Familie

Was Kinder wirklich glücklich macht

Als Eltern wollen wir alles Mögliche dafür tun, dass unsere Kinder glücklich sind. Wir lesen ihnen alle Wünsche von den Augen ab, kuscheln oder spielen mit ihnen, kochen ihr Lieblingsessen, kaufen ihnen Spielzeug, gehen in den Vergnügungspark oder auf den Spielplatz. Oft, sehr oft sogar, machen wir auch Sachen, die uns selbst gar nicht so viel Spaß machen. Aber wir machen es ihnen zuliebe, damit unsere Kinder glücklich sind. Damit sie eine schöne Kindheit haben. Schließlich lieben wir sie ja, und wenn du jemanden liebst, tust du alles dafür, dass der andere glücklich ist. Denn wenn er glücklich ist, dann bist auch du selbst glücklich. Ist doch so, oder etwa nicht?

Was wir dabei verkennen: Kinder haben eine andere Empfindung von „Glück“. Und oft brauchen sie gar nicht so viel, um zufrieden zu sein. Oder zumindest nicht das, woran wir Erwachsene denken, wenn wir sie glücklich machen wollen. Ein Beispiel gefällig?

Vor ein paar Wochen habe ich mich dazu entschlossen, meinen Job aufzugeben. Warum? Damit ich mehr Zeit mit meinem Kind verbringen kann einerseits, und andererseits wollte ich mich auch beruflich verändern. Aber mein Hauptgedanke dabei war: Wenn ich weniger arbeite und mehr Zeit mit meinem Kind verbringe, dann ist auch mein Kind zufrieden. Denn schließlich widme ich meinem Kind mehr Aufmerksamkeit, Nähe, etc. Ich wollte etwas richtig machen. Wie immer.

Also habe ich beschlossen, ein Monat „Auszeit“ zu nehmen, um mich einzig und allein meinem Kind zu widmen. Die ersten zwei Wochen waren auch wirklich schön: morgens so lange ausschlafen wie wir wollen, gemeinsames Frühstück, dann auf den Spielplatz, Mittagsschlaf und Essen, wieder auf den Spielplatz oder zu Hause lümmeln. Ohne Termindruck.

Doch es war nicht ganz so, wie ich es mir erwartet habe. Denn ich hatte völlig vergessen, wie viel Energie man aufbringen muss, um ein Kleinkind den ganzen Tag bei Laune zu halten. Mein Kind hatte ziemlich viele Wutanfälle in dieser Zeit. Und sie wollte auch sehr oft „Peppa Wutz“, ihre Lieblingsserie schauen. Vielleicht langweilte sie sich? Womöglich war sie unterfordert, denn ich hatte zugegebenermaßen auch nicht immer die Muße, mir neue Spielideen oder Programm auszudenken. Es war schön, aber nicht immer harmonisch. Wir hatten einige Konflikte. Ich ertappte mich dabei, wie ich ihr mehr Dinge als sonst verbat, was sie frustrierte. Manchmal bekam sie aber auch einen Wutanfall aus dem Blauen heraus und ich wusste nicht, warum. Es war wunderbar, so viel Zeit mit ihr zu verbringen. Und gleichzeitig anstrengend.

Wie anstrengend es wirklich war, merkte ich erst, als wir in den Urlaub fuhren und ich die ersten zwei Tage so müde war, dass ich nur noch schlafen konnte. Was natürlich nicht immer möglich war, und mir nichts anderes übrig blieb, als mich nur irgendwie wach zu halten. Zum Glück fiel der Mittagsschlaf vom Kind etwas länger aus und ich konnte mich dazulegen. Und dennoch taumelte ich so vor mich hin, und die Tage waren wie mit einem Schleier überzogen. Ich fühlte mich ausgepowert wie schon lange nicht mehr. Es dauerte eine gewisse Zeit, bis ich mich so richtig erholen konnte.

