Schlafprobleme

Abstill-Schlafproblem gelöst: Vom Boden zurück ins Bett

Vor einiger Zeit habe ich hier darüber geschrieben, wie ich durch das nächtliche Abstillen völlig am Boden war, weil sich Schlafprobleme bei uns eingenistet haben. Mein Kind wollte mitten in der Nacht, also immer so gegen 2:00 oder 3:00 Uhr, auf dem Fußboden im Wohnzimmer anstatt im Familienbett schlafen. Das führte dazu, dass ich nicht mehr weiterschlafen konnte und stundenlang wach gelegen bin. Es war keine schöne Zeit und ich machte mir ziemlich viele Gedanken. Würde das immer so bleiben? Ist es ein neuer Entwicklungsschritt und soll ich darauf eingehen? Womöglich will sie im eigenen Zimmer schlafen. Oder auch nicht, und wir fahren gerade schnurstracks in eine Sackgasse.

Neben dem permanenten Schlafmangel war das Schlimmste für mich, dass ich mein eigenes Kind überhaupt nicht verstehen konnte. Was wollte sie mir damit sagen? Was war der Grund für ihr Verhalten? Ich wollte es so gerne wissen. Nun ist es so, dass Kinder im Alter von drei Jahren nicht wirklich sagen können, warum sie ein bestimmtes Verhalten an den Tag legen (bzw. an die Nacht, hihi). Selbst Erwachsene können das manchmal nicht. Oder wisst ihr immer, WARUM ihr etwas macht? Ich stand also ziemlich an und sah keine wirkliche Lösung des Problems. Meine Grübeleien drehten sich ständig im Kreis. Und meine Augenringe hingen schon bis zu den Knien.

Wenn man nicht mehr weiter weiß…

…holt man sich am besten Rat. Zum Glück stolperte Bettie von Das frühe Vogerl über meinen Text zum nächtlichen Abstillen und legte mir Anna Hofer ans Herz. Anna ist seit vier Jahren Stillberaterin und Heilpraktikerin in der Psychotherapie. Ich schrieb sie also an und vereinbarte mit ihr einen Termin für eine telefonische Fernberatung, da sie in Köln ist und ich in Wien. Ich schilderte ihr mein Problem nochmal genauer, sie hatte im Vorfeld auch meine Texte hier auf dem Blog gelesen und konnte sich so ein ungefähres Bild machen.

Anna erwies sich nicht nur als sehr kompetent, sondern auch äußerst unterhaltsam. Sie erklärte mir die evolutionsbiologischen Hintergründe unseres Schlafes:

Wir wachen deshalb oft auf, weil wir nicht wollen, dass uns oder jemanden aus unserer Sippe ein Säbelzahntiger frisst. Nun ja, im Fall von der Schwiegermutter drücken wir dann doch ein Auge zu. 😉 Jedenfalls ist unser Schlaf eine sehr heikle Angelegenheit, wir schlafen ziemlich lange (Elefanten hingegen nur 20 Minuten  4 Stunden). Deshalb müssen wir uns öfter rückversichern, dass alles Paletti ist.

Schlafbrücken bauen

Um wieder in den Schlaf zurückzufinden, brauchen wir sogenannte „Schlafbrücken“. Für meine kleine Tochter bestand die Schlafbrücke ihr gesamtes Leben lang aus Stillen. Seit ihrem ersten Atemzug. Kein Wunder, dass sie jetzt total verwirrt war! Als Schlafbrücke hat sie sich nach dem nächtlichen Abstillen den Übergang vom Bett auf den Fußboden zurechtgelegt. Für sie total logisch, denn sie musste ja auch irgendwie zum Schlafen kommen. Für uns hingegen total blöd. Doch was tut man nicht alles, um genügend Schlaf zu bekommen! Und so legten wir uns immer zu ihr auf den Boden. Es galt nun, sie dabei zu unterstützen, eine andere Schlafbrücke zu finden.

Die Sache mit der Windel

Doch was brachte sie dazu, immer um dieselbe Zeit, also ca. 2:00/3:00 Uhr nachts aufzuwachen? Laut Stillberaterin Anna verstärkt sich um diese Zeit herum unsere Nierenaktivität. Drei Monate alte Babys werden unruhig, weil sie pullern müssen, aber meist schon eine nasse Windel haben. Und in eine nasse Windel hineinzupullern stelle ich mir auch nicht so prickelnd vor. Vielleicht war das auch hier, bei meiner Dreijährigen der Fall? Anna empfahl mir, zuerst auf die Toilette mit ihr zu gehen, ihre Windel zu wechseln und Wasser anzubieten. Genau das machten wir ein paar Nächte lang und siehe da – es funktionierte!!!

