Panik

Schreckmoment: Es gibt diese verflixten Tage…

Die liebe Johanna vom Elternkram.blog hat eine Blogparade ins Leben gerufen, die ich ganz wunderbar finde. Es geht um Schreckmomente, wie wir sie als Eltern erleben: wenn das Kind etwas schluckt und fast daran erstickt wäre (wie bei Johanna), wenn es plötzlich vor ein Auto rennt, vom Klettergerüst fällt, und und und…All diese Schreckmomente aufzuschreiben finde ich sehr hilfreich und sinnvoll, um im Falle des Falles lösungsorientiert denken zu können. Soweit es halt in der Situation möglich ist…

Zum Glück sind wir bis jetzt von den ganz großen Schreckmomenten verschont geblieben (klopfe gerade drei Mal auf Holz). Einzig als frisch geschlüpftes Baby hat uns das Pralinchen etwas Sorgen gemacht. Bei der ersten Untersuchung im Krankenhaus ist eine Hüftdysplasie entdeckt worden. Es ist ein ungutes Gefühl, wenn beim Neugeborenen etwas „Abnormales“ entdeckt wird, auch wenn wir es zwei Monate später mit einer Spreizhose in den Griff bekommen haben.

Und ein paar Tage später, da waren wir schon zu Hause, hatten der Mann, ich und die Großeltern Herpes-Bläschen auf den Lippen. Die Gefahr war groß, das aufs Neugeborene zu übertragen. Wäre das der Fall gewesen, hätte unser Kind eine Gehirnhautentzündung bekommen können. Wir fuhren sehr bald ins Spital, um das etwa vier Tage alte Baby untersuchen zu lassen. Ich hatte Angst um die kleine Maus. Gehirnhautentzündung kann  ja schließlich tödlich enden…und das Risiko einer Übertragung war groß. Aber zum Glück haben uns die Ärzte beruhigt und empfohlen, Gesichtsmasken zu tragen und ganz oft die Hände zu waschen. Und so verbrachten wir die ersten Tage mit unserer Maus maskiert und alle paar Minuten alles desinfizierend. Beim Geruch an Desinfektionsmittel denke ich immer noch an das Wochenbett.

Ja, wir waren paranoid. Aber vielleicht zu Recht. Denn ein paar Monate später las ich von dem traurigen Fall eines Babys, das aufgrund einer Übertragung des Herpes-Virus an der darauf folgenden Gehirnhautentzündung gestorben war…

Aber zurück zum heutigen Tag…denn ja, heute hatte ich auch einen Schreckmoment mit meinem Kind. Und heute war irgendwie der Hund drinnen: Da verbringe ich schon seit langer Zeit erstmals wieder einen ganzen Tag mit dem Pralinchen, ohne Oma, Kita oder Papa. Und gerade dann passieren lauter Unfälle! Irgendwie habe ich heute begonnen, an mir selbst zu zweifeln.

Doch: Es gibt sie, diese verflixten Tage. Zuerst hat sich das Kind eine blaue Schramme auf der Stirn beim Springen auf dem Bett geholt, sie ist nämlich volle Kanne auf die Bettkante gestürzt. Dann fliegt sie aus dem Kinderwagen – klatsch – mit dem Kinn auf die Betonfliesen. Stürze gehören dazu und sind nicht allzu tragisch…aber: dann passierte „er“, der Schreckmoment für mich.

Wir waren gerade auf dem Balkon und aßen Erdbeeren. Plötzlich zeigt mir das Pralinchen einen Stein „Was ist das?“ und nimmt ihn in den Mund. Und eine Erdbeere hinterher. Ich sagte zu ihr, sie solle den Stein sofort ausspucken. Ich griff ihr auch in den Mund, doch es war zu spät. Ich hörte, wie sie den Stein schluckte. Mir wurde plötzlich ganz heiß im Kopf – das ist immer so, wenn ich in Panik verfalle. Dann schießt das Blut blitzschnell ins Gehirn. Geht Euch sicher auch so, oder?

Ich versuchte mich dann zu beruhigen: Der wird wohl unten wieder rauskommen. Er war nicht so spitz. Aber dann dachte ich: was, wenn er nicht rauskommt und irgendwo in einer Darmschlinge stecken bleibt? Jedenfalls rief ich sofort unseren Kinderarzt an. Er fragte, ob sie hustet. Nein. Ok, das ist gut, dann wird er wohl im Magen gelandet sein. War er spitz? Wie groß? Etwa wie ein Daumennagel. Und zum Schluss dann: „Ich würde jetzt gar nichts machen. Auch nicht röntgen. Er wird unten wieder rauskommen.“ Unser Kinderarzt war eine coole Socke. Das finde ich so toll an ihm. Er hat wirklich viel Erfahrung, nach etwa 25 Jahren schmeißt ihn so leicht nichts mehr vom Hocker.

