, solange sie noch so klein ist? Und dafür auf viele Dinge zu verzichten, damit es sich finanziell irgendwie ausgeht. Echt schwierig…

Es wird wahrscheinlich kein „Richtig“ und „Falsch“ geben, und keine Wissenschaft wird mir je sagen können, was für mein Kind gut ist und was nicht. Was ich als Mama einzig machen kann, ist mein Kind und mich selbst zu beobachten: Wie geht es uns damit? Fühlt es sich ok an? Wann fühlt es sich besser oder schlechter an? Kann ich etwas verändern?

Und vor allem: wie werde ich dieses schlechte Gewissen los? Ich wünsche mir für mich mehr Entspannung und weniger Druck. Ich bewundere Mamas, die einfach ihr Ding durchziehen, ohne sich groß Gedanken darüber zu machen.

Wie ist das bei Euch? Wie viel Zeit verbringt Ihr mit Euren (Klein-)kindern? Fühlt sich Euer Zeit-Modell gut für Euch an? Oder wollt Ihr was verändern?


Comments

  1. Ich glaube, jede Mama hat diese Gedanken und jede Familie muss individuell schauen, wie die Bedürfnisse, aber auch die Möglichkeiten und die Notwendigkeit zu arbeiten sind. Ich verstehe Dich gut. Ich bereite mich gestern und heute auf ein Vorstellungsgespräch (2. Runde mit Präsentation einer Aufgabe) vor und die lieben Großeltern haben für ein paar Stunden das Glücksbaby übernommen. Ich merke, wie ich diese geistige Beschäftigung in den letzten sieben Monaten vermisst habe. Und ich merke auch, wie ich mich freue, mein Baby wiederzuhaben. Und das ist erstmal nur meine Perspektive. Noch wichtiger ist ja das Kind… Achja… Aber wer reflektiert und alle Perspektiven einbezieht, der kann nicht viel falsch machen! 🙂 Liebe Grüße!

    • Oja, diese geistige Beschäftigung tut gut! Viel Glück für dein Vorstellungsgespräch! Liebe Grüße, Natalie

  2. Mhm ja, ich würde sagen, dass es keine Regel gibt. Wichtig ist, dass Mutter und Kind sich wohlfühlen. Ich persönlich versuche mehr auf Qualität statt Quantität zu setzen. Wir sind ja (noch) sehr viel zusammen, aber nicht jeden Moment bin ich „voll“ bei ihm, manchmal muss und will ich eben auch andere Dinge erleben.

    • Und das ist auch gut so! Bin gespannt, wie es Dir gehen wird, wenn der Job losgeht. Bis dahin: genieße noch die Qualitätszeit mit deinem Kleinen!

Ich freue mich, wenn Du mir einen Kommentar hinterlässt!

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