Sie hatte sich eine neue Schlafbrücke zurechtgelegt. Mittlerweile genügt es, ihr die Windel zu wechseln, sie kuschelt sich an mich und schläft friedlich weiter. Kein Schlafen auf dem Fußboden mehr! Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie erleichtert ich bin! Und unendlich dankbar für Annas Rat.

Ich habe durch unser Abstill- und Schlafproblem viel dazugelernt, auch wenn es mich mehrere Wochen lang viel Kraft kostete. Am Ende noch zusammengefasst meine Tipps für Euch:

  • Jedes Verhalten Eurer Kinder hat einen Grund
  • Fragt nach dem „Warum?“
  • Falls ihr nicht weiterweißt, holt Euch Rat
  • Oft genügt der Blick von Außen, um Dinge in die richtige Richtung zu lenken
  • Mit Kindern ändert sich ständig was
  • Eure Kinder sind die besten Lehrer/innen (sorry für diese abgedroschene Phrase an dieser Stelle, aber es ist wahr)
  • Es ist nie zu spät für eine Veränderung!

So, und demnächst steht bei uns eine neue Herausforderung an, nämlich das komplette Abstillen, auch untertags. Das wird noch lustig werden! Ich halte Euch am Laufenden!

Abstillen in der Nacht: Warum ich völlig am Boden bin

Ich stille mein Kleinkind jetzt seit 3 Jahren und 3 Monaten. Das ist eine wirklich lange Zeit. Eine schöne Zeit, denn ich bin eine begeisterte Langzeitstillende. Unsere Stillmomente bedeuten mit sehr viel. Sie geben mir Kraft im Alltag und in der Nacht ließen sie mich, mit Ausnahmen von einigen Nächten, wirklich gut schlafen. Bis jetzt.

Denn vor einigen Wochen habe ich beschlossen, in der Nacht abzustillen und nach und nach ganz langsam überhaupt unsere Stillzeit zu beenden. Der Grund ist unsere Familienplanung: das Stillen macht es mir unmöglich, schwanger zu werden. Außerdem denke ich, dass das Pralinchen nun groß genug ist, um andere Wege zu finden, sich zu beruhigen und Nähe zu tanken. Immer mehr wünsche ich mir, dass sie sich an mich kuschelt, anstatt zu stillen. Dass ich ihr Geschichten erzähle oder ein Buch vorlese, oder dass wir miteinander plaudern.

Abstillen in der Nacht mit Stillpause

Der Entschluss war gefasst. Ich habe ihr erklärt, dass sie noch zum Einschlafen gestillt wird, und dass sie dann keine Brust bekommt, solange es dunkel ist. Wenn es wieder hell wird, kann sie wieder stillen. Sie war einverstanden damit.

In den ersten Nächten protestierte sie heftig, war richtig wütend. Ich hatte mit starken Gefühlen schon gerechnet und wusste, dass ich sie als Mama aushalten musste. Ich tröstete, tröstete, tröstete, kuschelte, tröstete. Trocknete Tränen ab. Reichte Wasser, das sie nie wirklich wollte. Sie hatte ja ein Recht darauf, gekränkt zu sein, schließlich war es ja ein großer Verlust für sie. In einer Nacht weinte sie ganz herzzerreißend und war traurig. Aber sie war sehr tapfer und ich spürte, dass sie kooperierte und dass sie es schaffen wollte. Ich war immens stolz auf sie, als sie es schaffte, ohne Stillen weiterzuschlafen.

In der einen Nacht wachte sie oft schreiend auf und beschimpfte mich. Ich war kurz davor, alles aufzugeben, weil es so schwierig war für mich, ihre Gefühle abzufedern. Es kostete so viel Kraft! Ich hatte zwar frei, weil Feiertage waren, aber danach musste ich zur Arbeit gehen. Abstillen und arbeiten ist echt keine gute Kombi. Aber ich konnte mir jetzt auch nicht 4 Wochen frei nehmen.

Ich bin ich ein Superhero! Und mein Kind isst Pilze.

Eines Nachts schaffte ich es, die starken Wutanfälle mit Geschichten erzählen rechtzeitig  abzufangen und fühlte mich wie ein verdammter Superhero. Doch leider funktionierte es nur zwei Nächte lang. Wodurch sie sich wirklich beruhigte war, wenn ich mich mit ihr ins Wohnzimmer auf die Couch legte. Doch dann könnte ich wiederum nicht mehr weiterschlafen. Ich fühlte mich mit einem Schlag in die Babyzeit zurückversetzt.