Und jetzt? Abgesehen von den sehr unruhigen Nächten mit durchschnittlich 6 Mal aufwachen, bin ich ziemlich entspannt. Und mein Kind auch. Ich wage es sogar zu behaupten, dass ich mein Kind selten so glücklich gesehen habe, wie jetzt. Sie lacht viel mehr, hat nur ganz wenige bis gar keine Wutanfälle und spricht wie ein Wasserfall. Warum? Weil es ganz viele helfende Hände und Spiele-Partner gibt.

Wir haben hier im Urlaub einen sogenannten „Familien-Clan“, der sich aus dem Mann, meiner Mutter, meiner Tante, meiner Cousine, meinem Papa und dem Hund zusammensetzt. Jeder passt ein bisschen auf das Kind auf, abwechselnd. So bekommt sie ganz viel Aufmerksamkeit, von unterschiedlichen Leuten.

Jeder hat auch einen anderen Umgangs-Stil. Meine Tante ist eine eher Vorsichtige und sie schwelgt jedes Mal dahin, wenn das Pralinchen ihr etwas auf ihre Art erzählt. Meine Cousine ist sehr einfühlsam und kümmert sich rührend um sie. Die Oma blödelt manchmal gerne mit ihr, erzählt ihr Geschichten, kocht ihr was Leckeres und der Papa verführt sie zu einem langen Spaziergang mit Schoko-Bananen-Pancakes.

Und immer wieder denke ich mir: mein Kind ist gerade richtig happy, weil sie mitten in diesem Clan ist. Weil das so ist, wie wir Menschen schon seit Generationen aufgewachsen sind. Artgerecht. Und ich traue mich zu behaupten, dass genau das Kinder besonders glücklich macht: Wenn sich viele unterschiedliche Menschen liebevoll um sie kümmern. Menschen, denen sie vertrauen können, die ihre Bedürfnisse ernst nehmen, die ihnen Aufmerksamkeit schenken. Viele unterschiedliche Menschen, nicht nur Mama. Oder Papa.

Und natürlich ist mir bewusst, dass wir diesen Familien-Clan nur ein-bis zwei Mal im Jahr in dieser Form haben. Und dass es ein Privileg ist, sich mit der Familie einigermaßen gut zu verstehen, sodass man gemeinsam auf Urlaub fährt (trotz der einen oder anderen Meinungsverschiedenheit). Bei vielen wäre das gar nicht möglich oder sogar undenkbar. Aber wenn es nicht der Familien-Clan ist, dann vielleicht ein Netzwerk aus Freunden und Bekannten?

Jede helfende Hand und jeder zusätzliche Spiele-Partner zählt. Denn gemeinsam können wir viel effektiver zum Glück unserer Kinder beitragen.

Wie seht Ihr das? Und was macht Eure Kinder glücklich? 

 

Mama arbeitet: der ganz normale Wahnsinn am Morgen

Früher, als ich noch kein Kind hatte, bin ich um 7:00 Uhr aufgestanden und war um 9:00 Uhr in der Arbeit. Jetzt frage ich mich, was ich während all dieser Zeit gemacht habe.

Denn jetzt muss ich um 7:00 Uhr aufstehen UND:

  • Kind möglichst sanft aufwecken
  • Frühstück für uns beide machen
  • Zähne uns beiden putzen
  • Make-Up draufklatschen
  • Kind (unter Protest) anziehen
  • diskutieren, welches Stofftier mitkommen soll
  • Kind in den Kinderwagen setzen
  • Kind in die Kita bringen, ausziehen, der Erzieherin übergeben
  • in die Arbeit fahren
  • um 9:00 Uhr ankommen.

Wow!!! Ich staune nicht schlecht über mich selbst, wozu ich in der kurzen Zeit fähig bin. Doch natürlich läuft das mal mehr und mal weniger gut. Heute war so ein Morgen, wo ich diese Hektik massiv gespürt habe. Und das mit nur einem Kind und einem Halbtagsjob! Ich erzähle Euch mal, wie das so abgelaufen ist.

7:00 Uhr: der Papa weckt uns, er muss gleich in die Arbeit fahren. Ich gebe Pralinchen und mir noch eine halbe Stunde Schonfrist. Schnarch!

