Brief

Mein kleines Mädchen

Liebes Pralinchen,

Du bist jetzt kein Baby mehr, Du bist ein kleines Mädchen. Unser kleines Mädchen. Und schon ein richtiges Persönchen. Heute bist Du zwei Jahre alt geworden, und ich wundere mich darüber, wie unfassbar schnell die Zeit vergangen ist, seit Du ein winziges Baby warst.

Ich erinnere mich noch an den Tag, an dem Du mit uns aus dem Spital gekommen bist, frisch geschlüpft, erst ein paar Tage alt. Es war ein strahlender Frühlingstag, die Vögelchen zwitscherten und untermalten damit unsere Stimmung. Unsere Herzen quollen über vor Freude und Glück, dass Du endlich bei uns warst. Diesen Moment werden wir nie vergessen.

Von einem winzigen, zarten Baby hast Du Dich in einen kleinen Wonneproppen verwandelt. Papa ist mit Dir ganz schön viel im Tragetuch spazierengegangen, denn im Kinderwagen, so alleine, hat es Dir nie so richtig gut gefallen. Da hast Du Deinem Ärger auch ordentlich Luft gemacht…verständlicherweise. Ihr seid in den Park gegangen, stundenlang, und habt viel frische Luft genossen. Papa war ganz stolz, dass er Dich vorne herumtragen konnte, und dass Du so schön bei ihm eingeschlafen bist.

Mit Mama bist Du schon immer gerne einkaufen gegangen, und dann haben wir zusammen gekocht. Du warst ganz neugierig darauf, was Mama da auf dem Teller hat. Und irgendwann hast Du an Deinem ersten Brötchen gelutscht. Im Sommer sind wir viel Eis essen gegangen, da habe ich Dich auch mal von meinem Eis kosten lassen. So kalt und fruchtig…das schmeckte ganz anders als Mamamilch. Deine Miene dabei war unvergesslich!

Ich erinnere mich noch an den Moment, an dem Du Dich zum ersten Mal gedreht hast. Das war im Park, wir machten ein Picknick auf dem Rasen. Du bist den kleinen Hügel ein Stückchen hinuntergerollt! Und von da an wurdest Du ganz langsam immer mobiler, Du hast angefangen, Dich aufzusetzen, zu robben und zu krabbeln.

Und dann war Dein erster Geburtstag. Wir feierten ihn mit Deinen Freunden und einem Kuchen, auf dem Dein Name stand, zusammen mit Winnie-the-Pooh, Esel und Schweinchen. Du hast zu ihnen „Baba“ gesagt. Und dann wurde aus dem „Baba“ so langsam ein „Papa“ und ein „Mama“. Deine ersten Schritte hast Du ein paar Monate später auch schon gemacht, und wir gingen zusammen mit der Oma Schuhe für Dich kaufen.

Als der Frühling kam und es wärmer wurde, sind wir ganz viel auf den Spielplatz gegangen. Du hast im Sandkasten gespielt und Papa ist mit Dir auf den wildesten Rutschen gerutscht. Im Sommer fuhren wir zum ersten Mal ans Meer, das war eine lange Autoreise! Du hast im Wasser geplanscht, Steine gesammelt, kleine Krebse beobachtet.

Im Herbst sind wir zu Deiner anderen Oma, zum Opa und zu Deiner Cousine gefahren. Du hast mit den vielen Hunden und Katzen gespielt und wir sind im Wald spazierengegangen. Schon langsam haben sich die Blätter gelb, rot und braun verfärbt. Wir haben Kastanien gesammelt und Figuren gebastelt.

Ein großer Schritt für uns war Deine Eingewöhnung im Kindergarten. Du bist so lieb aufgenommen worden und endlich konntest Du auch mit anderen Kindern spielen, nicht nur mit Mama und Papa. Du bastelst viele schöne Sachen, beobachtest die anderen Kinder, weißt alle ihre Namen und isst auch schon zu Mittag. Jetzt bist Du schon ein richtiges Kindergartenkind!

Liebes Pralinchen, ich bin so glücklich dabei, Dich beim Großwerden zu begleiten. Deine kleinen Händchen zu halten, die mittlerweile schon zeichnen, malen, kneten können. Dir über den Kopf zu streicheln und es zu genießen, wenn Du Dich an mich kuschelst. Dir beim Spielen zuzusehen und mich immer wieder zu wundern, wie kreativ Du bist und wie toll Du schon so viele Sachen machst. Ich liebe es, wenn Du mit mir sprichst und ganz aufmerksam zuhörst, die Geschichte immer wieder erzählt bekommen willst. Du bist so lieb und hilfsbereit, so ruhig und sensibel. Du bist so wunderbar und verzauberst mich jeden Tag aufs Neue!

Deine Mama

Es ist Zeit, loszulassen: Ein Brief an mein kleines großes Baby

 

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Liebes Pralinchen,

jetzt bist Du schon eineinhalb Jahre alt, die Zeit ist so schnell vergangen. Heute hast du mir gezeigt, dass Du Dir die Füße nicht mehr in den Mund stecken kannst. Da wusste ich: Du bist kein Baby mehr. Du bist schon ein kleines Kind. Du fängst an zu zeichnen, zu singen, aufs Töpfchen zu gehen. Ja, du sagst tatsächlich schon Bescheid, wenn du musst. Ich habe Dir dann das Töpfchen hingestellt und war ganz baff, als Du hineingemacht hast. Und das machst Du jetzt jeden Tag!

Wenn ich Bilder von Dir anschaue, als Du noch ganz klein warst, dann werde ich etwas wehmütig. Und noch wehmütiger werde ich, wenn ich daran denke, dass Du in ein paar Tagen in die Kita kommst. Und dass unsere gemeinsame Zeit bald vorbei ist, weil ich arbeiten gehen muss.

Ich werde so viele Dinge verpassen, die Du sagst, machst, neu für dich entdeckst. Ich werde aber auch verpassen, wie Du Dich ärgerst, wenn Dir jemand ein Spielzeug weggenommen hat. Oder wenn Du traurig bist und weinst. Wer wird Dich dann trösten? Hoffentlich wird Dich überhaupt jemand in den Arm nehmen. Es tut mir richtig weh, wenn ich das schreibe, denn ich möchte nicht, dass Du in Deiner Trauer und in Deinem Schmerz alleingelassen wirst.

Ich werde es vermissen, mit Dir aufzustehen und noch lange im Bett liegenzubleiben und zu kuscheln, anstatt ganz schnell das Frühstück zu richten und Dich anzuziehen. Ich befürchte, dass uns die Hektik übermannt, und dass ich mit Dir ungeduldig sein werde, weil Du Deine Zeit brauchst, ich aber pünktlich sein will.

Und trotz alldem muss ich lernen, Dich loszulassen. Damit Du neue Freunde und Freundinnen findest. Damit Du mit anderen spielen und Dich austoben kannst. Damit Du Dinge lernst, die ich Dir nicht beibringen kann. Und damit auch ich Dinge in der Arbeit machen kann, die mir Spaß machen.

Liebes Pralinchen, ich werde immer an Dich denken. Dich in Gedanken ganz fest bekuscheln und beschmusen. Und ich werde Dich nie allein lassen, egal was kommt.

Auch wenn es an der Zeit ist, Dich loszulassen – in meinem Herzen bist Du immer bei mir.

Deine Mama

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