Entscheidungen

Vereinbarkeit: Selbstständig oder angestellt? Was ist besser?

Letzten Sommer war es soweit: nach einem Schicksalsschlag in meiner alten Firma habe ich diese verlassen und musste mich beruflich neu orientieren. Es folgten zwei Monate in einer Agentur und dann habe ich beschlossen, mich selbstständig zu machen. Und gleichzeitig zwei Vormittage als Angestellte zu arbeiten. Ich bin jetzt also zur Hälfte selbstständig und zur Hälfte angestellt. Doch was ist besser? Was lässt sich besser mit einem Kleinkind vereinbaren? Ich ziehe mal ein Resümee.

Selbstständigkeit – Vorteile:

  • Wenn das Kind krank ist, kann ich einfach zu Hause bleiben und mich voll und ganz dem Kind widmen. Ich muss nirgends anrufen und zum wiederholten Male sagen, dass ich nicht zur Arbeit kommen kann. Ein großer Vorteil!
  • Der Ablauf in der Früh ist viel chilliger. Ich bringe mein Kind ganz entspannt in den Kindergarten. Ohne Gehetze, ohne Zeitdruck.
  • Ich kann von zu Hause aus arbeiten. Ein sehr netter Arbeitsplatz. Noch dazu spare ich mir Zeit für Anfahrtswege. Bis zu einer Stunde, die ich lieber mit meinem Kind verbringe.
  • Ich fühle mich freier. Ich genieße es, mir einen Tee zu machen und ganz in Ruhe und konzentriert arbeiten zu können. Und falls ich was erledigen muss – z.B zur Post gehen – dann mache ich das einfach.
  • Ich kann arbeiten wo ich will, wann ich will und mit wem ich will. Falls es mit einem Kunden doch nicht so gut klappen sollte, dann suche ich mir einen anderen.
  • Die Projekte suche ich mir selbst aus und mache das, was mir am meisten Spaß macht.
  • Ich bin in der Selbstständigkeit noch stärker in einer Beraterrolle. Die Kunden schätzen meine Expertise.
  • Ich schaffe mir mit meinem Unternehmen etwas Eigenes. Wer weiß, wohin die Reise mich damit führt?
  • Ich lerne oft interessante Menschen kennen.
  • Ich kann einige Dinge von der Steuer abschreiben.

Selbstständigkeit – Nachteile:

  • Wenn das Kind krank ist und ich nicht arbeiten kann, verdiene ich auch kein Geld.
  • Oft muss ich am Wochenende oder am Abend arbeiten.
  • Die Kunden wollen oft alles sofort haben – ich muss flexibel sein und habe keinen „Feierabend“. Anrufe nehme ich auch am Nachmittag entgegen, wo ich mich lieber ganz meinem Kind widmen würde.
  • Die Selbstständigkeit ist unberechenbar: manchmal kommt ganz viel auf einmal zusammen und ich bekomme Panik, wie ich das alles in der kurzen Zeit schaffen soll. Dann gibt es wieder Phasen, wo wenig bis gar nichts zu tun ist.
  • Finanzielle Achterbahn: Manchmal verdiene ich viel und manchmal wenig.
  • Ich muss mich um Behördenkram kümmern – Steuererklärung etc.
  • Es gibt Stunden (z.B. für Akquisegespräche), die ich nicht verrechnen kann. Wenn der Auftrag nicht zustandekommt, habe ich umsonst gearbeitet. Kein schönes Gefühl.
  • Die Versicherung für Selbstständige hat viele Nachteile, vor allem bei Schwangerschaft oder in der Karenz.
  • Wäre ich ganz selbstständig und würde ich aufgrund von Krankheit ausfallen, müsste ich von meinen Rücklagen leben. Ebenso verhält es sich bei Arbeitslosigkeit. Es gibt kein „Auffangnetz“ wie bei Angestellten.
  • Als Selbstständige bekommt man kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Anstellung – Vorteile:

  • Sicherheit und Stabilität: Ich bekomme ein regelmäßiges Einkommen und auch die Arbeitszeiten sind geregelt.
  • Ich kann nach dem Arbeits-Vormittag Feierabend machen und mich ganz auf mein Kind konzentrieren.
  • Ich muss nicht allzeit erreichbar sein, wie in der Selbstständigkeit.
  • In meiner jetzigen Arbeitsstelle kann ich sehr viel Neues dazulernen.
  • Bei einem Problem kann ich mich mit meinem Chef oder Kollegen beraten. Bin da nicht so auf mich alleine gestellt.
  • Ich bekomme Urlaubs- und Weihnachtsgeld und bin im Krankheitsfall versichert.
  • Ist mein Kind krank, bleibe ich zu Hause und bekomme weiterhin mein Gehalt.
  • Habe ich zu viel Arbeit, kann sie notfalls auch aufgeteilt werden.