Ok, dann heißt es eben abwarten und ruhig bleiben. Inzwischen wollte das Pralinchen kuscheln und Geschichten erzählt bekommen. Aber ich war nicht ganz bei der Sache, irgendwie ließ mir der blöde Stein doch keine Ruhe…

Ich ging nochmal auf den Balkon und suchte alles ab. Vielleicht hatte sie ihn ja doch nicht geschluckt? Und dann fand ich etwas, das genau so aussah, wie der Stein, den mir das Pralinchen zeigte. Ich nahm das runde kleine Ding und es ließ sich zusammendrücken. Es war nur ein Stück Torf oder so etwas Ähnliches! Puuuhh, war ich erleichtert!!

So sah das Ding aus:

Erfahrene Mehrlingseltern werden jetzt womöglich sagen: „Wieso hast du dich denn so aufgeregt? Bei uns gehört das zum Alltag!“ Aber für mich war es wirklich ein Schreckmoment, denn ich habe ganz schlimme Angst davor, dass sich das Pralinchen an etwas verschlucken könnte. Und ich bin sowieso eine sehr ängstliche Mama, womöglich weil ich sehr behütet aufgewachsen bin. Ich hoffe, dass dem Pralinchen nichts Schlimmes passiert, denn mit so Schreckmomenten komme ich überhaupt nicht gut klar.

Wie geht es Euch damit? Könnt Ihr einen klaren Kopf behalten? Welche Schreckmomente habt Ihr mit Euren Kindern erlebt?

 

Mit den Masern brach die Panik aus

Ich weiß, ich begebe mich mit diesem Beitrag aufs Glatteis, denn nichts spaltet die Elternnation so wie das Thema Impfen. Aber ich möchte hier einfach nur berichten, wie ich meine Einstellung zu diesem Thema geändert habe. An einem Tag. Denn ich hatte richtig Panik vor den Masern. Habe ich überreagiert? Vielleicht…aber jetzt mal von vorne.

Kurze Vorgeschichte: Impfen ja, aber wir gehen unseren Weg

Als das Pralinchen etwa einen Monat alt war, begann ich mich mit dem Thema Impfen auseinanderzusetzen. Ich holte mir zuerst Meinungen aus unserem Bekanntenkreis ein. Dann informierte ich mich im Internet, las ein Buch „Impfen pro und contra“ und ließ mich von unserem Kinderarzt beraten, aus alldem bildete ich mir eine eigene Meinung und beschloss, das Pralinchen zu impfen, aber etwa 6 Monate später als üblich. Es fühlte sich für mich einfach nicht richtig an, einen 3 Monate alten Säugling zu impfen. Schon alleine vom Körpergewicht her, dachte ich, dass das Immunsystem eines älteren Babys die Impfdosis und vor allem die darin enthaltenen Zusatzstoffe einfach besser bewältigen kann, wenn mehr „Masse“ da ist. Das schien mir irgendwie logisch. Und so impften wir die gängigen Impfungen, aber eben zeitverzögert. Natürlich alles in Absprache mit unserem Kinderarzt. Der ist übrigens mit seinen über 20 Jahren Erfahrung ein „alter Hase“ und sehr unaufgeregt, nicht nur was Impfen betrifft.

Die Mumps-Masern-Röteln Impfung stand zuletzt auf dem Programm, und zwar im November. Wir hatten schon einen Termin ausgemacht, doch wir mussten zu den Schwiegereltern etwa 700km fahren und der Kinderarzt riet uns ab, da die Gefahr der Impfmasern bestand, also verschoben wir die Impfung. Doch im November war die Eingewöhnung in den Kindergarten und seit das Pralinchen in die Kita geht, sind wir im 2-Wochen-Rhythmus krank. Impfen war also gar nicht richtig möglich.

Die Masern kommen zu uns

Vor ein paar Wochen las ich dann von den ersten Masern-Fällen in Berlin und begann, mir Gedanken zu machen. Doch dann kam immer irgendwas dazwischen und ich verlor die Mumps-Masern-Impfung aus den Augen. Diese Woche ging das Thema Impfen ziemlich stark durch die österreichischen Medien. „Reine Panikmache!“ dachte ich mir. Ich ließ mich aber trotzdem leicht verunsichern, kontaktierte unseren Kinderarzt wegen eines Impftermins am Di. Mailbox voll. Am Mittwoch ebenso. Ich kam nicht zu ihm durch. Dass er mal auf Urlaub war, war schon öfter der Fall, aber nicht durchzukommen noch nie. Ich war überrascht, weil er sonst immer sehr gut erreichbar ist und gleich abhebt.

Gestern kam mein Mann aus der Arbeit nach Hause und fragte mich gleich, ob ich unseren Kinderarzt erreicht hätte. Nein. Es gäbe nämlich Masernfälle in einem Waldorfkindergarten in unserer Nähe. So richtig in unserer Nähe, nämlich nur ein paar Straßenbahnstationen entfernt. Huch! Jetzt wurde es ernst…denn das Pralinchen und der Mann gehen in dem Park, in dem sich der Kindergarten befindet, öfter mal auf den Spielplatz. Es war schon zu spät am Abend, um den Kinderarzt anzurufen, also machte ich das gleich heute in der Früh.