Nach zwei Wochen mit mehr schlechten als rechten Nächten, war mein Nervenkostüm so dünn, dass ich mich nicht mehr richtig um mein Kind kümmern konnte. Ich war gereizt, taumelte von Tag zu Tag, schlaftrunken, neben mir stehend. Eines Abends passte ich nicht auf, und sie aß Pilze auf unserem Balkon. Zum Glück stellten sie sich als ungiftig heraus. Aber es war ein Zeichen für mich, etwas ändern zu müssen. Ich war durch das nächtliche Abstillen so erschöpft, dass ich nicht mehr richtig schlafen konnte. Stundenlang lag ich in der Nacht wach und konnte auch untertags nicht schlafen, als das Pralinchen Mittagsschläfchen hielt. Das war richtig belastend.

Der Papa übernimmt!

Wir beschlossen, dass der Mann sich nun in der Nacht um sie kümmern musste. Als sie aufwachte, legte er sich mit ihr auf die Couch beziehungsweise ins Wohnzimmer auf den Boden, weil dort einfach mehr Platz ist für sie beide.

Der Mann kann zum Glück sofort weiterschlafen nach dem Zimmerwechsel. Doch leider wollte das Pralinchen wieder zurück zu mir ins Bett. Wieder wachte ich auf und konnte nicht weiterschlafen.

Inzwischen teilen wir uns die Nächte. Mal übernehme ich in der Nacht, mal er. Mal kann ich weiterschlafen, mal nicht. Doch es gibt weiterhin ein großes Problem:

Wir liegen am Boden. Jede verdammte Nacht.

Die Nächte nach dem Abstillen verlaufen inzwischen so: Das Kind wacht ca. 2-4 Mal auf. Die ersten beiden Male kuschelt sie sich kurz an mich und rollt dann im Bett herum. Manchmal sogar in ihr eigenes beigestelltes Bett. Aber sie schläft weiter.

Beim dritten Mal Aufwachen will sie immer in ein anderes Zimmer. Und beruhigt sich sofort, wenn ich oder der Mann sich mit ihr dort auf den Boden legt. Will ich mit ihr wieder zurück ins Bett, schreit sie und verlangt nach dem Stillen. Sie will das Zimmer wechseln. Unbedingt.

Warum macht sie das? Ich würde es so gerne verstehen!

Will sie nicht mehr im Familienbett, sondern alleine schlafen? Im eigenen Zimmer? Ist das ein nächster Entwicklungsschritt? Ist es ihr zu unruhig oder zu heiß? Oder ist es eine Art Protest: „Wenn ich nicht mehr stillen darf, dann will ich zumindest bestimmen, wo geschlafen wird!“

Inzwischen kommt das Auf-dem-Boden-schlafen nicht mehr in Frage für mich. Ich habe schmerzhafte Verspannungen im Nacken und in der Schulter. Das habe ich ihr auch schon erklärt, doch es nützt nichts. Auch wenn wir nicht zu Hause schlafen, sondern andernorts, möchte sie unbedingt auf den Fußboden, mitten in der Nacht. UNBEDINGT!

Ich möchte das nicht mehr!

Ich möchte diese nächtlichen Wanderungen nicht mehr. Ich wünsche mir die Nächte zurück, in denen ich durch das Stillen friedlich weiterschlafen konnte. Manchmal wünsche ich mir, ich hätte schon früher abgestillt, Fläschchen gegeben. Doch dann ist es wiederum viel einfacher abzustillen, wenn das Kind schon so groß ist. Man kann es so toll besprechen mit ihr. Und schließlich habe ich die lange Stillzeit bisher sehr genossen. Es klappt ja nach dem Abstillen mit dem Kuscheln und Beruhigen ganz gut. Aber ich bin dennoch im wahrsten Sinne des Wortes am Boden. Und der Boden ist für mich ein Problem. Denn zum Schlafen komme ich dadurch nicht wirklich. Und die Verspannungen tun ziemlich weh.

Es muss eine Lösung her. Vielleicht ein neues Bett in ihrem eigenen Zimmer, wo ich in der ersten Zeit mit ihr liege. Vielleicht nur Geduld, denn „Ommm!“, es ist womöglich nur eine Phase…

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht mit dem nächtlichen Abstillen? War es bei Euch auch eine emotionale Achterbahnfahrt? Oder ging es problemlos?

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