Anstellung – Nachteile:

  • Es ist eine Verpflichtung – von dann bis dann muss ich im Büro sein.
  • Wenn mein Kind krank ist und mich braucht, was im Winter regelmäßig vorkommt, fällt es mir schwer, jedes Mal im Büro anzurufen und abzusagen.
  • Durch den Weg zur Arbeit verliere ich Zeit.
  • Ich bin in der Früh eher angespannt, um pünktlich zur Arbeit zu kommen.
  • Ich kann nicht immer und zu 100 Prozent das machen, was mir Spaß macht. Manchmal müssen auch Tätigkeiten erledigt werden, die ich eintönig finde.
  • Ich fühle mich eher fremd- als selbstbestimmt.

Es fällt mir ehrlich gesagt schwer zu sagen, was besser ist. Alles hat seine Vor- und Nachteile. Ich kann auch nicht sagen, welcher Typ ich bin. Ich kann nur pauschal behaupten, dass die Anstellung in mancherlei Hinsicht viel psychischen Komfort bietet, wenn das Arbeitsumfeld passt. Dafür schnuppere ich aber auch gerne die Luft der Freiheit in der Selbstständigkeit, die mir teilweise viel Spaß bereitet.

Was denkt ihr? Welches Modell habt ihr für Euch gefunden und was lässt sich gut mit Kindern vereinbaren? Was würde für Euch gar nicht infrage kommen?

Geld oder Leben?

Keine Sorge, ich bin nicht ausgeraubt worden! Ich war auch nicht Zeugin eines Banküberfalls. „Geld oder Leben?“ ist nur eine Frage, die mich gerade etwas stärker beschäftigt. Warum? Weil ich meine eigenen Wertvorstellungen hinterfragen möchte.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber in meinem beruflichen Umfeld reden gerade ganz viele über Kryptowährungen, Aktien, Fonds und andere Dinge. Laaaangweilig! Ich kann da nie so richtig mitreden.

Investieren ist etwas, wovon ich überhaupt keinen Tau habe. Es hat mich nie wirklich interessiert und ich hatte auch nie das Bedürfnis, mich da näher einzulesen.

Bis mich ein Bekannter zu einem Spiele-Abend einlud, bei dem man das Thema Investieren spielerisch kennenlernen konnte. Ich sagte zu.

Aus dem Hamsterrad ausbrechen

Der Abend war lustig. In diesem Spiel war ich Pilotin und verdiente meine 9500 Euro im Monat. Ziel des Spieles war, so geschickt mit dem Geld zu haushalten, dass die passiven Einnahmen aus Aktien, Immobilien etc. höher waren als die Ausgaben. Nur so konnte man aus dem Hamsterrad ausbrechen, finanziell unabhängig sein und sich seine Träume erfüllen.

Ich investierte also in Mehrfamilienhäuser, Wohnungen, riskierte viel, gab viel aus, verlor, gewann, reinvestierte wieder. Ich war steinreich. Aus dem Hamsterrad auszubrechen schaffte ich nicht, aber es machte trotzdem Spaß.

Finanziell frei sein – ein Traum?

Ziel des Spieles war also die komplette finanzielle Unabhängigkeit, um sich endlich seine Träume erfüllen zu können. Wollen wir das nicht alle irgendwie? Nur mehr das machen, was wir wirklich wollen? Von niemandem abhängig sein? Genug Geld auf dem Konto haben, um sich um nichts sorgen zu müssen?

Es klingt wunderbar. Wäre ich finanziell unabhängig, würde ich wahrscheinlich ein Buch schreiben, oder um die Welt reisen. Ganz viele schöne, teure Klamotten kaufen, Schuhe, Handtaschen. Einen Garten haben mit Hühnern. Oder einen eigenen Wald. Ein Start-Up gründen. Tonnen an Schokolade essen, um sich danach das Fett absaugen zu lassen (Scherz!).