7:30 Uhr: ich schaue, was auf Twitter los ist. Das Pralinchen schläft noch. Es fällt mir so schwer, sie aufzuwecken. Ich beschließe, Frühstück zu machen und mich fertig zu machen. Sie soll noch 15 Minuten schlafen. Ein fataler Fehler, wie es sich später erweist.

7:45 Uhr: ich habe mich und das Frühstück fertig gemacht und wecke das noch immer seelig schlummernde Kind. Sie will nicht aufstehen, meckert herum. Ich verstehe sie. Ich sage ihr, der Bär ist hungrig und will gefüttert werden. Nur so gelingt es mir, sie zum Frühstück zu motivieren.

8:10 Uhr: wir frühstücken immer noch, langsam werde ich nervös…in 10 Minuten müssen wir los. Noch dazu entscheidet das Kind, dass es alles ausziehen und nackt durch die Gegend laufen will (macht sie derzeit gefühlte hundert Mal am Tag). Ich ziehe sie aus. Will einen Trotzanfall vermeiden. Ich sage ihr, dass wir uns gleich anziehen müssen.

8:15 Uhr: suche hektisch nach meinem Handy. Puuuhh, was für ein Glück, es ist geladen. Pralinchens Kleidung habe ich am Vortag zurechtgelegt. Ich fühle mich als organisierteste Mama der Welt. Yay! Ich bereite das Nackedei darauf vor, dass es angezogen wird. Lautstarkes Gebrüll. Die Nachbarn sind jetzt sicher wach und dankbar, dass sie keinen Wecker brauchen.

8:20 Uhr: das Anziehen findet noch immer unter massivem Protest, Gebrüll, Hin- und Herwinden, Durchstrecken statt. Ich versuche, Zen-buddhistisch Contenance zu bewahren, während ich mir die Schweißperlen von der Stirn streiche und mir überlege, ob ich der stressbedingten Transpiration wegen alleine in der Straßenbahn sitzen werde.

8:25 Uhr: Anziehen fertig, ich fühle mich als schlechteste Überdrüber-Rabenmama der Welt. Das Kind wird in den Kinderwagen gepackt und es wird in die Kita gefahren.

8:35 Uhr: Wir kommen in der Kita an, eine Überraschung wartet auf uns: „Scharlach“ steht auf einem knallroten Aushang. Wahrscheinlich, um die Eltern schon mal sinnbildlich darauf vorzubereiten.

8:40 Uhr: das Pralinchen ist umgezogen und wird der Erzieherin übergeben. Aber halt! Da ist ja niemand drinnen im Gruppenraum?! Die nächste Überraschung: beide Erzieherinnen sind krank, es sind nur Ersatz-Pädagoginnen dort. Ich bekomme leichte Hitzewallungen. Stress pur. Darauf war ich nicht vorbereitet.

Ich habe das Kind auf dem Arm, klarerweise will es nicht von mir weg. Ist ja schließlich noch nicht lange in der Kita und will seine Vertrauenspersonen haben. Vier neue Augenpaare starren sie an. „Kommst du zu mir?“ „Nein!“. Die Erzieherin schaut sichtlich überfordert ihre Kollegin an. Ich muss in zwei Minuten weg zur Arbeit. Zum Glück kommt eine Assistentin vorbei, die das Pralinchen kennt. Sie lässt sich von ihr auf den Arm nehmen. Puuuh…was für eine Erleichterung!

8:45 Uhr: ich fahre mit der Straßenbahn in die Arbeit. Viel zu spät.

9:15 Uhr: ich komme abgehetzt im Büro an. Ich gehe in die Küche, um mir Kaffee zu machen. Und was sehe ich da?


Meine Kollegin klärt mich auf: am Vorabend gab es einen Vortrag mit französischem Buffet. Davon ist noch was übriggeblieben und das Catering hat eine Nachricht hinterlassen mit: „Bon Appetit! Quiche + Spieß 5 Minuten/200 C“. Ist doch voll nett, oder? Ich setze mich an meinen Schreibtisch, lege die Beine hoch und genieße das Schokotörtchen mit Kaffee. Das habe ich mir jetzt verdient!

Und wie läuft bei Euch so die Morgenroutine ab? Ist es auch so hektisch? Oder ganz entspannt?

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