Endlich erreichte ich den guten Herren, bzw. eher seine Mailbox: „Die Praxis ist bis 9.3.  geschlossen.“ Na toll. Jetzt hatte ich ein mulmiges Gefühl im Bauch. Ich machte mir ziemliche Vorwürfe. Wieso hatte ich die Impfung nur so lange hinausgezögert? Ok, das Pralinchen war krank und wir konnten gar nicht impfen. Aber trotzdem. Das war unverantwortlich von mir. Vor allem, weil ich wusste, dass die Krankheit sogar tödliche Komplikationen mit sich ziehen kann. Und ich las im Ratgeber, dass man sofort impfen sollte, wenn die Masern ausbrechen. Was, wenn sie sich jetzt irgendwie ansteckt? Solche Kinderkrankheiten gehen doch total schnell herum.

Ich hatte Panik. Richtige Panik.

Kennt ihr dieses Gefühl im Bauch, wenn man weiß, dass man einen Fehler gemacht hat? Und wenn man weiß, dass man jetzt schnell handeln muss? Ganz schön stressig…

Ich suchte die Nummer einer anderen Kinderärztin heraus. Wir kannten sie schon, weil wir schon einmal bei ihr waren. Ich erreichte sie nicht, aber sie meldete sich innerhalb kurzer Zeit zurück. Ja, die Tochter müsse sobald wie möglich geimpft werden, es hätte schon 40 (!)  Masern-Fälle gegeben. Sie hätte jedoch erst am Mittwoch einen freien Termin. Ich nahm den und erkundigte mich, ob das ausreiche, erst am Mittwoch zu impfen. „Wir wollen doch nicht überreagieren“ meinte sie. Na gut, wenn sie meint…sie wird es als Ärztin wohl wissen.

Doch irgendwie überzeugte mich das nicht so ganz. Ich beratschlagte mich mit meiner Mama, sie spürte meine Angst. Sie meinte, sie hätte vor kurzem eine neue Kinderarztpraxis gesehen, ganz in unserer Nähe. Ich rief dort an und bekam innerhalb von 2 Stunden einen Termin. Wow! Einerseits freute ich mich und andererseits dachte ich mir, „wenn die uns so schnell einen Termin geben, muss die Lage doch ernst sein“. Noch mehr Panik. Aber wir haben ja schon einen Termin, alles gut. Puuuh.

Ein Wartezimmer-Foto

„Ich habe schon Kinder an den Spätfolgen von Masern sterben sehen“

Die Ärztin war sehr freundlich, zeigte dem Pralinchen ein Puppenhaus und Kuscheltiere und stellte mir ein paar Fragen. „Es ist klug von Ihnen, dass Sie gleich hergekommen sind. Masern sind eine sehr unterschätzte Krankheit. Die Kinder bekommen Fieber und Ausschlag, und die Eltern denken sich, das ist nichts Schlimmes. Aber es kann Komplikationen geben, bei Buben z.B. eine Hodenentzündung, die zu Unfruchtbarkeit führen kann. Schon alleine deswegen würde ich das Kind impfen lassen. Und 10 Jahre später kann es durch die Masern zu einer Gehirnentzündung kommen. Ich habe zwei Kinder an den Spätfolgen von Masern sterben sehen. Die Eltern konnten nur zuschauen. Da konnte man nichts mehr machen, das war schrecklich.“

Sie selbst hat zwei Kinder, die sogar in die Waldorfschule bzw. in den Kindergarten gehen, wo die Masernfälle jetzt aufgetreten sind. Und sie ist heilfroh, dass ihre Kinder geimpft wurden. Sie warten zwar noch auf die Blutabnahmen, aber es gab insgesamt schon 8 Fälle dort.

Das Pralinchen drehte natürlich bei der Impfung voll auf. Lautstärke hoch 10. Die Ärztin meinte, ich könne ihr danach die Brust zur Beruhigung geben, das fand ich sympathisch. (Ich hatte zuvor angegeben, dass ich noch stille, und sie meinte „Jeder, wie er will“). Das machte ich gleich und das Pralinchen beruhigte sich auch recht schnell wieder. Sie war richtig tapfer, ich war stolz auf sie. Danach gingen wir in den Laden und sie bekam Schokoeier, ein kleines Kuscheltier und einen Saft. Pädagogisch und ernährungstechnisch sehr schlecht, ich weiß, aber das fühlte sich so passend an…

Habe ich mit meiner Panik und dem sofortigen Impfen überreagiert?  Vielleicht ja, vielleicht aber auch nicht. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich ab jetzt auf Nummer sicher gehen will. Und dass ich beim zweiten Kind – falls wir eines haben sollten – nicht mehr zeitverzögert impfen werde, sondern genau nach dem Impfplan vorgehen werde. Damit die Impfungen erledigt sind, wenn es in den Kindergarten kommt, und ich keine Panik schieben muss.

Wie seht Ihr das? Wie macht Ihr das mit Euren Kindern? 

 

Copyright © 2019 · Theme by 17th Avenue