Finanziell unabhängig sein klingt toll. Aber, wer wirklich viel Geld haben will, muss auch:

  • viel Zeit investieren (also in der Regel überdurchschnittlich viel arbeiten)
  • eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen
  • seine Ausgaben auf das Minimum reduzieren
  • Immer wieder reinvestieren

Ausgenommen er oder sie gewinnt im Lotto, bekommt ein Darlehen oder ein Erbe.

Im Endeffekt heißt das: viel arbeiten, wenig ausgeben, viel sparen und investieren, um das Geld irgendwann für sich arbeiten zu lassen, als passives Einkommen. Das ist das, was ich aus diesem Abend mitgenommen habe.

Und dann fragte ich mich: Macht das wirklich Spaß? Das halbe Leben lang nur auf ein Ziel hinzuarbeiten, sich alles vom Mund absparen, nur um irgendwann mal total unabhängig sein zu können?

Was ist wichtiger: Zeit oder Geld?

Ich bin zurzeit als Mama eines Kleinkinds, in Teilzeit arbeitend, alles andere als finanziell unabhängig. Aber: meine Selbstständigkeit läuft gerade sehr gut. Theoretisch könnte ich richtig viel arbeiten, in der Zeit, die mir zur Verfügung steht. Deshalb muss ich mir immer öfter die Frage stellen: Wie viel meiner Zeit möchte ich mit Arbeit verbringen? Und wie viel mit meinem Kind? Wohin will ich meine Energie investieren? Was wünsche ich mir für die Zukunft? Diese wird, finanziell gesehen, wahrscheinlich nicht so rosig aussehen. Meine Generation wird es richtig schwer haben mit Ü60. Auf staatliche Pensionen werden wir wahrscheinlich pfeifen können. Was also tun?

 Deshalb habe ich für mich beschlossen:

  • Solange mein Kind klein ist, investiere ich meine Zeit so gut es geht ins Kind. Ich arbeite „nur“ vormittags, die Nachmittage gehören uns beiden. Wenn etwas Dringendes anfällt, arbeite ich zur Not auch abends oder nachts. Aber die Zeit, wo sie noch so klein ist, wird so schnell vorbei sein! Ich möchte es nicht irgendwann bereuen, etwas verpasst zu haben.
  • Ich stelle mich darauf ein, dass ich nur sehr wenig Pension haben werde. Ich werde sicher bis ins hohe Alter arbeiten müssen. MÜSSEN? Nein! Ich will nicht müssen. Ich möchte alles daran setzen, dass ich das tun kann, was ich liebe. Auch in 20 Jahren. Vorausgesetzt, ich bin gesund.
  • Inzwischen muss ich auf einige Dinge verzichten. Die Prioritäten haben sich stark verschoben, seit ich ein Kind habe. Was früher wichtig war, hat heute nicht mehr dieselbe Bedeutung. Und das ist auch OK so.

Zusammengefasst heißt das: f*ck Kryptowährungen, Aktien und Co. In meiner aktuellen Lebenssituation habe ich beschlossen, Zeit zu investieren. Kein Geld. Nur Zeit. In meine Familie und in meine Beziehungen. Ins Leben.

Und das ist auch ein Risiko, das ich auf mich nehme! Denn das mit der finanziellen Unabhängigkeit  – das wird wohl nichts mehr. In Wahrheit gehen alle Mamas, die ihre Zeit zur Hälfte oder ganz ihren Kindern widmen, dieses Risiko ein. Das wird von unserer Gesellschaft sehr unterschätzt. Oder besser gesagt: gar nicht geschätzt. Leider.

Ich hoffe, ich denke nicht zu naiv, kurzsichtig, illusorisch. Kurz gesagt: ich hoffe, ich falle nicht mal auf die Schnauze.

Was ist für Euch wichtiger? Geld oder Leben?

P.S. Falls Euch das Thema „Investieren“ interessiert, ich habe einen ausführlichen und sehr nützlichen Artikel bei „Wachsen und Lernen“ gefunden: Money makes the World go round: Sparen für und mit Familie

Soll ich auf mein Herz hören?

Liebes Pralinchen,

es gibt Tage, da komme ich einfach nicht durch zu Dir. Heute war so ein Tag. Du bist aufgestanden, wolltest nicht mit mir frühstücken, hast gejammert, gequengelt, geweint. Egal, was ich gemacht habe, es war nicht richtig. Du hast Dich hineingesteigert und richtig bitterlich geweint. Du hast an mir geklammert, meine Nähe gesucht. Ich habe Dich gefragt, was denn los sei. Ob du Hunger hättest oder Durst, ob du müde wärst oder dir etwas weh täte. Nein.

Es hat mir das Herz gebrochen, Dich so weinen zu sehen und nicht zu wissen, was Dir fehlt. Ich habe mich gefragt, was ich denn nun machen soll. Ich musste nämlich los, zur Arbeit. Sollte ich Dich zu Hause behalten? Oder doch in den Kindergarten bringen? Du weintest weiter und ich fühlte mich hilflos. Allein gelassen in einer Situation, in der ich nicht wusste, wie ich mich entscheiden soll. Noch dazu in Windeseile, weil es schon spät war.

Ich habe mich entschieden, Dich in den Kindergarten zu bringen und die Oma sollte dich abholen, falls etwas wäre. Ich fühlte mich, wie so eine toughe „Working Mum“, die ich eigentlich gar nicht bin. Kaum gingen wir auf die Straße, hörtest Du auf zu weinen. Wir gingen wie üblich unseren Weg in den Kindergarten. Alles war gut. Auch bei der Verabschiedung war alles in Ordnung. Ich sagte noch zur Erzieherin, sie solle mich sofort kontaktieren, falls etwas wäre. Das gab mir Halt.

Als ich in die Arbeit fuhr, sah ich eine Mama mit ihrem Kind und hatte plötzlich starke Sehnsucht nach Dir. Ich beneidete sie. Ich hoffte wirklich sehr, dass es Dir gut ging. Ich schluckte meine Gefühle hinunter. Ich musste funktionieren.

Es kam kein Anruf aus dem Kindergarten. Als Dich die Oma abholte, schickte sie mir eine Nachricht, dass alles gut gewesen sei. Du hättest nicht geweint und alles sei wie sonst gewesen. Ich war in dem Moment erleichert. Und jetzt, da ich diese Zeilen in der Stille der Nacht schreibe, frage ich mich: Vielleicht musstest Du auch funktionieren, so wie ich? Vielleicht hast Du auch Deine Gefühle hinuntergeschluckt?

Und plötzlich beginne ich alles zu hinterfragen. Das ganze System. Warum es nicht möglich ist, freier zu sein. Warum wir in etwas hineingepresst werden, was wir nicht immer wollen. Warum wir oft „durch“ und funktionieren müssen. Warum wir überhaupt so viel müssen.

Ich frage mich: ist es das Leben? Gehört das einfach dazu und ist es gut, dass Du schon so früh lernst, dass nicht immer alles so sein kann, wie wir es gerade wollen? Dass viele Situationen im Leben einfach schwierig sind und wir wieder gestärkt herauskommen, wenn wir sie meistern? Vielleicht bin ich zu sensibel für diese Welt, und womöglich hätte jemand anderer sich gar nichts dabei gedacht und es ganz locker weggesteckt? Oder sollte ich Deine und meine Gefühle als Warnsignal erkennen und einen anderen Weg gehen? Soll ich auf mein Herz hören?

Mein Herz ist verzweifelt und weiß nicht weiter. Mein Verstand sagt: „Warte ab und beobachte. Vielleicht wird alles gut.“ Wie du siehst, bin ich hin- und hergerissen. Solche Situationen gibt es oft im Leben und bis jetzt habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich meist alles von alleine löst.  Dass man oft Geduld haben muss. Und dass ich mir immer viel zu viele Gedanken mache.

Und trotzdem ist da noch mein Herz. Mein völlig verstandloses Mama-Herz, das Dich unendlich liebt und will, dass es Dir gut geht. Das nur das Beste will für Dich. Für immer.

Deine Mama

 

Nachsatz: Mit diesem Beitrag bewerbe ich mich für den scoyo ELTERN! Blog Award 2017. Drückt mir bitte die Daumen!

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